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Königsbrunn

07.02.2018

Mozart, Haydn und (böse) Zeitgenossen

Stehenden Applaus gab es für das Königsbrunner Kammerorchester unter Leitung von Christoph Teichner (Mitte) sowie für die Solisten Laura Faig (Sopranistin) und Joachim Strösser (Oboe).
Bild: Andrea Collisi

Das Königsbrunner Kammerorchester unter der Leitung von Christoph Teichner präsentiert vor ausverkauftem Haus auch Opern-Flair. Doch nach dem Schlussapplaus kommt die Polizei.

Inzwischen muss man überpünktlich vor Ort sein. Will man einen guten Platz für ein angekündigtes Konzert des Königsbrunner Kammerorchester (KKO) unter Leitung von Christoph Teichner haben, so darf man nicht erst kurz vor knapp zum Konzert kommen. Bei ihrem jüngsten zweistündigen Konzert „Arround Mozart“ im Evangelischen Gemeindezentrum mussten die Veranstalter, nachdem alle vorbereitenden 250 Sitzplätze besetzt waren, jedenfalls immer noch und nochmals aufstuhlen. Dies machten sie natürlich gerne und freuten sich über den guten Zuspruch. Nur einer wäre besser nicht gekommen.

Natürlich hat sich das Königsbrunner Kammerorchester über die Jahre einen Namen gemacht und jedermann weiß, man kann nicht nur Musikgenuss auf sehr hohem Niveau erwarten, sondern auch eine unterhaltsame musikalische Bildungsstunde genießen. Denn Christoph Teichner brilliert nicht nur als Dirigent und Pianist, sondern er führt auf seine ganz eigene Weise als Moderator durch das Programm und weist dabei auf die historischen, musikalischen und oft auch personellen Bezüge und Zusammenhänge der Stücke bezüglich ihrer Komponisten oder Zeitumstände hin. Egal ob es um alte oder zeitgenössische Werke geht.

Ein Abschiedsgeschenk für die Sängerin

So erkennen die Zuhörer die antiken Hintergründe zu der Oper „Les Horaces“ des einst unangefochtenen kaiserlichen Hofkapellmeisters Antonio Salieris Oper, bevor die Musiker die Ouvertüre mit den entsprechenden musikalischen inhaltlichen Pendants anspielen – beispielsweise mit Oboe, Fagott und Trompeten. Man erfährt zu Mozarts Konzertarie „Non temer amato bene“ für solistisches Klavier, Sopran und Orchester, dass Wolfgang Amedaues Mozarts diese als Abschiedsgeschenk für die damalige Sängerin Nanc Storace komponiert und höchstselbst am Klavier die Partie gespielt habe. Hier setzt auf ganz liebreizende Art die Sopranistin Laura Faig die Arie um, begleitet am Piano von Christoph Teichner sowie Susanne Zippe mit einem Violinensolo.

Ebenso begeisterte Laura Faig das Publikum mit der Konzertarie „Ah me vieni von idolo amato“ von Leopold Kozeluch. Dieser wird von Teichner als ein virtouser Pianist und einfallsreicher Komponist und vor allem als ein starker Rivale zu Mozart vorgestellt – die dennoch „ in herzlicher Ablehnung zueinanderstanden.“

Teichner, der ja öfters als eine feine musikalische Überraschung aus Wien vergessene oder unentdeckte Kompositionen mitbringt, präsentierte diesmal diese Arie sowie Kozeluchs Fantasie in d-Moll für Klavier und Orchester, furios und mit viel Applaus seitens der Zuhörer.

Der Wunsch nach einer kompletten Oper

Joseph Haydn wiederum, damals einer der beliebtesten Musiker, hielt sehr große Stücke auf Mozart und dieser nannte ihn „Papa Haydn“. Das Orchester bot die Ouvertüre von Haydns „Le pescatrici“ und Teichner bemerkte: „Es wäre schon, wenn wir hier einmal eine ganze Oper aufführen könnten, aber dazu bräuchte es einen richtigen Konzertsaal.“ Frenetischer Beifall war ihm hierfür sicher. Auffallend, wie oft das Thema jüngst angesprochen wird.

Wundervoll dargeboten, folgte Mozarts Klavierkonzert in C-Dur, bei dem Teichner erneut brillierte, aber sich auch auf seine lustvoll aufspielenden Musiker verlassen konnte – gleich ob die Streicher mit ihren Pizzicato oder die Läufe der Bläser und überhaupt mit feinen Modulationen aller. Doch Teichner präsentierte zuvor noch mit dem jungen Oboisten Joachim Strösser ein besonderes Zuckerl. Der zeigte sein großes Talent, zuvor hatte man ihn aus dem Orchester herausgehört, mit einem Mittelsatz von Guiseppes Verlardi.

Stehender Applaus, Bravorufe, und selbstverständlich Zugabe. Stellvertretend für viele, die alle unisono begeistertes Echo aussprachen, hier was Zuhörer Josef Hauber nach dem Konzert im Kreis von besuchern formulierte „Es war ein Genuss.“ Prima Stimmung herrschte zu dieser Zeit auch noch unter den Musikern auf dem Weg zurück in die Garderobe. Bis sie die Türe aufsperrten. Entsetzt mussten sie feststellen, dass der ganze Raum durchwühlt worden war. Die Polizei kam und ermittelte.

Bald stand fest, dass während des Konzerts eingebrochen worden war – trotz versperrter Tür. Der Täter muss sich im Gemeindezentrum auskennen und gewusst haben, dass man über eine Fluchttreppe auch von außen in den abgeschlossenen Raum hineinkam. Gleich mehrere Musiker wurden um das Bargeld ihrer Geldbörsen gebracht. Nicht weiterhelfen wird der Polizei ein Hinweis von Mozart persönlich in Cosi fan tutte: „Ein loser Dieb ist Amor“. Doch hier war definitiv keine Liebe im Spiel.

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