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Kreis Augsburg

20.08.2018

Müssen wir jetzt auch im Raum Augsburg Angst vorm Wolf haben?

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Die Rückkehr des Wolfs in unsere Breiten löst bei vielen Menschen Angst aus.
Bild: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Experten halten es für denkbar, dass Wölfe in den Landkreis Augsburg kommen. Was passiert, wenn sie sich niederlassen und zur Gefahr für Menschen werden?

Vor 200 Jahren verbreiteten sie im Augsburger Land noch Angst und Schrecken: Wölfe sollen damals in den tiefen Wäldern eine Bäuerin und ihre Tochter getötet haben. Daran erinnert eine Tafel „Beim Blutigen Herrgott“ im Wald zwischen Aystetten und Adelsried. Auch der Heimatdichter Ludwig Ganghofer hielt den Vorfall in seinen Kindheitserinnerungen fest. Der Mythos vom bösen Wolf trug dazu bei, dass die Tiere nach und nach ausgerottet wurden. Jetzt kommen sie zurück – auch ins Augsburger Land mit seinen ausgedehnten Wäldern?

„Das ist grundsätzlich denkbar“, sagt Johannes Enzler vom Bund Naturschutz (BN). Auch die Experten vom Landesamt für Umwelt in Augsburg halten es für möglich, dass sich Wölfe auf der Durchreise im Augsburger Land aufhalten. Auf der Durchreise war wohl auch das Tier, das eine Wildkamera im April im östlichen Landkreis Donau-Ries festhielt. Auch im Unterallgäu löste eine Wildkamera aus – allerdings war am Ende nicht eindeutig, ob das Foto tatsächlich eines der streng geschützten Exemplare oder vielleicht einen Schäferhund zeigte.

Es werden in Zukunft wohl mehr Fotos werden. Das zeigt die bayerische Tendenz: 2017 wurden in 16 Fällen mindestens sechs unterschiedliche Wölfe ausgemacht. Drei Jahre zuvor waren es nur drei.

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In den Alpen und Ostdeutschland gibt es wieder mehr Rudel

Dass in Bayern wieder mehr Wölfe unterwegs sind, liege an der erhöhten Quellpopulation, erklärt ein Sprecher des Landesamts für Umwelt: „Im südwestlichen Alpenbogen und in den neuen Bundesländern gibt es mittlerweile etliche etablierte Rudel. Deren Nachwuchs geht auf Wanderschaft.“ Auf der Suche nach einem eigenen Territorium könnten sie täglich 50 bis 70 und noch mehr Kilometer zurücklegen. Damit ein Wolf sich in einem Gebiet niederlässt, benötige er aber ausreichend Nahrung und Rückzugsräume.

Dass sich die Tiere tatsächlich im Landkreis dauerhaft ansiedeln könnten, gefällt Hans Fürst von der Jägervereinigung Augsburg wenig. Denn: Was ist, wenn die Wölfe zu einem Risiko für Menschen werden? Niemand könne verantworten, wenn beispielsweise ein Kind im Wald angefallen werde. Die Konsequenz für Fürst: Der Mensch müsste eingreifen. BN-Kreisvorsitzender Johannes Enzler glaubt nicht, dass der Wolf zu einem Problem für Menschen wird. „Die Tiere machen einen Bogen um Menschen.“

Weltweit seien keine Übergriffe bekannt. Dass Wölfe für Haustiere gefährlich werden können, ließe sich aber nicht wegdiskutieren. Auch Nutztiere gehören zum Speiseplan. Schutz bieten könnten Zäune. Enzler: „Aber selbst wenn sie massiv sind, dann ist das keine Garantie dafür, dass der Wolf fernbleibt.“ Im alpinen Raum lässt sich die Option wegen des Geländes kaum umsetzen. Dort wurden jüngst mehrere Kälber getötet. DNA-Analysen bestätigten jetzt den Verdacht: Es war ein Wolf.

 

Der Bauernverband befürwortet Abschuss im Notfall

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte sich im Zuge der Diskussion jüngst dafür ausgesprochen, Wölfe im Notfall abschießen zu lassen – zum Schutz von Mensch und Vieh. Martin Mayr aus Kutzenhausen, der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands, sieht es ähnlich: „Man diskutiert so lange, bis einem Menschen etwas passiert. Wir brauchen keinen Wolf in Deutschland.“

Im Alpenvorland werde die Weidehaltung eingestellt, wenn Wölfe wie jüngst im Oberallgäu weiterhin wildern. „Für das wenige Geld macht das doch niemand mehr auf der Alm“, sagt Mayr. Naturschützer Enzler spricht sich für einen unbürokratischen finanziellen Ausgleich für die Viehhalter aus. Sie sollten auch mit einer intensiven Beratung unterstützt werden.

Bei Problem-Wölfen könnte ein Einzelabschuss genehmigt werden. Dauerhaft lasse sich aber keine „wolfsfreie Zone“ durchhalten. Enzlers Idealvorstellung ist eine Koexistenz von Mensch und Tier. Er zählt auch die positiven Effekte durch das Wildtier auf: Es sorge dafür, dass die Verbissschäden in den Wäldern zum Beispiel durch Rehe zurückgehen. Gleichzeitig würden die Wölfe für eine „hygienische“ Wirkung sorgen: Kranke Tiere fallen ihnen leichter zum Opfer. „Wir haben ja auch keine Erfahrung mehr, wie man mit einem Wolf umgeht.“

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20.08.2018

Wie kommt Herr Enzler zu der abstrusen Behauptung, "Weltweit seien keine Übergriffe bekannt"? Es gibt genug dokumentierte Wolfsangriffe vor allem auf Kinder. Allein letztes Jahr gab es 10 verletzte Kinder in Israel, zwei Kinder wurden im Irak von Wölfen getötet. In Indien haben die häufigen Kindstötungen durch Wölfe sogar einen eigenen Namen: child lifting.
In Kanada gab es mehrere Angriffe von Wölfen auch auf erwachsene Männer.
Nur wenige dieser Fälle schaffen es in die deutsche Presse, so der Fall des zerfleischten 12-jährigen in Nepal, der dank der tiefen Temperaturen knapp überlebte, oder die griechische Schäferin, die beim Füttern ihrer Tiere von Wölfen angegriffen und krankenhausreif gebissen wurde - 6 Wochen vor dem Tod der britischen Professorin in Griechenland! Auch von den vier (!) erwachsenen Flüchtlingen, die ihre Flucht durch die Wälder im Grenzgebiet zu Albanien wegen fortgesetzter Angriffe durch Wölfe verletzt abgebrochen haben berichtete keine deutsche Zeitung.
Der Vergleich mit Hundebissen hinkt übrigens gewaltig, wenn man bedenkt, wie viele Hunde und wie vergleichsweise wenige Wölfe in direktem Kontakt zu Menschen leben.

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