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Schwabmünchen

23.06.2017

Nach 20 Jahren wieder im Freien

Brunnenbaumeister Christian Müller (rechts) beobachtet die Handgriffe seiner Mitarbeiter.
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Brunnenbaumeister Christian Müller (rechts) beobachtet die Handgriffe seiner Mitarbeiter.
Bild: Uwe Bolten

Die Arbeiten am Tiefbrunnen des Wasserwerks Schwabmünchen haben mit dem Herausziehen der alten Steigleitung begonnen. Warum dabei massenhaft Eisen an das Tageslicht kommt.

Der von Weitem sichtbare Autokran auf dem Gelände des Wasserwerkes zeugte von einer Maßnahme, die im Frühjahr vom Bauausschuss der Stadt beauftragt wurde: Die Regeneration des Brunnens 5, bekannt auch als Tiefbrunnen. Die aufwendigen Arbeiten sollen die Zukunftsfähigkeit des 1989 geteuften und 1990 in Betrieb genommen Tiefbrunnes verbessern.

Udo Dehne, Leiter des Wasserwerks, erläutert das Vorgehen: „Zuerst wurde der Brunnenkopf mit einem normalen Kran aus dem Pumpenhaus gehoben. Anschließend werden mithilfe des Autokrans die gut 120 Meter der Steigleitung abschnittsweise aus dem Brunnenschacht gezogen.“ Wenn dies erledigt sei, folge in den nächsten Tagen eine ausgiebige Video-Inspektion des Brunnenschachts. Je nach Zustand werde er gereinigt und gespült, bevor dann die neue Steigleitung mit Pumpe eingebracht werden könne. Der Brunnenkopf werde ebenfalls bearbeitet und den neuen Gegebenheiten angepasst, führte Dehne fort.

Fünf Millimeter dicke Schlammschlicht

Langsam zog der Kran die Rohre aus dem Brunnen, dessen Verbindungsflansche nach jeweils zwei Stück gelöst und auf dem Gelände angelegt wurden. „Der Unkundige wird erst einmal erschrecken, wenn er ins Innere der Rohre schaut“, sagte Dehne und wies auf die knapp fünf Millimeter dicke rotbraune Schlammschicht an der Innenwandung der Rohre hin. Diese Verockerung, so lautet der Fachbegriff, sei nichts anderes als Eisen und Mangan, welches sich im sauerstofffreien Tiefenwasser bilde und sich an den Rohrwänden absetze, erläutert Dehne. In der Trinkwasseraufbereitung fielen die Stoffe durch intensive Sauerstoffzufuhr in einem Oxidator aus und würden anschließend über Filterkies geleitet und gereinigt, beschrieb er die Aufbereitung in kurzen Zügen.

Währenddessen holten Brunnenbaumeister Christian Müller von der Firma Pigadi aus Berlin und seine Mitarbeiter zehnmeterweise die Rohre mithilfe des Krans aus dem Brunnen. Das aufziehende Gewitter beäugte er argwöhnisch. „Hoffentlich zieht es ab, sonst müssen wir einstellen, da der Kran eingefahren werden muss“, sagte Müller. Die Arbeiter hatten Glück, und nach zwei weiteren Rohrsegmenten kam die Pumpe nach 20 Jahren wieder an das Tageslicht. „Für ihr Arbeitsalter sieht sie noch ganz gut aus, auch wenn die Ablagerungen auf den Sieben sehr dick sind“, sagte Dehne nach der ersten groben Inspektion.

Normalerweise versagt bei so viel Schlamm die Kühlung

Christian Dobrindt, dessen Ingenieurbüro mit der Projektierung und Durchführung der Maßnahme durch den Bauausschuss beauftragt wurde und der die Arbeiten vor Ort begleitete, machte ebenfalls große Augen. „Es ist schon verwunderlich, dass die Maschine nicht schon ihren Geist aufgegeben hat“, sagte er. Bei einer solch dicken Schlammschicht um den Motor, den Ansaugkörben und den Pumpenlamellen sei normalerweise keine genügende Kühlung möglich. Die Folge wäre in der Regel ein Totalausfall des Gerätes, erläuterte er.

In den nächsten Wochen haben Betriebsleiter Udo Dehne und die Fachleute der Firma Pigadi genug zu tun, um den Tiefbrunnen zu regenerieren und mit einer neuen Pumpe sowie modernen Rohren zu versehen, bis der modifizierte Brunnenkopf wieder aufgesetzt und die Wasserförderung fortgesetzt werden kann.

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