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Landkreis Augsburg

19.01.2021

Nach Ärger um Landwirtschaftsamt Stadtbergen: Fachverband vor dem Aus

Franz Rotter (von links), Horst Brunner sowie der ehemalige Bürgermeister von Stadtbergen, Ludwig Fink, kämpfen im Juli 2020 für den Erhalt der Landwirtschaftsschule.
Foto: Andreas Lode (Archivfoto)

Plus Nach dem beschlossenen Wechsel an der Spitze des Landwirtschaftsamts in Stadtbergen will Franz Rotter den Verband für landwirtschaftliche Fachbildung auflösen.

Franz Rotter aus Gablingen will die rund 1200 Mitglieder des Kreisverbands schriftlich informieren und dann über einen Antrag zur Auflösung abstimmen lassen. "Wir werden nicht mehr gehört", sagt Rotter, der in Gablingen einen Acker-Bioland-Betrieb führt.

Mit Konrad Hörl, der das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Stadtbergen zur Jahresmitte verlässt und zur Regierung von Schwaben wechselt, verliert der Verband den Geschäftsführer. Hörl war Bindeglied zwischen der Behörde und dem Verein. Dessen Mitglieder erhalten zweimal im Jahr einen Rundbrief mit aktuellen Informationen zur Agrarpolitik. In dem mehrseitigen Schreiben geht es auch um Personalien im Amt, Termine, Angebote und Berichte über die anderen Aktivitäten des Verbands. Dazu gehören zum Beispiel Ausflüge oder die Organisation des Pflanzenbautags. Der Kreisverband unterstützt auch den landwirtschaftlichen Nachwuchs finanziell und lobt Preise aus.

Mangelnde Unterstützung durch junge Landwirte im Kreis Augsburg

Doch gerade von jungen Landwirten sei die Unterstützung zuletzt ausgeblieben, bedauert Rotter. "Es ist keiner mehr bereit, sich vorne hinzustellen", sagt der Landwirt, der seit 15 Jahren an der Spitze steht. Junge Landwirte seien heute teilweise so spezialisiert, dass sie sich für allgemeine Informationen nicht mehr interessieren", sagt Rotter. Dazu komme der Zeitdruck. Statt zum Pflanzenbautag zu kommen, würden sie Fachvorträge mit Top-Referenten in ganz Deutschland besuchen. "Das ist schade", sagt er. Die Entwicklung schlägt sich auch im Vorstand des Kreisverbands nieder: 2023 werden einige Posten vakant. Nachfolger seien nicht in Sicht. Auch Rotter will sein Amt niederlegen.

An die Stelle Konrad Hörls soll der Deuringer Forstdirektor Axel Heiß rücken.
Foto: Peter Bauer (Archivfoto)


Mit dem Ende des Kreisverbands soll laut Rotter auch ein Zeichen gesetzt werden. Rotter kritisiert den Wechsel an der Spitze des Stadtberger Amts scharf. Erst werde die Landwirtschaftsschule, die Konrad Hörl geleitet hatte, geschlossen. Dann werde er als Amtsleiter eingesetzt, um nach einem Jahr wieder das Feld räumen zu müssen.

An die Stelle von Hörl soll Forstdirektor Axel Heiß rücken. Der 57-Jährige aus Deuringen leitet derzeit das Amt in Krumbach. Den Wechsel kommentiert das Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in München nicht. Nur so viel: Die Personalentscheidung sei sorgfältig erwogen worden.

Wechsel in Stadtbergen: Die Reform der Landwirtschaftsämter

Hintergrund dieses Wechsels ist eine Reform der Landwirtschaftsverwaltung. Statt der derzeit 47 Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) wird es ab 1. Juli bayernweit nur noch 32 Ämter geben. 17 davon bleiben selbstständig, 30 werden mit einem benachbarten Amt zu künftig 15 neuen und größeren Ämtern zusammengeführt. Es wird laut Ministerium keiner der bisherigen Ämterstandorte aufgegeben, sie bleiben also auf kurzem Weg erreichbar.

Damit sollen Personalressourcen für die Kerndienstleistungen Beratung, Bildung, Förderung einschließlich Hoheitsvollzug und Information für Landwirte und Gesellschaft vor Ort effektiver eingesetzt werden. "Mit den neuen Strukturen wird die Verwaltung nicht nur effizienter und fit für die Zukunft, die Neuaufstellung rückt die Landwirtschaft auch wieder mehr in die Mitte der Gesellschaft - wo sie hingehört", sagte Staatsministerin Michaela Kaniber. Die Verwaltung werde bayernweit einheitlicher und effektiver, sie bleibt aber weiterhin in der Fläche präsent, so Kaniber.

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