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Königsbrunn

01.03.2019

Nach der Wutrede trumpfen Schlagerstars auf

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Im letzten Programmpunkt traten einige CSU-Stadträte als Schlagerstars auf - hier Maximiliam Wellner als DJ Ötzi mit „Ein Stern, der deinen Namen trägt“
Bild: Hermann Schmid

Beim Königsbrunner Salvatoranstich gibt Peter Henkel seinen Abschied als Redner. Viel Applaus gibt es fürs Levitenlesen der Theatergruppe und drei „Sänger“.

Seit Jahren organisiert die Königsbrunner CSU, die seit Jahrzehnten die Weichenstellungen für die Stadt prägt, mit dem Salvator-Anstich ihr eigenes Derblecken. Auch heuer nahmen im Saal des Hotel Zeller wieder (der langjährige CSU-Stadtrat) Peter Henkel als eher philosophisch eingestellter Fastenprediger und die Theatergruppe Königsbrunn als Sprachrohr von Frustbürgern das lokale Geschehen aufs Korn und ernteten dafür immer wieder Lacher und Applaus. Richtige Begeisterungsstürme lösten allerdings erst die Auftritte von zwei CSU-Stadträten und der 2. Bürgermeisterin Barbara Jaser aus.

Traditionell beginnt jeder Salvator-Anstich in Königsbrunn mit dem „Lobpreis auf das bayerische Bier“, den ein Überraschungsgast formuliert. Diesmal war es Bayerns jüngster Minister, der 36-jährige Hans Reichhart aus Jettingen, der nach der Landtagswahl das Ressort für Bauen, Wohnen und Verkehr übernommen hat. „Bauen und Bier, das passt“, stellte er fest, schließlich gehöre dazu „ein schönes, kühles Feierabendbier.“

Reichart: Mit der Ost-Tangente ist es wie mit dem Bier

Viel Applaus erhielt Reichhart, als er die geplante Osttangente ansprach und ihre vier Bauabschnitte mit typischem bayerischen Bierkonsum verglich. „Der erste Bauabschnitt, das ist wie die erste Maß –die hat höchste Priorität.“ Die zweite Maß habe noch „Dringlichkeit“, diese lasse dann aber stark nach. Ob eine vierte Maß noch nötig sei, das müsse man kritisch beurteilen, ebenso, ob man den vierten Bauabschnitt der Osttangente (im Süden von Königsbrunn von der Staustufe 23 bis zur B 17 bei Oberottmarshausen) durch ein Wasserschutzgebiet führen müsse.

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Peter Henkel trug dann seine Fastenpredigt vor. Zum siebten Mal nahm er in Reimen das Weltgeschehen und die Kommunalpolitik aufs Korn – letztere in Form eines Wetterberichts, der den typischen Verlauf einer Stadtratssitzung darstellte. Henkel nannte die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg „Pipi Langstrumpfs Nachfolgerin“ und der Jugend Gründe, um auch an den übrigen Wochentagen in Schulstreik zu gehen. „Und brauchen wir Leute mit Abitur / gibt’s die in China und Singapur.“ Zum Klimawandel fragte er: „Ist Gott unser überdrüssig / und macht deshalb die Gletscher flüssig / dass die Meere überlaufen/und elendiglich wir ersaufen?“

Deutliche Formulierungen zum Abschied als Redner

Vielleicht weil dies seine letzte Salvator-Rede war, sparte Peter Henkel nicht mit deutlichen Formulierungen zum Weltgeschehen, etwa bei seiner Begrüßung der Teilnehmer einer Konferenz von Staatenlenkern, die er als „Rechtsbrecher und Umweltsünder, … Wahlfälscher und Menschenschinder, Machos und Weiberhelden“ betitelte. Den Zuhörern blieb da das Lachen im Halse stecken. Eine längere Passage widmete er der Rückkehr des Wolfs in deutsche Wälder und den Bedrohungen, die der mit sich bringe. In der Region brauche man sich freilich wenig Sorgen zu machen, den hier suche ein Wolf sicher rasch „Asyl in Gut Morhard“. Mit einigen Versen thematisierte er die Rabattschlachten regionaler Möbelhäuser und stellte fest: „Wobei keiner wirklich weiß / was ist denn ein reeller Preis? / Das würde ich auch gerne wissen / denn ich glaub’ fast, wir wer’n beschissen.“

Ganz nah am Geschehen in der Stadt blieb dann die Theatergruppe Königsbrunn mit ihrem Auftritt in der „Holzstraßenbahn“ der Linie 3. Diesmal hielt Schaffner Dieter Zettl eine Art Frustbürger-Rede, die er, wie er später sagte, in Teilen auch direkt am Rednerpult improvisierte. Er klagte über den zähen Verlauf der Vorbereitungen für die Tram nach Augsburg – Anlieger, die jetzt Einwände erheben, hätten ja wohl gewusst, dass der Grünstreifen neben ihrem Grundstück kein städtisches Biotop sei. Und für die Planung der Haltestellen habe man ja 40 Jahre Zeit gehabt. Auch bei Neuer Mitte, dem „Boulevard“ Bürgermeister-Wohlfarth-Straße und dem Forum sah er keine Fortschritte. „Einzig die Bagger an unserer schönen Königstherme haben ganze Arbeit geleistet!“ Hätten die Abbruchkosten, so fragte er, als Investition in die Therme nicht mehr Sinn gemacht?

Königsbrunns Einkaufsmitte liegt schon im Norden der Stadt

Die anlaufenden Schulsanierungen und -neubauten würden deutlich weniger kosten, wenn die Stadt regelmäßig mehr in den Unterhalt investiert hätte, kritisierte er. Zur Diskussion um die Ansiedlung eine Globus SB-Warenhauses merkte er an: „Vielleicht hat’s noch keiner gemerkt, dass der Bereich von Hunnen-, Gulden- und Germanenstraße schon lang unsere ,Neue Mitte’ ist – auf jeden Fall die Einkaufsmitte.“

Gab es schon für diese Wutrede kräftigen Beifall, so kam beim direkt folgenden Showteil richtig Partystimmung auf. Die Theatergruppe hatte angeregt, dass sich Mitglieder der CSU ebenfalls am Programm beteiligen. Im Januar wurde das konkret – und nach zwei Proben hatte am Freitagabend die Salvator-Playback-Show ihre Premiere. Vier Damen der Theatergruppe sorgten zusätzlich für Bühnenatmosphäre.

DJ Ötzi Wellner muss eine Zugabe geben

Als erster lieferte Norbert Krix eine mitreißende Imitation von Andreas Gabalier mit „I sing a Liad für di“ ab. Barbara Jaser präsentierte den Nicki-Hit „I bin a bayerisches Cow-Girl“ mit rosa Westernhut und Dirndl. Und Maximilian Wellner musste als DJ Ötzi – das originalgetreue weiße Strickkäppi hatte seine Frau erst Stunden vorher fertiggestellt – mit „Ein Stern, der deinen Namen trägt“ sogar noch eine Zugabe geben.

Ein Ensemble des Blasorchesters Königsbrunn unter der Leitung von Oliver Stahl sorgte mit zünftiger Musik für den richtigen Ton beim Traditionsabend.

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