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30.11.2008

Nackte Zahlen markieren Brennpunkte

Landkreis Augsburg In Neusäß wohnen vor allem ältere Menschen, aber in Aystetten verdient man mehr Geld. In Allmannshofen haben Frauen relativ selten Kinder, dafür ist in Bonstetten die Gefahr, dass sich die Eltern scheiden lassen, eher gering. Während in Untermeitingen die Zahl der Alleinerziehenden mit Kindern unter 18 gravierend hoch ist, gibt es in Scherstetten besonders wenig Hartz-IV-Empfänger.

Woher man das weiß? Aus der dritten Fortschreibung der Sozialraumanalyse für den Landkreis Augsburg, die Hannes Neumeier, Sachgebietsleiter im Jugendamt, jetzt dem Jugendhilfeausschuss in Auszügen vorlegte. Um gleich mal einem Vorurteil vorzubeugen: "Dabei handelt es sich nicht um ein Ranking der Gemeinden", so Neumeier, sondern die Analyse solle "ganz neutral die Dinge benennen". Falls gewünscht, werde er zusammen mit Doris Stuhlmüller das Werk in den Gemeinden vorstellen.

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Deutlich macht die Analyse, dass der Landkreis relativ jung ist. 19,7 Prozent der Einwohner sind unter 18; der Bayernschnitt liegt bei 18 Prozent. Die "jüngste" Gemeinde ist so gesehen Walkertshofen, wo jeder Vierte noch nicht volljährig ist.

Naturgemäß ist dort auch die Zahl der Frauen mit Kinder(n) besonders hoch - 1,93 pro Frau im Alter zwischen 15 und 50 Jahren, haben Statistiker ausgerechnet. Dicht dahinter folgt Scherstetten (1,92).

Nackte Zahlen markieren Brennpunkte

Ein wichtiger sozialer Indikator ist die Zahl der erzieherischen Hilfe pro 100 Minderjährige. Da gibt es sicher Ausreißer wie Nordendorf (5,5) bei einem Landkreis-Durchschnitt von 1,91. Dass dieser Wert über dem Bayerndurchschnitt (1,71) liegt, sieht Neumeier als ein Pluszeichen, da der Landkreis auf eine "niederschwellige Hilfe" setze.

Die Werte entlang der Bundesstraßen liegen, bedingt durch die Mobilität, höher. Und dies schlägt sich, zusammen mit dem Faktor Bundeswehr, in den Scheidungszahlen nieder. Allerdings, so Niedermeier: "Die Scheidungsquoten auf dem Land steigen und passen sich dem städtischen Niveau an."

Junge Tatverdächtige

Trennung kann voll auf die Jugendhilfe durchschlagen. Der Experte: "Wenn eine Scheidung nicht funktioniert, dann ist die Gefahr, dass Kinder ein Fall für die Jugendhilfe werden, zehnmal so hoch." Leicht erhöht hat sich die Zahl der jungen Menschen zwischen 14 und 21 Jahren, die als Tatverdächtige in einem Jugendgerichtsfall auftauchen. Dabei gehe es zu 36 Prozent um Eigentumsdelikte und zu 39 Prozent um Beleidigungen (auch per E-Mail und SMS) und Gewalt, meist in der Clique.

Ein wichtiger Aspekt: der Anteil der jugendlichen Arbeitslosen. Hier überraschen höchst unterschiedliche Werte. In Walkertshofen, Mickhausen, Ustersbach, Kutzenhausen, Adelsried, Aystetten, Horgau, Bonstetten, Westendorf, Thierhaupten und Ellgau steht eine glatte Null. Dagegen beträgt sie in Langweid 3,3 Prozent, in Stadtbergen und Königsbrunn 2,9, in Schwabmünchen 2,8, in Gersthofen 2,7 Prozent. Das mag für Städte nicht überraschen, wohl aber, dass in einigen Staudengemeinden (Mittelneufnach 3,6 / Langenneufnach 3,1 / Fischach 2,6) die Werte deutlich über dem Kreis (2,19) und Bayern (2,35) liegen.

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