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Schwabmünchen

16.08.2019

Neuer Glanz für kostbare Kirchenkunst

Vorsichtig arbeitet sich Restauratorin Charlotte Deininger am hauchdünnen Blattgoldbelag der Altarflügel entlang.
Bild: Uwe Bolten

Mit der Wiedereröffnung der Historischen Galerie feiert die Stadt Schwabmünchen den 200. Geburtstag des Malers Ferdinand Wagner.

Zu den bedeutendsten Söhnen der Stadt zählt der Kirchenmaler Ferdinand Wagner, der am 16. August 1819 in Schwabmünchen geboren wurde und 1881 in Augsburg starb. Zeitgerecht zu seinem 200. Geburtstag wird die Historische Galerie im Museum mit den bedeutenden Werken des Künstlers am 18. August um 11.30 Uhr im Gebäude an der Holzheystraße 12 wieder eröffnet.

Zwei Altarflügel strahlen mit Gold

Bevor Sabine Sünwoldt, Leiterin von Museum und Galerie der Stadt Schwabmünchen, ihre Eröffnungsrede halten und ein bisher unbekanntes Werk des Künstlers der Öffentlichkeit vorstellen kann, wurden die Räume renoviert und das flächenmäßig größte Werk in der Sammlung teilweise restauriert und konserviert.

„Die zwei im Nazarener-Stil beidseitig bemalten Altarflügel aus dem Jahr 1861, die Ferdinand Wagner für den Altar in der Kirche St. Peter und Paul in Bissingen geschaffen hat, entsprechen in der Fertigung den Techniken der Gotik“, erläutert die renommierte Restauratorin Charlotte Deininger aus Augsburg während der Arbeiten. „Die Grundfläche, aus einzelnen Holzelementen bestehend, wurde mit ganz feiner Leinwand überzogen, die gesamte Fläche wurde mit einer Kreidegrundierung überzogen, um eine gravierte Ornamentik zu ermöglichen. Die Vorbereitungen zum Werk waren sehr umfangreich und auf Langlebigkeit angelegt“, ergänzt sie. So sei der gesamte Bildhintergrund mit Blattgold überzogen worden, bevor Wagner die Bilder darübermalte.

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Das Gegenlicht verrät die Arbeitsmethoden 

Ein interessantes Detail seien auch die sichtbaren Spuren der Schleifarbeiten an der Grundierung. „Wenn man gegen das Licht schaut, sieht man die Kratzer, welche durch die zum Schleifen gebrauchten Schachtelhalme hinterlassen haben“, weist sie auf Details zur damaligen Arbeitstechnik hin.

Bevor Deininger mit den Arbeiten begann, untersuchte sie das Werk genau. Bei den Altarflügeln gehörte das Augenmerk dem Bildträger, der Malschicht und dem Maßwerk. Diese filigranen Schnitzereien, die in der Zeit der Neugotik (1830 bis 1900) Verwendung fanden, nutzte auch Ferdinand Wagner zur Verzierung seiner Werke. Nach der Feststellung der Schäden wählte Deininger die Materialien aus. „Sie sollten alterungsbeständig und reversibel sein“, definierte sie die Anforderungen. Dabei müssten nicht die Substanzen verwendet werden, die der Künstler nutzte. „Hausmittel sind für die Restaurierung von Kunstwerken ungeeignet. Die benutzten Mittel sind immer auf das jeweilige Objekt abzustimmen“, sagte sie lächelnd.

Eine Niederschrift für spätere Restaurateure

„Viele Maßnahmen, die wir heute an Objekten durchführen, haben damit zu tun, Fehler von früheren Restaurierungen, die den Namen nicht verdient haben, rückgängig zu machen“, sagte die erfahrene Restauratorin. Zur Nachvollziehbarkeit der Arbeiten gehöre auch eine umfassende Dokumentation, die neben Fotos auch die verwendeten Materialien sowie die Maßnahmen aufliste. „Damit können spätere Generationen genau nachlesen, was gemacht wurde“, begründete sie.

Nach Fertigstellung der Arbeiten steht der Wiedereröffnung der Sammlung mit zahlreichen Exponaten des Schwabmünchner Künstlers, die hauptsächlich auf Initiative des ehemaligen Bürgermeisters und Kreisheimatpflegers Richard Wagner zurückgeht, nichts mehr im Wege. Die Musik zu Eröffnung kommt von Karlheinz Hornung (Gitarre) und Silke Mei (Cello); wie üblich wartet ein Überraschungsbüfett auf die Eröffnungsgäste.

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