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05.01.2011

Neuer Stadtpfarrer zieht nach Bobingen

Pfarrer Thomas Rauch und seine Haushälterin Theresia Zettler werden das verwaiste Pfarrhaus in Bobingen wieder mit Leben füllen. Bis zum 1. Februar sollte das Pfarrhaus renoviert sein. Foto: Vera Novelli
Bild: Vera Novelli

Bobingen Thomas Rauch wirkt gelassen. "Pfarrer kommen und gehen, der alleinige Herr der Gemeinde ist Jesus Christus", sagt er zuversichtlich. Noch serviert er den Kaffee für Besucher in seinem großen Arbeitszimmer in der Augsburger Dompfarrei. Doch der Umzug steht an. Bis zum 1. Februar sollte das Bobinger Pfarrhaus renoviert sein; denn da beginnt Rauchs Amtszeit als Stadtpfarrer. Mit dem neuen Pfarrer - so hoffen viele Bobinger Katholiken - werde wieder Ruhe in die Pfarrei St. Felizitas einkehren. Nach dem rechtskräftigen Urteil gegen den früheren Stadtpfarrer Albert Mahl wegen sexuellen Missbrauchs fühlt sich so mancher Gläubige "wie auf einem Schiff ohne Kapitän". Nach kurzem Gespräch über die Tragik des "Falles Mahl", strafft Rauch den Rücken: "Nein, wir wollen nicht mehr über Vergangenes sprechen", meint er energisch. "Jetzt heißt es nach vorne schauen!" Rauch geht mit Gottvertrauen an seine neue Aufgabe.

Bis Mitte August 2010 war Thomas Rauch noch "ganz normaler" Pfarrer in Landsberg in der Pfarreiengemeinschaft "Mariä Himmelfahrt" sowie Dekan im Dekanat Landsberg. "Es waren großartige Jahre!", schwärmt er. Dann kam die Versetzung nach Augsburg als Dompfarrer, Stadtdekan und Pfarradministrator in den Pfarreien St. Maximilian und St. Simpert in Augsburg. Aber ziemlich bald spürte Rauch, dass er sich vor allem zu einer "normalen" Gemeindeseelsorge berufen fühlt.

"Gott weiß, was er tut"

Deshalb bot der 43-jährige Seelsorger Ende November dem Oberhirten von Ausgburg seinen Verzicht auf das Amt des Dompfarrers und Stadtdekans von Augsburg an. Bischof Dr. Konrad Zdarsa stimmte zu. Ein neuerlicher Abschied also. "Gott weiß, was er tut", glaubt Theresia Zettler, die Haushälterin von Thomas Rauch. Dieses Vertrauen macht die junge Frau zu einer großen Stütze von Rauch. Theresia Zettler hat schon im Landsberger Pfarrhaus Optimismus verbreitet. Mit Elan packt sie die Umzugskartons für Bobingen. "Ich freue mich auf die neue Pfarrei", sagt die ausgebildete Gemeindereferentin. Haushalt ist nur eine ihrer Aufgaben. "Der Pfarrer und ich haben auch spirituell den gleichen Draht", erklärt sie. So können sie vieles vom Alltag im gemeinsamen Gebet auffangen. Zudem sei in einem Pfarrhaus ein "weiblicher Geist" wichtig, der behagliche Atmosphäre schaffe und den Pfarrer auch arbeitsmäßig entlaste, meint sie.

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Das Pfarrhaus in Bobingen steht nun fast verwaist, auch Kaplan Pater George Valiyamangalam zieht bald um. Thomas Rauch und Theresia Zettler werden es wieder mit Leben füllen. "Eine Pfarrei soll wie ein Zuhause sein", meint Rauch. So habe er es selbst in seiner Heimatpfarrei "Peter und Paul" in Kaufbeuren erfahren. "Meine beiden Brüder Ulrich, Michael und ich haben gespürt, wie schön es ist, wenn Glauben gelebt wird", erinnert sich Thomas Rauch.

Das Priesteramt war für Rauch "Liebe auf den zweiten Blick". Denn zunächst studierte er Wirtschaftwissenschaften und Jura in St. Gallen. Dort erlebt er ein einschneidendes Berufungserlebnis. Während einer Messe hört er ganz deutlich die Frage: "Warum wirst du eigentlich nicht Pfarrer?" Rauch entscheidet sich nach längerem Ringen für den Priesterberuf. Nach Studium in Augsburg, führt ihn sein Weg nach Rom, wo er das Freijahr im Collegio teutonico (Päpstliches Priesterkolleg) verbringt. "In Rom habe ich Weltkirche kennengelernt" , sagt er und betont, wie wichtig es sei, über den eigenen "Tellerrand" zu schauen.

Nach Weihe und Kaplanszeit wurde er für drei Jahre Sekretär von Bischof Viktor Josef Dammertz. "Bei diesem liebenswerten Mann habe ich gelernt, was das Ora et labora ("Bete und arbeite" - nach der Regel des heiligen Benedikt) wirklich heißt", erinnert sich Rauch. Als Thomas Rauch damals seinen Eltern erklärte, dass er Priester werden will, antworteten sie: "Wir hoffen, dass du glücklich wirst."

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