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Bobingen

08.02.2015

Neugeborenes ausgesetzt: Bewährungsstrafe für 21-Jährige

Vor diesem Haus an der Kornstraße in Bobingen wurde im Juli 2014 das Baby gefunden.
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Vor diesem Haus an der Kornstraße in Bobingen wurde im Juli 2014 das Baby gefunden.
Bild: Pitt Schurian

Die 21-Jährige, die ihr Neugeborenes vor einem Haus in Bobingen abgelegt hat, ist zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Die Mutter hat wieder Kontakt zu ihrem Kind.

Das Schöffengericht in Augsburg verurteilte die Mutter zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten. Es pendelte sich damit zwischen der Forderung der Staatsanwaltschaft (zwei Jahre auf Bewährung) und jener der Verteidigung (ein Jahr und drei Monate) ein. Die Bewährung ist an die Auflage geknüpft, dass sich die 21-Jährige in eine psychotherapeutische Behandlung begibt. Zudem muss sie 80 Sozialstunden leisten.

Gesundheit des Babys gefährdet

Entscheidend für das Urteil sei die Tatsache, dass sich die 21-Jährige in jener Nacht im Sommer 2014, als sie das Baby vor einem Wohnhaus in Bobingen ablegte, nicht vergewissert habe, ob das Neugeborene auch gefunden werde. Sie hätte zwar alle Klingeln gedrückt, sei dann aber gegangen. Damit habe sie die Gesundheit des Kindes gefährdet, heißt es in der Urteilsbegründung. Die Schöffen werteten es als Zufall, dass ein Hausbewohner zeitnah das weinende Kind hörte und die Polizei rief. Mitberücksichtigt wurden in der Urteilsvergabe, die nach dem Jugendstrafrecht erfolgte, die schweren Lebensumstände der Angeklagten, die kaum sozialen Rückhalt und eine schwere Kindheit hatte.

Mittlerweile ist das Kind bei den Eltern des Kindsvaters untergebracht. Mit diesem lebt die 21-Jährige zusammen. Sie kann das Kind regelmäßig sehen und besucht mit ihm sogar eine Krabbelgruppe. Die Vormundschaft hat das Jugendamt.

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Baby in Tasche gepackt und vor die Tür gelegt

Zu der Tat gab es schon im Sommer vergangenen Jahres in Bobingen ganz unterschiedliche Kommentare. Weil die 21-Jährige ihr Baby bald nach der Geburt in eine Tasche packte und mitten in der Nacht in einer Wohnanlage der Stadt absetzte, müsse sie hart bestraft werden, meinten die einen. Nicht umsonst sehe das Strafgesetz für Kindsaussetzung bis zu zehn Jahre Gefängnis vor. Wie verzweifelt muss die Lage der jungen Frau gewesen sein, fragten sich andere. Immerhin habe sie Bewohner wachgeklingelt, so dass einem Mann nach einer Stunde das Weinen des Babys vor dem Haus aufgefallen war.

Ein Hinweis aus der Bevölkerung brachte die Polizei nach zwei Wochen auf die Spur der Mutter. Auch nach ihrem Geständnis der Tat gingen die Ermittlungen weiter. Der genaue Ablauf der Nacht, die Außentemperatur, der Wärmeschutz des neugeborenen Buben, vieles wurde genau festgehalten.

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