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Bobingen

05.01.2019

Nicht jeder kann ein König werden

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Sie sind eine von insgesamt zehn Sternsinger-Gruppen, die am 5. und 6. Januar in Bobingen unterwegs sind: (von links) Sternträger Max Wagner, Begleiterin Hanna Wagner, Bernhard Endres (Caspar), Sofie Bobinger (Melchior) und Leonard Naumann (Balthasar).
Bild: Siegfried P. Rupprecht

An diesem Wochenende ziehen wieder die Sternsinger von Haus zu Haus, singen und bringen Segen. Dafür sind eine straffe Organisation und viele Helfer notwendig.

Die Tradition ist ungebrochen: Zu Beginn des Jahres ziehen Kinder und Jugendliche als Sternsinger durch die Orte. Bunt gekleidet und ausgerüstet mit großem Stern, Weihrauch und Myrrhe gehen sie an diesem Wochenende von Tür zu Tür, wünschen Gottes Segen auf Haus und Bewohner und sammeln Geld für einen guten Zweck. Diesmal dient dies Kindern in Peru.

In der Pfarrei St. Felizitas in Bobingen organisieren die Oberministranten Teresa Bobinger, Maria Geirhos und Benedikt Naumann die Aktion. Zehn Gruppen mit jeweils fünf bis sechs Mitgliedern im Alter von acht bis 20 Jahren sind unterwegs. Jede Gruppe bestehe aus den Heiligen Drei Königen, dem Sternträger und mindestens einem Begleiter, sagt Maria Geirhos. Die Sternsinger bekommen Straßen beziehungsweise Viertel zugeteilt. Dafür gebe es Pläne, die sich seit vielen Jahren bewährt haben, so Theresa Bobinger. „Damit garantieren wir, dass kein Haus vergessen werde.“

Ein Selbstläufer ist die Sternsingeraktion dennoch nicht. Bis zum Start der Gruppen sind hinter den Kulissen viele Helfer tätig. „Unser erstes Treffen findet bereits im September statt“, erzählt Benedikt Naumann. „Da legen wir die Aussendungs- und Einkleidungstermine fest und klären ab, ob die Räumlichkeiten im Laurentiushaus zur Verfügung stehen.“ Dort ist das „Hauptquartier“ der Sternsinger untergebracht.

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Hier werden Kostüme, Umhänge und Hüte ausgebessert, gewaschen und gebügelt

Hier werden auch die Kostüme, Umhänge und Hüte ausgebessert, abgeändert, gewaschen und gebügelt, aber auch die goldenen Kronen, Holzkästchen für die Spenden, Sterne sowie Myrrhe- und Weihrauch-Gefäße gesichtet. Eine Aufgabe, die meist engagierte Mütter der Ministranten übernehmen. Nach der Kleiderprobe geht es daran, die Texte und das Dreikönigslied zu proben. Weiter unentbehrlich sind Helfer beim Einkleiden, Schminken und Fahrdienst.

Ein König kann übrigens nicht jeder werden. „Wir haben bei den Ministranten so etwas wie eine Hierarchie“, schmunzelt Benedikt Naumann. Bei den Sternsingern fange man zunächst als Begleiter an. Die nächste Stufe sei der Sternträger. Die Könige rangieren auf der „Karriereleiter“ ganz oben. Ein Honigschlecken sei die Aktion allerdings nicht, ergänzt Maria Geirhos. „Die Entfernungen machen vor allem den Kleinen oft zu schaffen.“

Die Sternsinger verkörpern eine alte Tradition. „Klar“, sagt dazu Teresa Bobinger. Seit dem Mittelalter sei der Brauch mit den drei Weisen aus dem Morgenland fester Bestandteil unserer Kultur. Für das Trio sei Messias Gott und König gewesen, deshalb auch die besonderen Geschenke: Gold für den König, Weihrauch für Gott und Myrrhe für den normalen Menschen.

Und die mit Kreide über die Tür geschriebenen Buchstaben C+M+B? „Sie bedeuten nicht, wie oft angenommen, die Abkürzung der Namen Caspar, Melchior oder Balthasar“, meint Benedikt Naumann. Sie stünden vielmehr für die lateinischen Worte „Christus Mansionem Benedicat“, Christus segne dieses Haus.

„Wir sind an fast allen Haustüren gerne gesehen“

Wie kommt die Aktion bei den Erwachsenen an? „Wir sind an fast allen Haustüren gerne gesehen“, resümiert Naumann. „Viele Menschen, vor allem ältere, erwarten uns bereits.“ Allerdings gilt dies nicht in jedem Haus. Daher läuten Sternsinger in der Pfarrei St. felizitas vor allem bei jenen Familien, die ihr Interesse beim Pfarramt angemeldet haben.

Dabei begegnet den Sternsingern auch Emotionalität. Caspar-Mime Bernhard Endres erzählt von einer Frau, deren Mann gestorben sei. „Als sie uns sah, kamen bei ihr wehmütige Erinnerungen hoch.“ In der Vergangenheit habe sie die Wünsche der Sternsinger immer zusammen mit ihrem Ehemann entgegengenommen.

Die Höhe der Spenden sei unterschiedlich. Jeder gebe, was er möchte, fasst Teresa Bobinger zusammen. „Uns ist wichtig, dass sich alle auf uns freuen“, meint sie. Das sei ein schönes Gefühl. Situationen, bei denen Menschen die Tür beim Anblick der Sternsinger zuknallen oder sie blöd Anmachen, seien selten.

Caspar-Darsteller Bernhard Endress greift noch das Thema Süßigkeiten auf, die die Sternsinger oft zusätzlich zu den Spenden erhalten. „Weniger ist mehr“, wünscht er sich. „Wir könnten locker ein Jahr lang davon leben.“ Der Überschuss gehe an den Bobinger Tisch.

Mit ihrem Engagement wollen sie ein Zeichen für Solidarität setzen

Das Besondere an der Sternsingeraktion sehen die drei Oberministranten darin, mit ihrem Engagement ein Zeichen der Solidarität zu setzen. „Wir sammeln Geld für Kinder und Jugendliche auf der ganzen Welt, denen es nicht so gut geht wie uns“, so der allgemeine Tenor. Hinzu komme ein nachhaltiges Wir-Gefühl, nicht zuletzt dadurch, dass wir etwas Gutes tun, macht Teresa Bobinger aufmerksam. Insofern könne sie jedem nur empfehlen, bei den Sternsingern mitzumachen.

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