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Augsburger Land

17.07.2020

Nur wenige wollen den kostenlosen Corona-Test

Dr. Sebastian Lochbrunner betreibt in Schwabmünchen derzeit eine von drei Corona-Schwerpunktpraxen im Landkreis Augsburg.
Bild: Carmen Janzen

Plus Nur wenige Menschen wollen sich im Augsburger Land auf Corona testen lassen, ohne Symptome zu haben. Was die Ärzte davon halten.

Seit etwas mehr als zwei Wochen gibt es sie in Bayern: Die kostenlosen Corona-Tests, mit denen sich auch diejenigen untersuchen lassen können, die keine Symptome haben oder Kontakt zu Infizierten hatten. Wir haben uns bei Ärzten umgehört, wie die Nachfrage nach solchen Tests ist.

Nur wenige Menschen lassen sich ohne Symptome testen

„Das hält sich in Grenzen. Ich hatte eigentlich gedacht, dass mehr kommen“, sagt Thomas Stechele, Facharzt für Allgemeinmedizin im Medizinischen Versorgungszentrum Langweid. Die Praxis, in der er arbeitet, war eine von drei Corona-Schwerpunktpraxen im Landkreis Augsburg, und noch immer kommen viele Menschen zum Testen dort hin, derzeit etwa 15 am Tag.

Nur etwa zehn Prozent der getesteten Patienten wiesen keine Symptome auf oder hatten keinen Kontakt zu Infizierten, so Stechele. Und nur die gehören zu denjenigen, bei denen der Freistaat die Kosten übernimmt. Bei alles anderen zahlt die Krankenkasse. Stechele: „Vorher waren es etwas mehr Menschen, die bei uns getestet wurden, weil viele der umliegenden Hausärzte ihre Patienten zu uns geschickt haben. Die Kollegen haben wir dann gebeten, dass sie, wenn möglich, die Tests selber machen, weil wir sonst nicht nachkommen.“

Einige Unternehmen verlangen Corona-Tests

Bei vielen Patienten, die zu ihm kommen, verlangen die Unternehmen einen Test. „Dann hat der Patient vielleicht einen Schnupfen, für den er in normalen Zeiten nicht zum Arzt gegangen ist. Aber die Firmen sind vorsichtig und verlangen einen negativen Test, bevor der Mitarbeiter aufs Werkgelände darf.“ Einige Unternehmen würden auch von ihren Mitarbeitern, die aus dem Urlaub zurückkehren, einen Test verlangen, um Gewissheit zu haben, dass der Mitarbeiter nicht ansteckend ist.

Bei Patienten, die keinen Kontakt zu Infizierten hatten oder keinerlei Symptome aufweisen, fragt der Mediziner auch nach, ob ein solcher Test überhaupt Sinn macht: „Viele glauben fälschlicherweise, dass mit einem solchen Test nachgewiesen werden kann, ob sie schon erkrankt waren. Da muss man viel Aufklärungsarbeit leisten. Und die Prozedur ist ja auch unangenehm und viele verzichten nach dem Gespräch dann auf einen Test.“ Wer sich trotzdem testen lassen will oder muss, erhält bei ihm in der Regel zwölf Stunden später ein Ergebnis.

Auch bei Dr. Sebastian Lochbrunner nutzen nur wenige Patienten das Angebot. „Dass Menschen ohne Kontakt zu Infizierten oder Symptome zu uns kommen, ist die absolute Ausnahme“, sagt der Mediziner aus Schwabmünchen, der selber an Corona erkrankt war. Das war auch ein Grund, weshalb seine Praxis in Corona-Hochzeiten die Schwerpunkt-Praxis für den südlichen Landkreis war: „Ich wollte den Menschen die Odyssee ersparen, die ich mitgemacht habe“, so Lochbrunner, der trotz seiner Erkrankung keine Antikörper im Blut hat und sich weiter anstecken kann.

Nur einer von 300 Tests war positiv

Zu ihm schicken ebenfalls viele Kollegen und auch das Gesundheitsamt Patienten zum Testen. „Rund 300 Tests haben wir seit Ausbruch der Pandemie vorgenommen, und nur einer war positiv.“ Auch er betont, wie wichtig Aufklärung ist, „denn ein Test ist ja nur eine Momentaufnahme“.

Er schickt die Proben zu einem Augsburger Labor und hat in ein bis zwei Tagen die Ergebnisse, die dann sofort an die Patienten weiter geleitet werden. Kann es sein, dass die Labore bei einem Ausbruch und den kostenlosen Tests irgendwann mal an ihre Kapazitätsgrenzen kommen? „Das ist zu befürchten“, sagt Lochbrunner: „Unser Labor hat jedenfalls jetzt schon gut zu tun.“ Und auch, wenn die Menschen in den nächsten Tagen und Wochen aus dem Urlaub zurückkommen, werden mehr Menschen sich testen lassen, glaubt Lochbrunner.

Das Gesundheitsamt bietet keine kostenlose Tests für Menschen ohne Symptome an. „Im Bedarfsfall ist die Hausarztpraxis die richtige Anlaufstelle. Sollte diese selbst nicht testen, kann dort in der Regel eine Stelle vermittelt werden“, so Jens Reitlinger, stellvertretender Pressesprecher des Landratsamts Augsburg. Eine Liste, welche Praxen diese Tests machen, gibt es im Gesundheitsamt nicht, allerdings Nachfragen von Bürgern, die wissen wollen, wo man den Test machen kann: „Wir verweisen in diesem Fall an die Hausärzte oder die Kassenärztliche Vereinigung“, so Reitlinger. "

Lesen Sie auch unseren Kommentar: Jeder muss es selber wissen

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