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Königsbrunn

14.01.2021

Ohne Zettelwirtschaft zum Corona-Test

Die Nutzer von Cosan können sich in einem bestimmten Zeitraum ihren Wunschtermin aussuchen.
Bild: Betty Häusler, Cubefour

Plus Eine Firma aus dem Landkreis Augsburg hat ein System für eine schnelle Online-Anmeldung für Corona-Tests entwickelt. In Baden-Württemberg ist es schon im Einsatz.

Immer neue Corona-Regelungen, Fallzahlen, Testergebnisse - für die Behörden ist es eine Herausforderung, im Datenberg der Pandemie die Übersicht zu behalten. Nun sollen neben den Corona-Test- auch noch Impfzentren aus dem Boden gestampft und die Verteilung des Vakzins organisiert werden. Das Unternehmen Cubefour aus Königsbrunn im Landkreis Augsburg hat jetzt im Schnellverfahren ein System entwickelt, das den Mitarbeitern der Gesundheitsämter viel Arbeit abnimmt und den Bürgern Ärger bei der Anmeldung erspart. In Baden-Württemberg wird das Programm namens "Cosan Corona-Schnelltest-Anmeldesystem" bereits benutzt.

Bei der Programmierung habe es schnell gehen müssen - wie bei so vielem in der derzeitigen Situation, sagt Christian Tesch, Geschäftsführer von Cubefour. Anfang November erreichte die Königsbrunner Firma der Hilferuf aus dem Rems-Murr-Kreis bei Stuttgart: "Wir haben für den Landkreis eine Abfall-App programmiert. Jetzt kam die Anfrage, ob wir bei der Anmeldung für ihr Testzentrum helfen können." Der Kreis betreibt ein Zentrum für Corona-Schnelltests mit drei Teststationen. Die Anmeldung lief bislang weitestgehend über Excel-Listen, was die Koordination der Termine mühsam und fehleranfällig machte.

Fünfköpfiges Team arbeitet in drei Wochen das Anmelde-Programm aus

Nach den Gesprächen über die Anforderungen an das Programm begann ein fünfköpfiges Team am 16. November mit der Arbeit. Am 4. Dezember wurde das System ausgeliefert und ist seitdem im Einsatz. Auch wenn die Firma auf Programme spezialisiert sei, die den Nutzern eine einfache Handhabung ermöglichen sollen, sei dieser Auftrag eine Herausforderung gewesen, sagt Christian Tesch: "Das war schon sehr großer Druck, das in drei Wochen weitgehend fehlerfrei durch die Tür zu bekommen. Aber die Rückmeldungen sind sehr positiv, das System läuft."

Das Programm übernehme viele Arbeitsschritte, die sonst Mitarbeiter der Behörde erledigen müssten, erklärt Betty Häusler, die Leiterin des Entwicklerteams. Der Prozess läuft so: Das Gesundheitsamt gibt nach einem Corona-Fall eine bestimmte Gruppe von Menschen für eine Testreihe frei - einen Feuerwehr-Einsatzzug, die Abteilung einer Firma, eine Schulklasse. Deren Leiter kann sich dann ins System einloggen und den Mitglieder eine E-Mail weiterleiten mit dem Zugang zum System über Link oder QR-Code und Anweisungen, ab wann sie sich für den Test anmelden und in welchem Zeitraum sie ihn absolvieren sollen.

Nutzer, Chefs und Gesundheitsamt haben Einsicht in die Daten

Der einzelne Nutzer bekommt alle freien Termine im vorbestimmten Zeitraum angezeigt und kann sich am Handy oder am Rechner für einen passenden Zeitpunkt anmelden. An jeder Station kann alle sieben Minuten eine Person getestet werden. "Durch die zentrale Verwaltung der Daten behalten alle Beteiligten die Übersicht", sagt Betty Häusler. Die Mitarbeiter vor Ort bekommen über das Computersystem eine Liste, wie viele Termine sie an einem Tag abzuarbeiten haben. Der Leiter der Gruppe sieht, wer seinen Termin schon vereinbart und absolviert hat, ebenso das Gesundheitsamt. Die Auswertung der Schnelltests dauert 20 Minuten, danach wird auch das Ergebnis im System eingetragen und der Getestete erhält per E-Mail einen Link zu seinem Ergebnis.

Dass damit die Gruppenleiter auch Einblick in die Testergebnisse bekommen, schmerze die Entwickler durchaus, sagt Christian Tesch: "Der Auftraggeber hat dem Gesundheitsschutz klare Priorität gegeben. Das ist natürlich nachvollziehbar, aber die Datenschutzgrundverordnung sagt eigentlich etwas anderes." Die Nutzer würden darüber informiert, dass auch die Leiter ihre Chefs oder Lehrer das Ergebnis einsehen können. Auf der anderen Seite würden die Daten nun nicht mehr in Mails über Server weltweit geschickt, sondern über eine verschlüsselte Internetverbindung übermittelt, was durchaus ein Gewinn sei.

Königsbrunner Unternehmer: "Mit dem Ablauf des Impfens hat sich noch nicht jeder befasst"

Mit dem Programm lasse sich problemlos auch die Arbeit der Impfzentren organisieren, sagt Christian Tesch. "Viele Kommunen und Landkreise sind noch mit der Ausgestaltung der Impfzentren beschäftigt. Mit der Organisation des Ablaufs hat sich nach meinem Eindruck noch nicht jeder befasst", sagt Christian Tesch. Derzeit informiert die Firma die 40 Kommunen, die bereits die Abfall-App benutzen, über das neue System. Der Landrat des Rems-Murr-Kreises habe angekündigt, seine Kollegen zu informieren. Man sei nicht der einzige Anbieter auf dem Markt. Da das Cosan-System aber bereits in der Praxis genutzt wird, sieht man sich bei Cubefour gut aufgestellt, bald weitere Kunden zu gewinnen.

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