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Bobingen

08.11.2019

Operationstechniken für Down Under

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Dr. Atkinson (rechts) stand in Bobingen gemeinsam mit Professor Dr. Cakir, Chefarzt der Unfall- und Orthopädischen Chirurgie der Wertachkliniken im OP. Sie will seine Methoden auch in Australien einführen.
Bild: Doris Wiedemann

Eine Rückenchirurgin aus Australien holt sich in der Wertachklinik in Bobingen Anregungen für ihre eigene Arbeit im OP.

Neun Tage reiste die Australierin Dr. Michelle Atkinson durch Europa. Das wäre nichts Besonderes und gibt es umgekehrt sogar über längere Zeit genauso. Doch sie machte dies als Fachärztin für Spezielle Orthopädische Chirurgie. Australien hat zwar ein ganz anders aufgebautes Gesundheitssystem als Deutschland, aber ebenfalls eine hochwertige und sehr facettenreiche Medizin. Was nicht heißt, dass es in Europa nichts zu lernen gäbe. Die Schilderungen und Bilder ihrer Eindrücke lassen nun auch dem Laien einige Momente der Chirurgie an den Wertachkliniken erfassen.

Über Helsinki und Rom nach Bobingen

In Helsinki hat Michelle Atkinson an einem Rückenkongress teilgenommen, in Bologna das Anatomie-Museum besucht. Und zum Schluss stand sie in der Wertachklinik in Bobingen mit Professor Dr. Balkan Cakir – dem Chefarzt der Orthopädie – am OP-Tisch. „Es war für mich sehr interessant, seine Operationstechnik zu sehen und mit ihm über seine Forschungsergebnisse zu sprechen“, sagte Dr. Michelle Atkinson am Ende des Tages.

Operiert wurde das Wirbelgleiten von zwei Wirbelkörpern sowie eine Spinalstenose, also eine Verengung des Nervenkanals auf zwei Höhen der Lendenwirbelsäule, die starke Schmerzen in den Beinen verursachte.

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Für die Australierin besonders interessant war dabei die dynamische Stabilisierung der Wirbelkörper: Stäbe fixieren die Wirbel, sodass keine Drehbewegung mehr möglich ist. Aber die Verbindung zwischen Stab und Schraube ist flexibel, sodass die Beweglichkeit nach vorne und zurück erhalten bleibt.

Spezielle Operationstechnik an der Wirbelsäule

Der große Vorteil der dynamischen Stabilisierung sei, dass die jeweils nächste Bandscheibe, oberhalb und unterhalb der fixierten Wirbelkörper, nicht so stark belastet werde, erklärt Atkinson. Das Verfahren sei in Australien jedoch noch relativ neu, deshalb informiere sie sich bei Professor Cakir in der Wertachklinik über diese Operationstechnik.

Inspirierend fand die Ärztin darüber hinaus das Gespräch über die Forschungsergebnisse von Professor Cakir, der sich in seiner Habilitation intensiv mit künstlichen Bandscheiben auseinandergesetzt hat. Die Ergebnisse dieser wissenschaftlichen Arbeit seien bis heute gültig, betont Atkinson. Und sie seien für sie sehr interessant, weil man in ihrer Heimat bereits künstliche Bandscheiben verwende. Professor Cakir habe jedoch bei seiner Forschung festgestellt, dass nur ein Bruchteil der Patienten, die im Bereich der Lendenwirbelsäule an Rückenschmerzen leiden, für die Implantation der derzeit verfügbaren Bandscheibenprothesen infrage kommen.

Eine Anregung für Anwendung in Australien

Besonders beeindruckt zeigte sich die Rückenchirurgin aus Australien von dem hohen Hygienestandard in dem deutschen Krankenhaus. „Außerdem nehme ich die Idee mit nach Hause, als Orthopädin mit dem Mikroskop zu operieren“, sagte Dr. Atkinson. In Australien würde diese Möglichkeit, unter dem Vergrößerungsglas zu operieren, bisher eher von den Neurochirurgen genutzt. Künftig werde sie das Gerät aber auch selbst vermehrt einsetzen.

Positiv aufgefallen ist der Australierin bei ihrem Besuch in der Wertachklinik außerdem die gute Atmosphäre im Operationssaal. Hier sei es weniger hektisch als in Australien, wo aufgrund des privaten Abrechnungssystems, der privaten Krankenhäuser und der privaten Ärzte mehr Konkurrenzdruck herrsche, Geld zu verdienen, lautet das Fazit der Besucherin von Down Under. (ppl)

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