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Aichach-Friedberg

27.05.2015

Osttangente nach Süden verlegen? Darum gibt es großen Widerstand

Noch ist nicht klar, wo die mögliche Augsburger Osttangente verlaufen soll. Wann der Bau beginnt, steht auch nicht fest.
Bild: Archiv-Symbolbild: Silvio Wyszengrad

Der Bundestagsabgeordnete Volker Ullrich will die vierspurige Osttangente weiter nach Süden zu verlegen. Warum die Protestler den Trassenvorschlag für absolut nicht tragbar halten.

Für absolut nicht tragbar hält die Gemeinde Merching die so genannte Ullrich-Variante der möglichen Augsburger Osttangente, die Königsbrunn viel weiter im Süden umfahren würde. Und es gab dabei noch einen Seitenhieb gegen das Lechfeld: „Es kann ja nicht angehen, dass sich in anderen Gemeinden jenseits des Lechs Amazon und BMW ansiedeln und wir den Verkehr dafür übernehmen dürfen“, grollt Merchings Bürgermeister Martin Walch.

Der Augsburger Bundestagsabgeordnete Volker Ullrich hatte vor ein paar Tagen vorgeschlagen, mit der vierspurigen Augsburger Osttangente nicht beim Mandichosee den Lech zu queren, sondern viel weiter südlich, oberhalb der Staustufe 22 (siehe Grafik). „Dann kann ich ja mein Naherholungsgebiet gleich sein lassen“, sagt Walch. Der Schmiechener Gemeinderat hat seine Ablehnung schon beschlossen, in Mering hat man sich mit dieser Variante noch gar nicht befasst.

Bei einem Besuch im Staatlichen Bauamt Augsburg machten die beiden Bürgermeister der betroffenen Kommunen Merching und Schmiechen ihren Standpunkt deutlich. Ziel des Gesprächs zwischen Walch, dessen geschäftsleitendem Beamten Bernhard Frank, Schmiechens Rathauschef Josef Wecker und Stephan Garbsch, dem zuständigen Abteilungsleiter im Staatlichen Bauamt Augsburg, war die konkrete Information über die aktuellen Planungen. Hinsichtlich der hohen Kosten des Planungsabschnitts 4 (Mering - B17; blaue Linie in der Grafik) informierte Garbsch laut einer Pressemitteilung darüber, dass der Lebensraum Lechtal ein enorm sensibles ökologisches Gebiet darstellt und dass für eine technisch realisierbare Variante die Errichtung einer 300 Meter langen Großbrücke über den Lech sowie eine Einhausung im Bereich der Lechauen erforderlich ist. Nur so können die Eingriffe für Flora und Fauna auf das Maß reduziert werden, damit das Projekt noch als umweltverträglich gewertet werden kann. Garbsch setzte die interessierten Gesprächsteilnehmer auch darüber in Kenntnis, dass die zuständigen Behörden für alle Projekte, die für den neuen Bundesverkehrswegeplan angemeldet werden sollen, die aus ihrer Sicht sinnvollsten Trassen ausgewählt haben. Für diese wurde eine grobe Kostenschätzung vorgenommen, die als Grundlage einer standardisierten Kosten-/Nutzenbewertung dient, anhand der die Dringlichkeitsliste zukünftiger Verkehrsprojekte ermittelt wird.

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2016 wird der Bundesverkehrswegeplan beschlossen

Im Ergebnis bedeutet dies, dass der Planungsabschnitt 4 aufgrund seiner hohen Kosten von 77,7 Millionen Euro (Mio) nur dann eine höhere Priorität als etwa der Planungsabschnitt 1 (von der A8 bis vor Friedberg/geschätzte Kosten 19,8 Mio) bekommt, wenn er einen vierfach höheren Gesamtnutzen hat. Ob dies der Fall ist, wird jedoch erst Anfang 2016 klar sein, wenn der neue Bundesverkehrswegeplan vom Bundestag beschlossen wird. Bis zum Herbst dieses Jahres sollen Ingenieure im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums alle vorgeschlagen Projekte bewerten, dann soll die Öffentlichkeit mit einbezogen werden in den Diskussionsprozess.

Dies ließ die Gemeindevertreter insbesondere bezüglich der Ullrich-Variante hellhörig werden. Sie reklamierten, dass die östlich des Lechs bis zur Lechleite gelegenen Bereiche ihrer Gemeindegebiete entweder als landschaftliche Vorbehaltsgebiete oder als Erholungsgebiete ausgewiesen sind. Sofern der Lechübergang der Osttangente Augsburg südlich der Staatsstraße 2380 erfolgen soll, sind aus ihrer Sicht weitaus höhere Eingriffe in das hochsensible Ökosystem am Lech insbesondere in bisher unberührte Auwaldbereiche zu befürchten.

Garbsch widersprach dem nicht, machte aber deutlich, dass die betroffenen Gemeinden diese Argumente im Raumordnungsverfahren vorbringen sollten, in dem das Staatliche Bauamt verschiedene Trassen präsentieren muss, es also nicht mehr um nur das „Ob“, sondern um das konkrete „Wie“ der Augsburger Osttangente geht. Er sicherte den Gemeindevertretern hierbei zu, dass sie sich jederzeit mit Anfragen zum aktuellen Verfahrensstand an ihn wenden können.

Merings Bürgermeister Walch will nun noch Kontakt mit seinem Steindorfer Kollegen Paul Wecker aufnehmen.

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