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Bobingen

09.04.2020

Pflegebedürftiger in der Corona-Krise: René Rampp gehen die Helfer aus

René Rampp ist auf medizinisches Fachpersonal angewiesen - das ist wegen der Corona-Pandemie schwer zu bekommen.
Bild: Siegfried Rupprecht (Archiv)

Plus Der Bobinger René Rampp ist rund um die Uhr auf das Beatmungsgerät angewiesen. Jetzt fehlt wegen der Corona-Pandemie das Pflegepersonal - eine prekäre Situation.

Die Corona-Krise ist schlimm genug. Und doch gibt es Menschen, die sie besonders hart zu treffen scheint. Einer davon ist René Rampp aus Bobingen. Seit seiner Geburt leidet er an Muskeldystrophie vom Typ Duchenne, eine Krankheit mit schnell fortschreitender Muskelschwäche und -abbau. Neben der Gefahr für seine Gesundheit hat er gegenwärtig noch ganz andere Sorgen - nämlich die, wie es bei ihm in Sachen Pflege weitergeht. Personal ist derzeit schwer zu bekommen.

Rampp teilt sein Schicksal mit rund 2000 Betroffenen in Deutschland. Seit einiger Zeit ist er fast bewegungsunfähig, muss dauernd beatmet werden. Für ihn, der täglich mindestens 14 Stunden Betreuung benötigt, bedeutet das eine ständige Koordination von mehreren Pflegepersonen.

Ärzte und Pfleger werden derzeit in den Kliniken dringend gebraucht. Doch auch Menschen mit Behinderungen spüren den Personalmangel.
Bild: Kirsten Boos (Symbol)

Der Hintergrund dazu: Seit rund einem Jahr hat er sich in seiner Versorgung mit Hilfe des Persönlichen Budgets (PB) selbstständig gemacht. Mit diesem System haben Menschen mit Pflegebedarf die Möglichkeit, ihr Finanzbudget selbst zu verwalten und damit Leistungen zu regeln. Damit kann Rampp weitgehend ein Leben nach eigenen Vorstellungen führen. Hinzu kommt, dass er im Rahmen dieses sogenannten Arbeitgebermodells selbst entscheiden kann, welche Pflegepersonen menschlich und charakterlich zu ihm passen.

René Rampp aus Bobingen spürt den Personalmangel im Pflegebereich

Doch das war bereits vor der Corona-Krise für ihn kein Honiglecken. Denn unter dem dramatischen Personalmangel im Pflegebereich leiden nicht nur Kliniken und Heime, sondern auch er als Privatperson. In einem Bericht in unserer Zeitung im vergangenen September suchte er dringend eine oder zwei zuverlässige, längerfristige und teamfähige Pflegekräfte. Daraufhin hatten sich zwei Personen gemeldet, eine 450-Euro-Kraft sowie eine für Teilzeit. Somit wurde die Versorgung für ihn etwas entspannter.

Doch in Zeiten von Corona ergeben sich für René Rampp mittlerweile mehr Schwierigkeiten. „Zum einen falle ich bei der Versorgung von Mundschutz und Schutzkleidung durch sämtliche Raster, zum anderen werden bei mir zwei 450- Euro-Kräfte von ihrem Hauptarbeitgeber für den Nebenjob bei mir gesperrt“, klagt er.

Nicht genug damit: Eine weitere 450-Euro-Kraft musste der Bobinger aus Sicherheitsgründen aus dem Beschäftigungsverhältnis herausnehmen, da sie in ihrer Hauptarbeit auf einer Intensivstation tätig ist.

Covid-19: Die Folgen der Pandemie treffen René Rampp indirekt

Rampp ist verzweifelt. „Personal zu finden, ist derzeit kaum möglich“, verdeutlicht er. „Und wenn, wäre ohne entsprechenden Test auf das Corona-Virus bei mir ein Risiko vorhanden.“ Wieder muss er feststellen, dass nicht nur Pflegeeinrichtungen und der ganze ambulante Sektor betroffen sind, sondern auch hautnah seine eigene Person: „Zuerst der Fachkräftemangel und jetzt dazu noch die Covid-19-Pandemie.“

Mit seinem persönlichen Budget falle er durch sämtliche Raster der Zuständigkeiten, sagt Rampp. Das beginne beim Katastrophenschutz und gehe weiter bis hin zum Gesundheitsamt. Dabei stehe er Herausforderungen immer offen gegenüber, meint er. Doch jetzt sei die Lage für ihn sehr prekär.

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