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Politik

20.01.2020

„Politik und Religion sind zwei Paar Stiefel“

Die Muslima Özün Keskin ist die Bürgermeisterkandidatin der Großaitinger SPD.
Foto: Hieronymus Schneider

In Großaitingen tritt mit Özün Keskin eine junge Muslima für die SPD an. Was sagt eigentlich sie zur Diskussion um muslimische CSU-Kandidaten?

Sie ist jung, weiblich und Muslima – also genau das Gegenteil vieler Kandidaten, die im Landkreis als Bürgermeister zur Wahl stehen. Doch davon lässt sich Özün Keskin nicht abschrecken. Die 25-jährige Studentin tritt für die SPD in Großaitingen an. Ein gewisses Maß an Weltoffenheit gehöre dazu, sagt sie: Auch oder gerade weil im nordschwäbischen Wallerstein kürzlich ein Muslim Bürgermeister werden wollte und am Gegenwind der CSU-Parteibasis scheiterte. Der Fall hatte in den vergangenen Tagen bundesweit für Diskussionen gesorgt.

Die CSU-Spitze vor Ort wollte den parteilosen Unternehmer Seher Sahin für das Amt gewinnen, doch einige Mitglieder stellten sich gegen ihn – offenbar wegen seines Glaubens. Sahin zog seine Kandidatur daraufhin zurück.

Bei Özün Keskin stößt der Fall auf Unverständnis. „Politik und Religion sind für mich zwei paar Stiefel“, sagt die muslimische Bürgermeisterkandidaten. Das eine sollte im jeweils anderen Bereich keine Rolle spielen. „Wir leben in einer Demokratie, in der bestimmte Werte für alle gelten“, sagt Keskin, die Interdisziplinäre Lehr- und Lernforschung an der Uni Augsburg studiert.

Sie selbst habe mit solchen Vorurteilen bislang nicht zu kämpfen gehabt. Ganz im Gegenteil: „Ich habe immer positive Rückmeldung bekommen“, sagt die gebürtige Friedbergerin, die seit 18 Jahren mit ihrer Familie in Großaitingen lebt. Die meisten hätten sie bekräftigt, als Bürgermeisterkandidatin anzutreten. Viele fänden es mutig.

Allerdings sei ihre Situation nicht mit der von Sahin vergleichbar, sagt Keskin. Sie trete für eine andere Partei an und sei schon lange Mitglied – fünf Jahre ist Keskin bei der SPD in Großaitingen, saß vorher an den Stammtischen mit dabei. „Ich fühle mich dort sehr wohl“, sagt die 25-Jährige. „Es wird immer von Mensch zu Mensch diskutiert.“

Die Idee, als Bürgermeisterkandidatin ins Rennen zu gehen, sei entstanden, nachdem sich der amtierende Bürgermeister Erwin Goßner entschlossen hatte, nicht mehr für die SPD auf einem Listenplatz zu stehen. Goßner war vor sechs Jahren als Parteiloser über die SPD-Liste ins Amt gewählt worden. Der Ortsvereinsvorsitzende Frank Dietenhöfer hatte die Entscheidung, Keskin zu nominieren, so begründet: „Wir wollen junge Menschen in verantwortliche Positionen für eine nachhaltige Politik bringen.“

Was Keskin am Amt begeistert? „Ich bin hier aufgewachsen. Die Gemeinde liegt mir am Herzen“, sagt die 25-Jährige, die in ihrer Freizeit als Jugendfußballtrainerin beim TSV Bobingen aktiv ist. Sie wolle etwas bewegen und den Ort auf die Zukunft vorbereiten. Dafür hat sie schon einige Ideen. So will sie das Angebot an Betreuungsplätzen ausbauen und neue Firmen ins Gewerbegebiet holen. „Es müssen mehr Freizeitangebote her“, sagt Keskin. Außerdem wolle sie das Thema Ortsumfahrung voranbringen.

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