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24.06.2009

Politisches Spiel um viel Geld und leere Rohre

Bobingen/Großaitingen Ein Stück Glasfaserkabel im Gras an der Einmündung des Hubertuswegs in die von Lotzbeck-Straße in Reinhartshausen löst Freude und Erwartungen aus: Denn das schwarze Stück mit dem Aufdruck T-Com verspricht die Erfüllung eines großen Wunsches: Die DSL-Technik scheint in Reinhartshausen angekommen. Das Internet wäre damit auch dort rasch nutzbar. In dem Stadtteil von Bobingen ragt jedoch nur ein totes Ende aus der Erde. Angeschlossen ans Ortsnetz wird es laut Telekom vorerst nicht.

Vermutlich würde das auch nichts nützen. Denn die Telekom hüllt sich in Schweigen, wo das andere Ende der Leitung steckt. Das Kabel und vor allem viele Kilometer Leerrohr sind Teil eines politischen Pokerspiels zwischen der Telekom, ihren Konkurrenten und der Bundesnetzagentur - früher Regulierungsbehörde für Telekommunikation.

Druck machen vor der Bundestagswahl

Dabei geht es um viel Geld für die Nutzung der Kabelstränge und um öffentlichen Druck vor der Bundestagswahl. Der laute Ruf der Bürger nach schnellen Datenleitungen auch auf dem Land, soll die bundeseigene Aufsichtsbehörde aufgeschlossener machen für die Forderungen der Telekom darüber, was Konkurrenten für die Leitungsnutzung zu erstatten haben.

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Auch der Augenschein an den Baustellen vor Ort spricht dafür, dass das andere Ende der Reinhartshauser DSL-Leitung ebenfalls noch länger tot ist - isoliert vom Breitbandnetz der Telekom, vergraben am Straßenrand. Zwischen Reinhartshausen, Hardt, Reinhartshofen und Großaitingen ziehen derzeit Bautrupps einen schmalen Graben. Was sie dort verlegen, sind allerdings zwei leere Rohre.

Angekündigt waren ursprünglich bereits Glasfaserkabel. Nun heißt es: Wenn alle politischen Fragen geklärt sind, werde das fehlende Stück Breitbandkabel rasch eingezogen und angeklemmt. Die Frage unserer Zeitung, wie viele Meter oder Kilometer solcher Datenleitung auf dieser Strecke tatsächlich schon vergraben sind, versucht die zuständige Pressestelle der Telekom seit Tagen vergeblich zu beantworten. Einer der es wissen müsste, sagt uns schließlich: "Wenn ich es wüsste, dürfte ich es nicht sagen. Auch unsere Pressestelle wird das nicht erfahren. Das weiß nur die Planungsabteilung und bleibt geheim."

Der Hintergrund: Seit März gibt es bei der Telekom bundesweit einen Ausbaustopp für das Breitbandnetz. Der gilt so lange, bis sich das Unternehmen mit der Bundesnetzagentur geeinigt hat. Wer dagegen protestiert und auf die Einhaltung von früheren Ankündigungen pocht, so berichten Kommunalpolitiker, dem wird empfohlen, sich an den Landtags- oder Bundestagsabgeordneten seines Vertrauens zu wenden. Somit könnte DSL zum Wahlkampfthema werden und neues Geld lockermachen - egal ob vom Bund oder der Telekom-Konkurrenz.

Doch es ist fraglich, ob bei diesem Pokerspiel tatsächlich die Telekom gewinnt. Es gibt nämlich europaweite Aspekte, die eher eine Verringerung der hohen Telekommunikationskosten in Deutschland verlangen, hieß es im Rathaus von Bobingen. Dort hat der Hauptausschuss erneut beratschlagt, wie er seinen Ortsteilen endlich zu schnellen Internetanschlüssen verhelfen kann.

Im Ergebnis schließt sich die Stadt einem Vorschlag von Landrat Martin Sailer an: Allein hätten die Gemeinden keine Chance, sich in dem DSL-Poker zu behaupten. In ihrem Namen will sich der Landkreis mit einer Machbarkeitsstudie einmischen und darauf drängen, dass aus Leitungen tatsächlich Anschlüsse werden.

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