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Graben

29.04.2020

Post will Paketzentrum neben Amazon nun doch weiter betreiben

Das DHL-Paketverteilzentrum (kleine Halle vorne) in Graben ist über eine Brücke mit dem Logistikzentrum des Versandriesen Amazon verbunden.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Das Paketverteilzentrum in Graben sollte zum 1. Mai schließen. Doch wegen der Corona-Krise sind die Sendungsmengen rasant gestiegen.

Eigentlich sollte das Paketverteilzentrum der Deutschen Post in Graben zum 1. Mai schließen. Doch nun macht das Unternehmen eine Kehrtwende: Weil die Sendungsmenge an Paketen im Zuge der Corona-Pandemie extrem gestiegen ist, bleibt der Standort vorerst in Betrieb.

Wie Sprecher Dieter Nawrath auf Nachfrage mitteilt, wird das Verteilzentrum bis Ende Juni weiter betrieben. Man sei zu den Entwicklungen in Gesprächen mit dem lokalen Betriebsrat. Anfang März hatte die Post die Schließung des Standorts in Graben bekannt gegeben. Seitdem mussten rund 80 Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze bangen.

Damals hieß es, ein wirtschaftlicher Betrieb des Standorts sei wegen rückläufiger Sendungsmengen nicht weiter gewährleistet. Dies sei unter anderem bedingt durch die verstärkte Eigenzustellung von Amazon.

Nicht nur Amazon profitiert von der Corona-Krise

Der Onlineversandhändler betreibt in unmittelbarere Nähe ein etwa 15 Fußballfelder großes Logistikzentrum. Ein Teil der Amazon-Pakete wird direkt in das DHL-Verteilzentrum verfrachtet. Eine Förderbandbrücke verbindet die beiden Gebäude. Auch im Namen spiegelt sich die enge Zusammenarbeit der Konzerne wider. So heißt das Verteilzentrum der DHL offiziell Amazon Sorting Center.

Doch nun scheint nicht nur der amerikanische Versandriese, sondern auch die Deutsche Post von der Krise zu profitieren. „Aufgrund der aktuellen Einschränkungen durch die Coronavirus-Pandemie verzeichnen wir derzeit einen deutlichen Anstieg der Paketmengen in unserem DHL-Netzwerk auf mittlerweile rund 9 Millionen Sendungen pro Tag“, erklärt das Unternehmen schriftlich. Dies entspreche einem Aufkommen wie in der Vorweihnachtszeit.

Um die Sendungsmengen verarbeiten zu können, habe die Post bundesweit kurzfristig 2000 neue Kräfte eingestellt. Auch Beschäftigte aus anderen Unternehmensbereichen würden vermehrt in der Paketbearbeitung eingesetzt. Die positive Entwicklung im Zuge der Corona-Krise macht sich auch im Verteilzentrum in Graben bemerkbar, das 2012 in Betrieb ging: Die Mitarbeiter sollen ihren Arbeitsplatz vorläufig behalten.

Gewerkschaft Verdi hofft auf langfristige Lösung

Für David Merck von Verdi Bayern ist das eine gute Nachricht. Der Gewerkschafter hatte sich schon auf harte Verhandlungen eingestellt. „Der Paketboom hat uns in die Karten gespielt“, sagt Merck. „Derzeit braucht die Post jeden Standort und jede Hilfe.“ So seien auch in Graben zusätzliche Schichten eingeführt worden, um das erhöhte Paketaufkommen zu bewältigen. Für die Beschäftigten bedeutete dies eine enorme Belastung, doch sie seien froh über die Entwicklung.

Die Gewerkschaft habe zwar erst in zwei Jahren mit derzeitigen Sendungsmengen gerechnet. „Aber die aktuelle Lage zeigt, wie strategisch wichtig es ist, das Verteilzentrum in Graben zu halten“, betont Merck. Das habe nun auch die Deutsche Post erkannt. So werde auch über langfristige Lösungen am Standort in Graben diskutiert. Denn genau darauf hofft Merck: „Ich halte es für sinnvoll, den Betrieb für zunächst eineinhalb Jahre weiterlaufen zu lassen und zu beobachten, wie sich die Paketmengen entwickeln.“

Amazon baut neues Verteilzentrum in Gersthofen

Der Gewerkschafter rechnet damit, dass die Zahlen auch unabhängig von der Corona-Krise steigen werden. Für das 7000 Quadratmeter große Verteilzentrum in Graben wünscht sich Merck deshalb nicht nur ein langfristiges Konzept. „Es wäre auch wichtig, unabhängiger von Amazon zu werden.“

Beim Onlineversandriesen ist die Zahl der Bestellungen in den vergangenen Wochen ebenfalls rasant gestiegen. Der Konzern reagierte teilweise mit Gehaltserhöhungen, von denen auch die Mitarbeiter im Logistikzentrum in Graben zeitweise profitierten. Über die künftige Zusammenarbeit mit DHL erklärt Amazon schriftlich, man arbeite mit dem Versandpaketzentrum ganz normal weiter.

Um seine eigene Kapazitäten zu erhöhen, baut Amazon derzeit ein neues Verteilzentrum in Gersthofen. Anders als im Logistikzentrum in Graben, in dem Ware gelagert, verpackt und abgeholt wird, werden von dort aus die Pakete dann nur noch für die Auslieferung an die Kunden sortiert.

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