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Bobingen

21.05.2018

Raiffeisenbank steht zu Filialschließungen

Verabschiedeten sich aus dem Aufsichtsrat: Joseph Schipf (vorne) wurde von Vorstand Hans-Jürgen Fröchtenicht, Aufsichtsratsvorsitzendem Franz Stellinger und Vorstand Albert Rott gewürdigt.
Bild: Anja Fischer

Genossenschaft stärkt Vorstand und Aufsichtsrat in Bobingen den Rücken. Vorstoß aus Schwabmünchen soll in Ruhe diskutiert werden.

Es ist nicht so, dass das Eindringen der Raiffeisenbank Schwabmünchen ins Geschäftsgebiet der Kollegen in Bobingen dort kein Thema wäre. Doch der Ball wird flach gespielt. Aufsichtsrat und Vorstand gingen aus der jüngsten Vertreterversammlung der Genossenschaft jedenfalls mit gestärktem Rücken hervor. Ihre Entlastung erfolgte einstimmig, lediglich zwei Gegenstimmen gab es zum Geschäftsbericht und einen Wunsch am Ende.

Voll gefüllt hatten die Vertreter der Genossenschaftsmitglieder die Singoldhalle. Kein Wunder, hatte es doch in den letzten Tagen sowohl an den Bankschaltern als auch in den Büros große Diskussionen um die angekündigten Geldautomaten und Beratungsstunden der Raiffeisenbank Schwabmünchen in Oberottmarshausen und Kleinaitingen gegeben - einem Geschäftsgebiet, von dem sich die Raiffeisenbank Bobingen erst vor wenigen Monaten Automaten und Sprechstunden abgezogen hatte, das sie aber noch immer als Teil ihres Kundengebietes sieht.

Eine Buchung kostet knapp 100 Euro

Mit großer Spannung erwartet worden war deshalb die Ansprache von Vorstandssprecher Hans-Jürgen Fröchtenicht. Er versicherte: „Die Entscheidung ist uns sowohl im Vorstand als auch im Aufsichtsrat nicht leichtgefallen.“ Man sehe sich „immer noch als die regionale Bank vor Ort, die ihren Kunden in Finanzangelegenheiten zur Seite steht“. Eine Analyse durch den Genossenschaftsverband Bayern sei eindeutig gewesen: „Im Ergebnis stand für die seit Anfang des Jahres geschlossenen Geschäftsstellen fest, dass nur noch drei bis vier Kunden pro Stunde unseren Service vor Ort nutzten, das vorgehaltene Personal insgesamt nur noch zu 30 bis 40 Prozent ausgelastet war und somit eine Buchung vor Ort Kosten von knapp 100 Euro aufrief.“ Diese Summe hätte wohl kein Kunde bezahlen wollen, so Fröchtenicht.

Auch die Entscheidung gegen einen Verbleib von Geldautomaten in den betreffenden Orten sei aus wirtschaftlicher Sicht gefallen. Auffallen für ihn sei: Beschwert hätten sich in Unterschriftenaktionen überdies mehrheitlich Personen, die gar kein Girokonto bei der Raiffeisenbank Bobingen, sondern bei Direktbanken unterhalten und sich damit um die Möglichkeit der kostenlosen Abhebung gebracht sahen – einem Service, den die Raiba aufgrund einer Vertragslücke der Kreditinstitute kostenlos leisten musste. „Wir haben vollstes Verständnis für die Verärgerung unserer Mitglieder und Kunden, nicht jedoch für Fremdkunden, die dort nun kein Bargeld mehr abheben können“, so Fröchtenicht. Trotzdem stehe die Raiffeisenbank Bobingen zu ihrem Slogan „Keine Bank ist näher“, wie der Vorstandssprecher betonte. „Wir erweitern kontinuierlich die Onlinepräsenz und Serviceleistungen im Internet, bauen im Moment ein Kundendialogcenter auf, um unseren Service am Telefon zu verbessern und halten weiterhin an den noch bestehenden Filialen vor Ort fest.“

Vorstand: Getroffene Entscheidungen sind nach wie vor richtig

Die getroffenen Entscheidungen halten Vorstand und Aufsichtsrat nach wie vor für richtig, das machte auch Aufsichtsratssprecher Franz Stellinger deutlich: Die Entwicklungen der letzten Tage werde im Vorstand und Aufsichtsrat in der gebührenden Ruhe besprochen und analysiert, kündigten beide an und versprachen, über daraus resultierende Entscheidungen zu gegebener Zeit schriftlich zu informieren.

Eine anschließende Aussprache zu dem Bericht des Vorstandes wünschte keiner der Vertreter. Lediglich zwei Gegenstimmen gab es bei der Genehmigung des Jahresberichtes 2017. Die Beschlussfassung über die Verwendung des Bilanzgewinns sowie die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat erfolgte dagegen einstimmig. Es scheint, dass die Vertreter sich mit dieser Zustimmung hinter die Geschäftsführung und Entscheidungen ihrer Bank stellen.

210.000 Euro für die Genossenschaftsmitglieder

Kein Wunder, denn die präsentierten Zahlen und die von Aufsichtsratsvorsitzendem Franz Stellinger und Aufsichtsrat Harald Reiter präsentierten Zahlen und Prüfberichte waren durchweg positiv und das trotz der schwierigen Wirtschaftslage. So werden an die Mitglieder wieder fünf Prozent Dividende ausgeschüttet. Insgesamt 210 000 Euro werden dieser Tage an Genossenschaftsmitglieder überwiesen.

„Wegen der erfreulich guten Eigenkapital-Ausstattung konnte die lange Phase der Niedrigzinspolitik bis jetzt überstanden werden und auch die Ertragslage ist zufriedenstellend“, so Stellinger. Der Bilanzgewinn lag mit 560 000 Euro sogar etwas über dem Vorjahresniveau.

Einzig Vertreter Gottfried Zerle aus Straßberg nahm diese Situation als Grundlage für eine Wortmeldung am Ende der Versammlung: „Mein Wunsch wäre es, nach der Filialschließung in Straßberg wenigstens wieder einen Geldautomaten in Straßberg zu haben“, meinte er. Es sei ja schön, dass es ein breit gefächertes Onlinebanking-Angebot gäbe, aber „die alten Leute haben ja nicht mal einen Computer“, so Zerle. „Wir haben gerade gehört, dass sogar ein noch höherer Überschuss erwirtschaftet worden ist, als im letzten Jahr. Könnte man da nicht ein wenig Geld abzweigen und einen Automaten aufstellen?“ Für seine Anfrage erhielt Zerle spontanen Applaus aus der Versammlung, Aufsichtsratsvorsitzender Stellinger musste die Beantwortung aber bis nach der Diskussion in den Führungsgremien zurückstellen.

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