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Königsbrunn

05.07.2020

Ruhestand nach 40 Jahren im Dienst: Königsbrunner Rektorin blickt zurück

Eva Focht-Schmidt, die scheidenede Leiterin des Gymnasiums Königsbrunn, vor Bildern von Schülern, die ihr Büro schmücken. Zum Ende des Schuljahres 2019/20 geht sie in den Ruhestand.
Bild: Hermann Schmid

Plus Rektorin Eva Focht-Schmidt verlässt die Schule Ende Juli. Einschätzungen nach mehr als 40 Jahren Jahren im Schuldienst.

Das Foto für den Artikel zu ihrem Ausscheiden aus dem Schuldienst, wo sollen wir es machen? Mit einem Umzugskarton am Schreibtisch, könnte sich der Autor vorstellen, oder vor einem markanten Bauteil des Gymnasiums. Der Vorschlag von Eva Focht-Schmidt sagt einiges über ihr Verhältnis zu Schule und Amt aus: Am liebsten vor den bunten Schüler-Bildern, die an der Wand ihres Büros hängen.

Königsbrunner Rektorin ist seit 1979 im Schuldienst

„Ich wollte immer was mit Menschen machen“, nennt sie als Grund für ihre Berufswahl vor mehr als 45 Jahren. In kirchlichen Jugendgruppen und bei Nachhilfe sei die Idee gewachsen, Lehrerin zu werden. Seit 1979 ist sie, mit kurzen Pausen während der Mutterschaft, im Schuldienst, ab 2001 zunehmend in Leitungsfunktionen. Wenige Wochen vor ihrem Wechsel in den Ruhestand sprachen wir mit Eva Focht-Schmidt über einige der Veränderungen, die sie im Laufe dieser Zeit im Schulleben beobachtet und erlebt hat.

  • Schüler Die Klassen sind seit den 1980er Jahren deutlich kleiner geworden, deshalb seien sie jetzt als Gruppen nicht so fordernd. Als Referendarin habe sie 8. und 9. Klassen mit bis zu 36 Buben unterrichtet: „Wenn Du dich da zur Tafel umgedreht hast, dann ist der Punk abgegangen“. Aktuell hat keine Klasse am Gymnasium mehr als 30 Schüler. Zugenommen habe aber die Bandbreite der Schüler. „Sie kommen mit ganz verschiedenem kulturellem, sprachlichem und sozialem Hintergrund, aus unterschiedlichen familiären Strukturen.“ Das bringe für die Lehrkräfte ganz andere Herausforderungen.
  • Lehrer Als sie anfing zu unterrichten, waren Lehrer (vor allem an weiterführenden Schulen) vorrangig Wissensvermittler. Schüler und Schülerinnen, die den Stoff nicht bewältigen konnten, galten damals als „am Gymnasium halt überfordert“. Inzwischen werde wesentlich mehr pädagogischer Einsatz erwartet. Bei schulischen Problemen sollen Lehrkräfte Kontakt mit Eltern aufnehmen und auch das Umfeld des Schülers betrachten. Im Referendariat habe Pädagogik seit Jahren einen viel höheren Stellenwert.
  • Eltern Wie bei den Schülern hat auch bei deren Eltern die Bandbreite zugenommen. Manche liefern ihre Kinder nur ab und erwarten, dass sich das Gymnasium komplett um den schulischen Erfolg kümmert, hat Eva Focht-Schmidt festgestellt. Ein Beleg dafür: „Die Hausaufgaben-Moral hat abgenommen.“ Sie weiß aber auch: „Viele sind beruflich sehr eingespannt.“ Die Schule müsse sich häufiger als in früheren Jahren um Kontakte zum Elternhaus kümmern.
  • Digitalisierung Wie sehr Computer Alltag und Schulleben verändern würden, das konnte sie sich als Mathematikstudentin in den späten 1970er Jahren nicht ausmalen. Aber um 1980 schrieb sie schon Teile ihrer Seminararbeit auf einem Schul-PC. Erst einige Jahre später stand der erste in ihrem Arbeitszimmer. Ab Mitte der 1990er Jahre wurden Computer für Verwaltungsaufgaben an Schulen eingesetzt, erst seit der Jahrtausendwende ist Digitalisierung im Unterricht ein Thema.
    Seit September 2018 ist das Gymnasium Königsbrunn (als einziges Gymnasium in Schwaben) im Förderprogramm „Digitale Schule 2020“ des Freistaats. Es sollte dieses Jahr abgeschlossen sein, wegen Corona-bedingter Verzögerungen wurde es um ein Jahr verlängert.
  • Corona Die Pandemie und damit verbundene Schulschließungen haben die Digitalisierung aber auch enorm angeschoben, so die Schulleiterin. Nun müsse man Wege entwickeln, wie die individuelle Förderung von Schülern auch im digitalen Lernumfeld gelingen kann. „Bei einigen ist es unproblematisch“, stellt sie fest, „bei den zurückhaltenden oder denen, die zuhause technische Defizite haben, erfordert es zusätzlichen Einsatz.“ Durch die Rückmeldungen vieler Schüler habe sie in den vergangenen Monaten aber auch gespürt: „Die Kontaktperson Lehrkraft ist für guten Unterricht einfach nötig.“
  • Abschied Das Coronavirus hat nicht nur ihr letztes Schuljahr geprägt, es drückt auch ihrer Verabschiedung den Stempel auf. Die soll am 24. Juli, dem letzten Schultag, mit einer kleinen Feier im Hof des Gymnasiums über die Bühne gehen. „Maximal 100 Personen, nur schulinterne Leute“, umreißt sie den Rahmen – und hat dabei den gleichen sachlichen Tonfall, mit der sie vor einigen Tagen die veränderten Planungen für die Übergabe der Abiturzeugnisse geschildert hat. Kein Hauch von Frust ist zu hören, nur die Bemerkung: „Ist schon witzig, an so was hat keiner gedacht“. Diese entspannte, aber klare Haltung ist vielleicht das Markenzeichen von Eva Focht-Schmidt. Darauf angesprochen,sagt sie: „Es nutzt ja nichts, sich über Themen aufzuregen. Dadurch werden sie auch nicht besser geregelt – eher schlechter. Man muss sie halt sachlich aufarbeiten.“
  • Erinnerungen Auf die Frage nach besonderen Erlebnissen in den 41 Jahren im Schuldienst will sie kein Ereignis hervorheben. Sie fasst pauschal die Aktivitäten mit Schülern zusammen, die außerhalb des Unterrichts lagen: Skilager, Abiturfahrten, Schüleraustausche, Chor- und Orchesterfahrten, die Betreuung von Schülerzeitungsredaktionen. „Solche Aktivitäten sind das Wichtigste im schulischen Leben, weil man nur so den wichtigen Kontakt mit den Schülern kriegt.“

Bald soll es nach Kanada gehen

Im Ruhestand wird sie nun deutlich mehr Zeit für die beiden Enkel haben – und für Aktivitäten mit ihrem bereits pensionierten Mann. Dann wird sie auch ihrem Faible für die französische Sprache frönen, das sie in Studium und Beruf nicht umsetzen konnte. Die erste größere Reise geht, wenn alles klappt, im Herbst nach Kanada, ins frankophone Quebec.

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