Newsticker

So viele wie noch nie: Mehr als 10.000 Neuinfektionen in Deutschland
  1. Startseite
  2. Lokales (Schwabmünchen)
  3. Sanitäter werden bei Einsatz wüst beschimpft und verprügelt

Schwabmünchen

16.02.2015

Sanitäter werden bei Einsatz wüst beschimpft und verprügelt

Retter im Einsatz - nicht immer sind die Opfer den Helfern dankbar.
Bild: Symbolbild

Während eines Notarzteinsatzes werden Retter wüst beschimpft und verprügelt. Jetzt stand ein Familienvater vor Gericht, der an dem Tag des Einsatzes völlig durchgedreht war.

So schnell werden diese beiden Rettungsassistenten ihren Einsatz in Schwabmünchen sicherlich nicht vergessen. Sie wollten helfen und die notwendige Erstversorgung leisten bis der Notarzt kommt, stattdessen wurden sie von dem Hausherren „geschlagen, getreten und beleidigt“. Nur haarscharf schrammte der Angeklagte an einer Freiheitsstrafe vorbei, da ihm der Richter eine „psychische Ausnahmesituation“ zugutehielt. Zu einer Geldstrafe in Höhe von 3750 Euro (150 Tagessätze zu je 25 Euro) verurteilte Ralf Hirmer den bereits auch einschlägig vorbestraften 43-Jährigen.

Retter werden beschimpft und verprügelt

Gegen 22 Uhr erfolgte an jenem Abend die Alarmierung. Als die Rettungsassistenten vor Ort eintrafen, stand nach ihren Worten die Wohnungstüre offen, alle Familienmitglieder wirkten sehr aufgeregt und die beiden kleinen Hunde sprangen sofort an ihren Hosenbeinen hoch. Weil aber Tiere stets für die Helfer mit einer gewissen Gefahr verbunden sind und bei einer Versorgung stören, wurde der jetzt wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Beleidigung angeklagte Familienvater aufgefordert, mit den Vierbeinern die Räumlichkeiten zu verlassen.

Daraufhin wurde die bereits angespannte Lage „völlig undurchsichtig“. Nicht nur, dass sich der Mann weigerte, seine Wohnung zu verlassen, vielmehr noch beschimpfte er die beiden Rettungsassistenten als „Arschlöcher“ und „Idioten“. „Der war hoch aggressiv und ließ sich durch nichts mehr beruhigen“, erinnerte sich einer der Helfer, dem nur wenig später „in blinder Wut“ auf den Brustkorb und mehrmals mit der Faust gegen den Kopf geschlagen sowie mit dem Fuß in den Bauch getreten wurde. Von Schwellungen und Hautabschürfungen war die Rede, wenngleich der Zeuge die Verletzungen keinesfalls dramatisierte. Nunmehr versuchte der 30 Jahre alte Zeuge nach draußen zu gelangen, um die Polizei zu rufen. Doch eingekeilt in der äußerst engen Diele zwischen einem Nachbarn, dem Sohn des Angeklagten und dem angetrunken wirkenden Familienvorstand, der zudem hier auf ihn einschlug, „ging ich dann in Notwehr über“, sagte dieser Mann.

Grund des Alarms: Ein Selbstmordversuch

Mehr oder weniger nur angedeutet, wurde der eigentliche Einsatzgrund. So hatte bereits der Angeklagte dem Gericht zu verstehen gegeben, dass sich seine Tochter „aus Liebeskummer mit dem Messer in die Arme geschnitten“ (Selbstmordversuch) und seine Frau unter akuter Atemnot gelitten hätte. Und das alles an seinem Geburtstag. „Der ganze Abend“, versicherte der 43-Jährige, „war eine einzige Katastrophe.“ Darüber hinaus hätte auch noch einer der Rettungsassistenten einen seiner Hunde derart getreten, dass der Kleine „fürchterlich vor Schmerzen schrie“. Dieser immer wiederkehrende Vorwurf wurde allerdings bestritten. Selbst während der Patientenversorgung wurde der zweite Rettungsassistent beleidigt. Beim Verlassen der Wohnung ließ ihn der Angeklagte noch wissen: „Wenn ich deinen Kollegen nochmals erwische, dann schneide ich ihm die Kehle durch…“

Staatsanwalt attestiert „Ausnahmesituation“

Acht Monate zur Bewährung beantragte der Staatsanwalt. Auch er attestierte dem Angeklagten eine Ausnahmesituation, zugleich aber kritisierte Christian Peikert die fünf Vorstrafen und die damit verbundene hohe Rückfallgeschwindigkeit. „Sie waren alkoholbedingt enthemmt. Andererseits hatten Sie Sorge um Ihre Tochter und waren einfach überfordert“, sagte in seiner Urteilsbegründung der Richter. Zwar hätte der 43-Jährige „die Begleitumstände“ seiner Verfehlungen etwas anders erzählt als die Zeugen, aber eine Freiheitsstrafe sei noch nicht nötig, meinte Ralf Hirmer. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren