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Sanierung

16.05.2014

Schlösschen, Käserei, Denkmal

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Das frühere Cosimosinische Schlösschen in Bobingen schien schon zur Ruine zu werden. Das Gerüst zeigt: Nun wird es gerettet und wieder zum Wohnhaus hergerichtet.

Bobingens ältester Profanbau wird gerade vor dem Verfall gerettet. Cosimo Sini hatte ihm den Namen gegeben, Jakob Fugger hat ihm den Bau später abgekauft. Nun wird er zum Wohnhaus

Lange Jahre stand das Haus an der Lindauer Straße 10 in Bobingen leer und schien dem Verfall preisgegeben zu sein. Dabei ist es von großer historischer Bedeutung, denn es ist fast 500 Jahre alt und das älteste erhaltene, nichtkirchliche Gebäude in Bobingen: das Cosimosinische Schlösschen. Derzeit erwacht es aus dem Schlaf, soll von Bauarbeitern seinen alten Glanz wieder erhalten. Nur ein alter Geheimgang bleibt verschwunden.

An der Straße hat sich einiges getan: Das Haus ist eingerüstet, das Dach neu gedeckt. Die jetzigen Eigentümer, Michael Heidler und seine Frau Susanne, wollen es wieder zu einem Schmuckstück machen.

Doch davon ist das Innere des Bauwerks noch weit entfernt. Die Fußböden sind offen und die Wände roh. Aber Michael Heidlers Augen leuchten: „Hier erzählt jedes Element eine eigene Geschichte“, sagt er. Und er zeigt auf die großen gewölbten Fensterlaibungen, in die später kleinere Fenster eingebaut wurden, weil die handwerklich hergestellten Scheiben späteren Besitzern zu teuer waren.

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Er führt in den „Saal“, der heute ein relativ kleiner Raum ist. Das war nicht immer so: „Nachdem das Gebäude im 30-jährigen Krieg schwer beschädigt war, wurde einfach ein Stück davon abgeschnitten.“ Stuckteile und Bemalung, die in diesem Raum gefunden wurden, weisen noch auf seine prächtige Ausstattung hin. Jakob Fugger nannte diese Wände schon sein eigen, ebenso Georg Hopfer, der Sohn des Renaissancegrafikers Daniel Hopfer, der den Stahlstich erfand.

Die Räume zeigen unter dem Putz unterschiedlichstes Mauerwerk. „Keine Wand ist aus der gleichen Zeit. Das zog natürlich auch statische Probleme nach sich, die im Zuge der Renovierung mit großem Aufwand behoben werden“, so Michael Heidler.

Im Keller mit schönen alten Gewölben und Flusskieselboden sieht man noch einen Brunnen und einen gemauerten Bottich zur Käseherstellung. Er erinnert an einstige Besitzer in an dieser Stelle bis 1785 zurückreichenden Familientradition der Grubers. Ende des 19. Jahrhunderts gaben sie das Zimmerhandwerk zugunsten einer Käserei auf.

„Es heißt, dass es auch einen geheimen Gang zur Kirche gibt, aber dafür haben wir noch keine Anhaltspunkte gefunden“, so Irmgard Heidler (geborene Gruber). Die Mutter von Michael Heidler sagt: „Wir sind sehr froh, dass mein Vater, damals als wegen der Straßenerweiterung viele Häuser an der Lin–dauer Straße abgerissen wurden, nicht auch verkauft hat.“ Denn sie verbrachte ihre Kindheit im Schlösschen, bis die Familie 1964 in das neue Wohnhaus dahinter zog. Sohn Michael, für den das leer stehende Haus früher ein Abenteuerspielplatz war, will möglichst vieles erhalten – was auch den denkmalpflegerischen Auflagen entspricht. Sie sind im Fall des Cosimosinischen Schlösschens besonders streng, weil neben dem regionalen Denkmalschutz sich auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz fördernd beteiligt. „Diese Stiftung fördert normalerweise nur größere Projekte, unterstützt aber diese Renovierung, da es im weiten Umkreis kein vergleichbares Objekt von dieser historischen Bedeutung gibt.“

Das bedeutet aber auch, dass man bei der Renovierung behutsam vorgehen muss. So sind für manche Arbeiten nur speziell ausgebildete Handwerker zugelassen und auch Architekt Niels Pelzer ist Bauhistoriker und auf solche Renovierungen spezialisiert. Vor den Schlossherren liegt noch viel Arbeit bis sie – voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2015 – einziehen können.

Übrigens: Nichts zu tun mit dem Projekt der Heidlers hat die nördlich angrenzende Baustelle. Dort entsteht gerade ein Fertighaus nahe der Straße von einem anderen Bauherrn. "Kommentar

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