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Mickhausen

25.10.2020

Schloss-Sanierung: In Mickhausen beginnt die entscheidende Phase

Mit dem Aufbau des Baugerüstes an der West- und Nordseite hat die heiße Phase der Generalsanierung des Staudenschlosses Mickhausen begonnen.
Bild: Walter Kleber

Plus Die erste Hälfte des Baugerüstes steht, nun wird die Renovierung des Staudenschlosses in Mickhausen auch außen sichtbar. Der Schlüssel ist das Dach.

Die bisherigen Arbeiten fanden überwiegend hinter dicken Mauern statt. Jetzt wird die Generalsanierung des Staudenschlosses in Mickhausen für jedermann sichtbar. Mit dem Aufbau des Baugerüstes an der Nord- und an der Westseite der Vierflügelanlage beginnt die entscheidende Phase: Die Sanierung des Dachs und des darunterliegenden, in Schieflage geratenen Dachstuhls ist das Schlüsselgewerk des Millionenprojekts.

In einem Folgeschritt nehmen sich die Zimmerer und Dachdecker dann anschließend auch die Süd- und die Ostseite vor. Denn während das Mauerwerk des Mitte des 16. Jahrhunderts errichteten ehemaligen Fuggerschlosses in relativ gutem Zustand ist, sind Dachstuhl und Dachflächen das Sorgenkind der Hermann-Messerschmidt-Kulturerbe-Stiftung, die das denkmalgeschützte Ensemble 2016 erworben hat.

Dachstuhl des Schlosses in Mickhausen ist in schlechtem Zustand

Seit Jahrzehnten ist das Dach undicht, Regen und Schnee haben dem Eichengebälk massiv zugesetzt. In Eimern und Wannen musste das eindringende Regen- und Schmelzwasser zuletzt aufgefangen werden. Aber auch die gesamte Statik des Dachstuhls ist in einem besorgniserregenden Zustand. „Der Dachstuhl ist im Laufe der Zeit regelrecht in die Knie gegangen“, sagt Dr. Wolfgang Knabe, der Vorsitzende der Stiftung.

Bei Stiftungsvorsitzendem Dr. Wolfgang Knabe rechts und Architekt Matthias Götz laufen alle Fäden der Schlosssanierung zusammen.
Bild: Walter Kleber

Auf sieben Etagen erstreckt sich das Baugerüst nicht nur an den beiden Außenfassaden und an der Schlosskapelle. Als Gegenstück wurden die beiden Gebäudeteile inzwischen auch im 300 Quadratmeter großen Innenhof eingerüstet. Damit die Handwerker in den kommenden zwei Jahren – solange wird die Reparatur der Dachtragwerke dauern – in luftiger Höhe einen trockenen und witterungsunabhängigen Arbeitsplatz haben, werden Außen- und Innengerüst mit einer provisorischen Wetterschutzdachhaut miteinander verbunden.

Experten aus dem Weimarer Land arbeiten mit

Die Ausschreibung für die erste Hälfte des Daches hat die Firma Denkmalbau Ettersburg aus Thüringen für sich entschieden. Der ehemalige "Volkseigene Betrieb" ist auf dem Gebiet der Sanierung historischer und denkmalgeschützter Gebäude in ganz Deutschland und darüber hinaus ein gefragter Partner bei Bauherren, Denkmalschutzbehörden und Architekten. Alle erforderlichen Gewerke sind in einer Firma vereint: Zimmerer, Dachdecker, Spengler und Schlosser arbeiten Hand in Hand. Auch Architekt Matthias Götz vom Planungsbüro Bergmann in Pfaffenhofen an der Ilm, unter dessen Regie die Sanierung des Staudenschlosses läuft, kennt die Firma seit Langem und schätzt ihren umsichtigen, bedachten Umgang mit historischer Bausubstanz: „Ein Glücksfall für unser Projekt!“

Über 100 Tonnen Schutt wurden entfernt

Über den Sommer ist unterdessen im Inneren des Schlosses viel geschehen. Auf allen Stockwerken wurden die Deckenbalken freigelegt und dabei rund 120 Tonnen Schutt entfernt. Vor allem in der umlaufenden Gewölbedecke im Erdgeschoß entpuppte sich der Abtransport des Bauschutts aus den Zwickeln der Gewölbekappen als Schwerstarbeit. Teilweise bis zu einem Meter hoch lag hier der aufgefüllte Bauschutt. Damit das Mauerwerk durch den plötzlichen „Gewichtsverlust“ keinen Schaden nimmt, wurden an den dicken Mauern mittels einer hydraulischen Presse und mit Gewindestangen massive Spannanker angebracht. Architekt Götz: „Wenn binnen kurzer Zeit 120 Tonnen Gewicht fehlen, dann besteht die Gefahr einer statischen Instabilität der tragenden Mauern am gesamten Gebäude.“

Laser dokumentieren jede kleinste Bewegung

Diese bauprovisorische Verspannung wird messtechnisch genauestens überwacht, empfindliche Laser dokumentieren jede kleinste Bewegung des Mauerwerks. Die in allen Räumen und in allen Gängen freigelegten Eichenbalken wurden inzwischen von Statikern Stück für Stück auf ihre Stabilität untersucht, detailliert dokumentiert und katalogisiert. Vor allem die ins Mauerwerk eingelassenen Balkenköpfe sind teilweise angefault und müssen behutsam ausgebessert werden.

Herzstück des Staudenschlosses im Zentrum von Mickhausen ist der ehemalige Rittersaal, der künftig für Veranstaltungen und Feste genutzt werden soll.
Bild: Walter Kleber

Wenn das Wetter und die Genehmigungsbehörden mitspielen, dann rechnet Wolfgang Knabe dieses Jahr auch noch mit dem Beginn der Arbeiten im Parkgelände. Die Arbeiten am Renaissancegarten können allerdings erst in Angriff genommen werden, sobald der Rohbau für die Heizzentrale des gesamten Ensembles und für die angegliederte Orangerie mit Toilettenanlage steht.

Geplant ist ein transparentes Innenhof-Dach

Das Raumkonzept sieht im Erdgeschoss den Gastronomiebereich für Veranstaltungen und Tagungen vor. In der Schlosskapelle werden künftig auch wieder Trauungen möglich sein. Der über 300 Quadratmeter große Innenhof soll mit einem transparenten Dach überspannt und ebenfalls für (kulturelle) Veranstaltungen genutzt werden. Im ersten Stock wird das Museum für den maritimen Handel der Augsburger Kaufleute im 16. Jahrhundert eingerichtet, die schon auf den Entdeckerflotten unterwegs waren. Ein Blickfang wird die originalgetreue Nachbildung eines vor Namibia ausgegrabenen Schiffswracks sein. Herzstück im zweiten Stock ist der 150 Quadratmeter große ehemalige Rittersaal, der künftig für Veranstaltungen genutzt wird. Um ihn gruppieren sich weitere Tagungs- und Seminarräume sowie eine Bibliothek mit rund 23.000 Bänden.

Ursprünglich ein Wasserschloss

Die Geschichte des Schlosses von Mickhausen reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück. Die Herren von Freyberg haben es als Wasserschloss erbaut. Im Jahr 1498 erwarb es Kaiser Maximilian I. und baute es zu einem Jagdschloss um. 1528 gelangte es in den Besitz von Raymund Fugger, dem Ziehsohn Jakob Fuggers. In den darauffolgenden Jahren ließ Raymund das Schloss komplett neu aufbauen. Nach drei Jahrhunderten im Besitz der Fugger verkaufte der hoch verschuldete Graf Karl Anton Fugger-Nordendorf das Staudenschloss 1842 an den Grafen von Rechberg-Rothenlöwen im württembergischen Donzdorf. Von seinem neuen Besitzer erneut umgebaut, hat das Schloss im Wesentlichen bis heute sein damaliges Aussehen bewahrt. 1977 ging das Hauptschloss in den Besitz eines Maklers über.

Etwa 60 Zimmer befinden sich im Schloss

Im August 2016 wurde das Wasserschloss auf Vorschlag von Dr. Knabe von der Hermann-Messerschmidt-Kulturerbe-Stiftung erworben. Der imposante Hauptbau des Schlosses ist symmetrisch um einen Innenhof herum angelegt. Wichtigster Akzent der Außenfassaden ist das Hauptportal. Im Inneren erschließen entlang der Innenhoffassaden umlaufende Flure die rund 60, nach außen orientierten Räume. Nord-, West-, und Südflügel sind noch weitgehend dem renaissancezeitlichen Bestand von 1535/1536 zuzurechnen. Der Ostflügel wurde im ausgehenden 17. Jahrhundert unter dem Münchner Hofbaumeister Giovanni Antonio Viscardi erneuert.

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