Vortrag

19.06.2019

Schmerzen in der Schulter

Florian Döbereiner

Dr. Florian Döbereiner erklärt, wann wirklich operiert werden muss

Schmerzen in Knie und Hüfte werden meist durch Arthrose, also die Abnutzung der Knorpel, verursacht. Bei der Schulter ist das anders, obwohl auch sie stark belastet wird. Der Grund liegt im Aufbau des Schultergelenks, das nicht knöchern, sondern muskulär geführt wird. Das hat den Vorteil, dass das Gelenk sehr beweglich ist. Und zugleich den Nachteil, dass es mehr Verletzungsmöglichkeiten gibt. Muskeln und Sehnen, Schleimbeutel und Gelenkkapsel können sich entzünden, überdehnen oder reißen. Außerdem bereiten Kalkablagerungen oft Probleme.

Dr. Florian Döbereiner, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie im Orthopädiezentrum Schwabmünchen und Mitglied des Endoprothetikzentrums der Wertachkliniken, informiert über die Funktionsweise und Behandlungsmöglichkeiten des Schultergelenks.

Warum ist das Schultergelenk so komplex und andersartig als die meisten anderen Gelenke in unserem Körper?

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Das Schultergelenk hat einen außergewöhnlich großen Radius, weil die Gelenkpfanne den Oberarmkopf nur sehr eingeschränkt umfasst. Stattdessen führen die Sehnen und Muskeln der sogenannten Rotatorenmanschette den Oberarm und geben ihm gleichzeitig die notwendige Bewegungsfreiheit. Dabei werden die Rotatorenmanschette und die anderen weichteiligen Strukturen der Schulter starken Belastungen ausgesetzt, was zu einer Rotatorenmanschettenruptur führen kann. Darüber hinaus gibt es Erkrankungen, die an anderen Gelenken nicht auftreten, wie etwa die Kalkschulter und die Frozen Shoulder.

Was sind Kalkschulter und Frozen Shoulder und welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Bei der Kalkschulter kommt es durch eine sogenannte Schulterenge, man spricht auch von Schulter-Impingement, lokal zu einer schlechten Durchblutung. Der Körper versucht, die Sehnen zu verstärken, und lagert dort deshalb Kalk ein. Damit verdickt sich die Sehne und drückt auf die anderen Sehnen und Schleimbeutel unter dem Schulterdach. Das Kalkdepot wird nach der Entzündungsphase vom Körper selbstständig wieder abgebaut, und die normale Beweglichkeit der Sehne wieder hergestellt. Leider kann man nicht genau sagen, wie lange die Selbstheilung, und damit die Schmerzen und Behinderungen, dauern. Man behandelt die Kalkschulter meist mit schmerzstillenden Medikamenten und gezielter Physiotherapie, um die Durchblutung und damit auch den Kalkabbau anzuregen. Die Symptome und die Behandlung der Frozen Schulter sind ähnlich. Es handelt sich dabei jedoch um eine Entzündung des Bindegewebes der Gelenkkapsel, die nicht durch Bakterien oder Viren, sondern durch Stoffwechselstörungen hervorgerufen wird.

Und wann spricht man von einer Rotatorenmanschettenruptur?

Als Rotatorenmanschette bezeichnet man eine Gruppe von Muskeln und Sehnen, die den Oberarmkopf in der Schultergelenkspfanne halten und die Bewegungen des Armes steuern. Dort kann es durch starke Belastung oder Abnutzung zu Rissen oder Teilrissen kommen. Bei der Behandlung stehen zunächst ebenfalls die Schmerzbeseitigung und die Physiotherapie im Vordergrund. Wenn damit innerhalb von sechs Wochen keine Verbesserung erzielt wird, empfiehlt sich eine minimalinvasive, arthroskopische Operation, bei der die Rotatorenmanschette genäht wird.

Was kann man vorbeugend gegen Schultererkrankungen tun?

Gegen die Abnutzung im Laufe des Lebens, eine genetische Veranlagung sowie Unfälle und Verletzungen, die zum Teil schon Jahre zurückliegen, kann man nichts tun. Aber eine gesunde Ernährung und ein moderates Training stärken Muskeln und Sehnen und fördern Stoffwechsel und Durchblutung. (Foto: Matthias Baumgartner/Interview: Doris Wiedemann)

Vortrag von Dr. Florian Döbereiner am Mittwoch, 26. Juni, um 19.30 Uhr im Ferdinand-Wagner-Saal in Schwabmünchen (Fuggerstraße 20). Der Eintritt ist frei.

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