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Landkreis Augsburg

07.04.2021

Schnee im April: Was der Wintereinbruch im Landkreis bedeutet

Auf dem Obsthof Zott in Ustersbach wird die Himbeere mit Vliesstoff gegen die Kälte geschützt.
Foto: Marcus Merk

Plus Der Winter ist gnadenlos zurück und bringt Schnee und Minusgrade. Welche Folgen der plötzliche Wetterumschwung für Landwirte, Gärtner und Autofahrer im Landkreis hat.

Glatte Straßen und schneebedeckte Felder - viele Menschen im Landkreis dürfte der plötzliche Wintereinbruch überrascht haben, waren doch die meisten schon auf Frühling eingestellt. Das Aprilwetter zeigt sich von seiner unbeständigsten Seite. Aber was bedeutet der Schnee für die neuen Gartenpflanzen, den ersten Spargel oder Autofahrer, die mit Sommerreifen unterwegs sind?

Thomas Haag vom Wörner-Gartencenter in Neusäß-Vogelsang sagt: "Etliche Kunden haben schon Kräuter und Gemüse rausgepflanzt." Mit Vlies, Tuch oder Folie abgedeckt könnten etwa Salat, Petersilie und Kohlrabi ein paar kalte Tage gut überleben. Zu Fehlern könne dagegen das aktuelle Sortiment vieler Läden führen. "Das Angebot in manchen Geschäften entspricht nicht der Jahreszeit", sagt Haag. Tomaten und viele Balkonpflanzen hätten draußen aktuell keine Überlebenschance: "Da sind selbst drei Grad plus zu wenig."

Bei Blumen kann die Stelle im Garten einen großen Unterschied machen. In der Nähe der Hauswand haben es die Pflanzen oft ein paar Grad wärmer als in einer exponierten Lage. Das reiche schon, um so manche Blume vor dem Erfrieren zu schützen, erklärt Haag. Im Notfall helfe auch hier Abdecken. "Am empfindlichsten ist die Blüte", sagt der Experte. Wenn nur die Blüte erfroren sei, ließe sich die Pflanze noch zurückschneiden.

Spargel gibt es im Landkreis Augsburg dieses Jahr später

Mit einer Folie abgedeckt ist auch der Spargel auf dem Hof von Josef Zott in Aretsried. Darunter ist der Spargel geschützt, erklärt der Landwirt. Dennoch sei der Boden heuer noch kalt, das Wachstum verzögere sich. Er werde dieses Jahr wohl etwa zwei Wochen später ernten als 2020. "Vor dem zwanzigsten April wird es nichts geben", schätzt Zott. Grund zur Sorge ist das nicht, denn die Qualität des Spargels bleibt. "Wenn es warm wird, wächst er wie immer", versichert der Landwirt.

Kälteempfindlicher als der Spargel sind viele Obstbäume. "Wir haben schon Frostschäden momentan", sagt Obstbauer Ulrich Zott aus Ustersbach. Noch würden sie sich in Grenzen halten. Wenn es länger kalt bleibe, werde das aber eine Herausforderung. Die Himbeeren packt Zott mit Vlies ein, bei Äpfeln und Birnen hilft die sogenannte Frostschutzberegnung: Mit Sprinklern wird regelmäßig Wasser über den Pflanzen versprüht. Das Wasser gefriert, dabei wird Energie und Wärme frei und schützt den Baum vor Frostschäden.

Bauernverband freut sich über Feuchtigkeit durch Schnee

Die Ernte verzögere sich durch den erneuten Kälteeinbruch nur um wenige Tage, sagt Ulrich Zott. Schlimmer wäre es, wenn es im Mai oder Juni nochmal richtige kalt würde. Der Landwirt war wenig überrascht von dem plötzlichen Wintereinbruch. Denn er sagt: "Nicht, dass es im April kalt wird, sondern, dass der Winter so warm ist, ist ungewöhnlich."

Für die Landwirte sieht Walter Schuler, Vize-Präsident des Bauernverbands, durch den Schneeeinbruch keine Nachteile. Ganz im Gegenteil: Über Schnee als eine Art Niederschlag freuen sich die Landwirte sogar. "Wir sind froh über alles, was uns Feuchtigkeit bringt. Die Boden sind immer noch zu trocken", erklärt Schuler. Auch der Frost sei kein Problem für Mais oder Zuckerrüben, da diese noch nicht aus dem Boden heraus gewachsen seien. Getreide halte es ebenfalls aus. Schuler erklärt, dass Landwirte Anfang April gewöhnlich noch mit Schnee rechnen.

Auf den Straßen ist die Glätte das Problem

Den Autofahrern bereitet der Schnee hingegen mehr Sorgen. "Dass es schneit, kommt öfter vor im April. Aber das auch Glätte und Kälte kommen, ist eher selten Fall", erklärt Hermann Müller vom Bauhof Schwabmünchen. Wegen der Glätte ist der Streudienst am Dienstagmorgen ausnahmsweise ausgerückt. Eigentlich endet der Bereitschaftsdienst am 1. April.

Den Einsatz empfand auch Müller als Ausnahme, obwohl er seit rund 20 Jahren beim Bauhof arbeitet. Obwohl der Winterdienst somit keine Saison mehr hat, gebe es "keine Engpässe beim Streusalz", sagt Müller. Davon sei immer genug da.

Für ein paar kalte Tage muss der Reifenwechsel nicht gleich rückgängig gemacht werden, sagt Enim Dere.
Foto: Marcus Merk (Archiv)

Glatte Straßen - ein Grund, von der alten Faustregel für Sommerreifen von Ostern bis Oktober abzuweichen? "Nein, das ist nicht nötig", sagt Enim Dere, Auszubildender beim Bobinger Reifenhändler Müller. Dere erklärt, dass einige Kunden den Wechsel auf Sommerreifen verschieben wollten, da sie der Schnee verunsicherte.

Da das schlechte Wetter aber voraussichtlich nur diese Woche andauere, würde sich das Terminverschieben oder gar die Montage von Winterreifen vom Aufwand her nicht lohnen, erklärt er. Weil gerade auch die typische Zeit für den Wechsel auf Sommerreifen ist, habe er sowieso erst in zwei Wochen wieder Termine frei.

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