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Schwabmünchen

29.07.2018

Schöpferische Unruhe an letzter Ruhestätte

Sie verstehen sich gut: Glasmalermeisterin Claudia Reining-Hopp und der Maler wie Bildhauer Manfred J. Nittbaur im Glasatelier in der Schützenstraße.
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Sie verstehen sich gut: Glasmalermeisterin Claudia Reining-Hopp und der Maler wie Bildhauer Manfred J. Nittbaur im Glasatelier in der Schützenstraße.
Bild: Günter Stauch

Die Kunstschaffenden Manfred J. Nittbaur und Claudia Reining-Hopp setzen an der Friedhofmauer in Schwabmünchen neue Akzente mit Glasmalerei.

„Es werde Licht! Und es ward Licht“: Zugegeben, solche Bibelstellen mögen manchem etwas aus der Zeit gefallen zu sein. Doch wer das von ihm förmlich durchflutete Glasatelier von Claudia Reining-Hopp betritt, kann sich über die natürliche Erleuchtung einfach nur freuen. Künstliche Quellen wie Tischlampen oder Deckenleuchten können ausgeschaltet bleiben. Kein Wunder, dass sich hier auch der Maler und Bildhauer Manfred J. Nittbaur wohlfühlt. Er zitiert gern die Dramatikerin Yasmina Reza, nach der es Aufgabe der Kunst sei, ein zusätzliches Licht auf das bisweilen trübselige Leben zu werfen. Das sind gute Voraussetzungen für das gemeinsame Projekt einer besonderen Glasmalkunst an der neuen Friedhofsmauer in Schwabmünchen. In diesen Tagen steht die Vollendung an.

Aus seiner Liebe zur Umwelt hat er nie einen Hehl gemacht

Nittbaur und Reining-Hopp – er Jahrgang 1949, sie 1959 – verstehen sich ausgezeichnet, und so kann auch die künstlerische Symbiose der zwei Kulturschaffenden in den vergangenen Jahren bezeichnet werden. „Wir kommen gut miteinander aus, und auf Claudia ist stets hundertprozentig Verlass“, schwärmt der für sein verschmitztes wie sympathisches Lächeln bekannte Wertinger von der Kollegin. Man kennt sich. Schon als Pfadfinder ging Nittbaur im Hause ihres Vaters und Kunstmalers Walter Hopp ein und aus, zumal Claudias Bruder Klaus ebenfalls gerne durch die Natur streifte. Aus seiner Liebe zur Umwelt hat der sich auch streitbar gebende Mann nie einen Hehl gemacht. So mischte er vor einigen Jahrzehnten etwa beim Widerstand gegen ein zweites Atomkraftwerk im Donauried mutig mit. Zu sehr lag dem Schwaben immer die Schöpfung am Herzen, wie damalige Werke aus seinen geschickten Händen im Ried unterstreichen.

Apropos: Unsere Entstehung zieht sich wie ein roter Faden durch die geballte Mal- und Glaskunst der beiden Freunde. Er entwirft und zeichnet die Motive aus der von ihm favorisierten wie verehrten Genesis, lässt Gottes Handeln an den sieben Tagen optisch lebendig werden. „Eine Punkt- und Strichdarstellung für einen Friedhof wäre mir zu banal erschienen.“ Sie setzt als Glasgestalterin mit Meistertitel das Ganze handwerklich in Szene. Nach komplexem wie präzisem Zuschnitt des Materials und aufwendiger „Fusing“-Arbeiten am bis zu 1500 Grad Celsius heißen Glasschmelzofen vermengen sich verschiedenfarbige Gläser zu einem grandiosen Gesamtbild. Da werden neben dem Licht Tag und Nacht geschaffen, das Himmelsgewölbe aufgespannt, Land, Wasser und Pflanzen in die Welt gesetzt. Die Schöpfungsgeschichte wird auf acht vertikal angeordneten, herrlich ausgearbeiteten Lichtbändern im Format 155 Zentimeter mal 45 Zentimeter dargestellt, die dann die vier Eingangstore des Friedhofs schmücken sollen. Gezeigt wird auch die Erschaffung der Meerestiere und Vögel, der Landtiere und schließlich des Menschen. Das allererste Paar namens Adam und Eva lassen genauso grüßen wie die einst verhängnisvolle Apfelmahlzeit.

Mit beiden Beinen auf dem rauen Pflaster der Realität

Ein musikalischer Leckerbissen wie das feierliche „Oratorium“ von Joseph Haydns „Schöpfung“ diente Nittbaur, der zusätzlich Theologie studierte und als äußerst bibelfest gilt, der Inspiration wie der Motivation während der ganzen gestalterischen Arbeit. „Eine fantastische Untermalung“, betont der Absolvent der Akademie der Bildenden Künste im Nachhinein. Doch der Feingeist wusste schon immer mit beiden Beinen fest auf dem rauen Pflaster der Realität zu stehen. Vor zwei Jahren hatte ihn der Stadtbaumeister der Wertachgemeinde aufgesucht und schließlich den streng prüfenden Stadtrat im Wettbewerb um die beste Kunst am Friedhof bald hinter sich versammelt. Von dort erhielt der Liebhaber farbiger Gläser auch den Auftrag, mit einer rund einen Meter großen Scheibe und dem darauf skizzierten Motiv an die am 4. März 1945 durch Bomben zerstörte Pfarrkirche St. Michael zu erinnern. Die Glaswerke der beiden Wertinger werden nachts mittels LED-Systemen zum Leben erweckt – es werde Licht.

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