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Hiltenfingen

27.07.2020

Schwabens erster zertifizierter Naturgarten: Zu Besuch bei Familie Herbold

Joachim Herbold und seine Ehefrau Juliane Bopp-Herbold fühlen sich in ihrem Garten zwischen ihren Beerensträuchern und Gemüsebeeten sichtlich wohl.
Bild: Hieronymus Schneider

Plus Der erste in Schwaben zertifizierte Naturgarten befindet sich in Hiltenfingen. Was das Grundstück von Familie Herbold so besonders macht.

Der Garten von Joachim Herbold und Juliane Bopp-Herbold in der Rosenstraße ist etwas Besonderes: Er erfüllt alle Kriterien, die die Bayerische Landesanstalt für Wein- und Gartenbau für einen Naturgarten herausgearbeitet hat. Das Geheimrezept: „Im Wesentlichen haben wir den Garten mit dem alten Baumbestand so belassen, wie wir ihn vor 24 Jahren übernommen haben“, sagt Joachim Herbold.

Blumeninseln und Sträucher

Mithilfe des Hiltenfinger Obst- und Gartenbauvereins wurden die etwas verwilderten Obstbäume und die Thuja-Hecke wieder durch Rückschnitt in Form gebracht. Blumeninseln und Sträucher bieten Lebensräume für Insekten, und es dürfen sich auch Wildkräuter und Brennnesseln breitmachen. In den mit Nistkästen bestückten Laubbäumen haben Buntspechte, Klaiber und ein Kuckuck ihren Aufenthalt. Igel finden in „wilden Ecken“ genügend Verstecke für ihren Winterschlaf.

An drei Kompoststellen wird neuer Humus für den Gemüsegarten produziert. Beerensträucher grenzen die Beete von der Grünfläche ab, die nicht jede Woche gemäht werden muss. Schließlich ist der Garten ja auch ein Lebensraum für die Menschen, die von ihm durch Nahrungsmittel leben und die frisch geerntet so ganz anders schmecken als nach Reifung in Containern auf langen Lieferwegen. Und der Mensch lebt im Garten mit Leib und Seele auf, findet dort Ruhe und Erholung.

Bäume und Sträucher bieten Lebensräume für Vögel und Insekten.
Bild: Schneider

Kein Dünger und kein Torf im Garten in Hiltenfingen

Die archaische Arbeit mit dem Boden, der Früchte hervorbringt, erfüllt den Gärtner bei aller Mühe mit Glück und Zufriedenheit. Nicht umsonst wird das Paradies in allen Religionen als ein Garten beschrieben. Bedingungen für die Zertifizierung sind auch der Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel und chemisch-synthetische Dünger. Auch torfhaltige Substrate dürfen nicht zur Bodenverbesserung eingesetzt werden, weil der Torfabbau selten gewordene Moorlandschaften zerstört und lange Transportwege mit sich bringt. Zudem seien kalkhaltige Böden der falsche Standort für Moorbeetpflanzen.

Die Nutzung von Regenwasser und sparsame Bewässerung durch Mulchen gehören ebenso wie die Kompostierung zu den Bedingungen für einen Naturgarten. „Auf die hohe ökologische Vielfalt der Lebensräume kommt es ebenso an, wie auf die Bewirtschaftung durch die Nutzer“, sagte Wolfram Vaitl, der Präsident des Bayerischen Landesverbandes für Gartenbau und Landespflege, bei der Verleihung der Plakette an das Ehepaar Herbold.

Die Plakette soll ein Ansporn sein

Wer seinen Garten als Naturgarten zertifizieren lassen möchte, kann sich online dafür bewerben. Mitglieder von Kleingartenanlagen können sich über die Homepage des Landesverbandes der Bayerischen Kleingärtner anmelden. Die Teilnahme kostet 60 Euro. Mitglieder von Obst- und Gartenbauvereinen oder Kleingartenanlagen zahlen 40 Euro. Mit dem Zertifizierungsverfahren gehen eine Besichtigung des Gartens und eine umfassende Beratung des Gartenbesitzers einher. Die Plakette „Naturgarten“ soll ein Ansporn sein, damit Bayern blüht, erklärte die stellvertretende Landrätin Sabine Grünwald.

Hier gibt's mehr Infos zu Auszeichnungen

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