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Schwabmünchen
29.10.2019

Schwabmünchner Modehaus Weckmer schließt nach 132 Jahren

Eine typische Schaufensterdekoration aus den 1950er Jahren.
Foto: Archiv Weckmer

Das Modehaus Weckmer in Schwabmünchen schließt zum Jahresende nach 132 Jahren. Was die Gründe dafür sind und was das Inhaber-Ehepaar in der Zukunft plant.

Schluss, aus, vorbei: Nach 132 Jahren schließt das Schwabmünchner Modehaus Weckmer zum Jahresende für immer. Generationen von Schwabmünchnern kauften dort Stoffe, Handtücher, Jeanshosen, Blazer, Hemden, Blusen, Jacken und alles, was die Modewelt sonst noch zu bieten hat.

Einst startete der Laden im späten 19. Jahrhundert als „Schnitt-, Weiß-, Woll- und Kurzwarengeschäft“ auf dem Gelände des heutigen Eiscafé Venezia (ehemals Nusser). Wenige Jahre später wurde das Geschäft in der Ferdinand-Wagner–Straße oberhalb des Schrannenplatzes gebaut. Dort hatte es mehr als 100 Jahre seinen Sitz, wurde immer wieder umgebaut und erweitert. Der Umzug in die Fuggerstraße, wo das Modegeschäft aktuell untergebracht ist, erfolgte erst 2010. Im kommenden Jahr 2020 wird es das Modehaus nicht mehr geben. Der gewohnte Schriftzug verschwindet aus der Schwabmünchner Innenstadt. Fünf Generationen einer Familien haben dort gearbeitet.

Ist der Internethandel Schuld am Aus des Modehauses? „Nein, der hat das Geschäft zwar nicht einfacher gemacht, aber wir hatten immer einen treuen Kundenstamm“, sagt Gudrun Weckmer, die das Modehaus seit 1980 zusammen mit ihrem Mann Karl Georg betreibt.

Die Weckmers gehen in Rente

Der Grund für die Geschäftsausgabe ist simpel: Die Weckmers gehen in Rente. Gudrun Weckmer ist 65 Jahre alt, Karl Georg 66. „Da darf man mal einen Gang runter schalten. Wir stehen seit 50 Jahren im Berufsleben“, sagt sie und wirkt fast erleichtert. Allzu schwer falle ihnen der Abschied nicht, da sie viel Zeit gehabt hätten, sich an den Gedanken zu gewöhnen. Sohn Philipp Weckmer, der das Geschäft einst übernehmen wollte, hatte sich bereits vor mehr als zehn Jahren schließlich doch dagegen entschieden und sich beruflich umorientiert. Der Zeitpunkt der Schließung ist auch für die aktuell sieben Mitarbeiter passend: „Viele gehen jetzt mit uns in den Ruhestand und die Jüngeren haben bereits Ersatz gefunden“, sagt Gudrun Weckmer. Nur für die Kunden tue es ihnen Leid: „Viele sind sehr unglücklich über die Schließung. Aber wir freuen uns darauf, dass das Leben etwas ruhiger wird“, sagt die Geschäftsfrau.

Gudrun und Karl-Georg Weckmer führten das Geschäft seit 1980, zuletzt in der Fuggerstraße.
Foto: Carmen Janzen

Ganz so ruhig wird es dann aber doch nicht: Ihr Mann will sein Steckenpferd, die Gardinen- und Sonnenschutzabteilung, die seit dem Umzug in die Fuggerstraße im Möbelhaus Bruckner untergebracht ist, weiter führen. „Man kann einen Beruf aufgeben, aber keine Berufung“, sagt Karl Georg Weckmer. Ganz ohne Arbeit gehe es eben doch nicht, meint er.

Im Ruhestand will das Ehepaar jedenfalls viel auf Reisen gehen, das ist der Plan. Was aus den Geschäftsräumen in der Fuggerstraße wird, ist unklar. Die Weckmers haben den Laden gemietet und wer dort künftig einzieht, ist noch nicht bekannt.

Geöffnet ist das Modehaus Weckmer noch bis längstens 22. Dezember, montags bis freitags von 9 bis 13 und 14 bis 18 Uhr sowie samstags von 9 bis 13 Uhr (am langen Samstag bis 16 Uhr) geöffnet. Im Räumungsverkauf gibt es derzeit viele Rabattaktionen.

Die Chronik

September 1887: Katharina Wägele aus Geiselhöring eröffnet in Schwabmünchen ein Schnitt-, Weiß-, Woll- und Kurzwarengeschäft auf dem Anwesen des heutigen Café Nusser.

1889: Heirat mit dem Kaufmann Karl Theodor Weckmer aus Aalen

1892: Bau des neuen Geschäftshauses in Schwabmünchen an der Ferdinand-Wagner-Straße 10

1932: Zukauf der ehemaligen Schlosserei von Wilhelm Mayr soll

Erweiterung der Geschäftsräume ermöglichen. Die Kriegswirren verhindern das Vorhaben.

1945: Das Haus wird ein Opfer des Bombenangriffs, jedoch kann das eigentliche Stammhaus vor der Vernichtung gerettet werden.

1947/48: Wiederaufbau der ehemaligen Schlosserei und Verbindung mit den bestehenden Geschäftsräumen

1949: Neueröffnung mit einer Herren-und Damenkonfektionsabteilung

1951: Filiale in Bobingen eröffnet

1962: Eröffnung der durch Neubau erweiterten Geschäftsräume in Schwabmünchen

So sah früher das Firmengebäude des Modehauses in der Ferdinand-Wagner-Straße aus, das Bild entstand 1962. Im Jahr 1990 erfolgte dann ein Neu- und Umbau.
Foto: Archiv Weckmer


1980: Umbau der Heimtextilabteilung zu einer großen Fachabteilung für moderne Raumgestaltung.

1982: Eröffnung der Teppichabteilung

1990: Neu- und Umbau verleiht dem Haus sein heutiges Aussehen.

2010: Umzug in die Fuggerstraße, Verkauf des alten Gebäudes in der Ferdinand-Wagner-Straße

2019: Räumungsverkauf und Schließung.

Der Einzelhandel hat es schwer

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