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Schwabmünchen
06.03.2020

So wird in Schwabmünchen diese Woche rund um die Uhr gebetet

Eine Schulklasse beteiligt sich an der Gebetswoche in der Unterkirche der Schwabmünchner Stadtpfarrkirche Sankt Michael.
Foto: Piet Bosse

Singen, beten, inne halten: Während der Gebetswoche in Schwabmünchen können Gläubige derzeit in der Stadtpfarrkirche zur Ruhe kommen. Ein Besuch.

Still sitzen die Fünftklässler in der Unterkirche der Stadtpfarrkirche Sankt Michael und lauschen einer Geschichte. Statt Mathe zu pauken oder Geschichtszahlen auswendig zu lernen, steht heute etwas anderes auf dem Stundenplan: die Begegnung mit Gott.

Dafür nehmen die Schüler an der Schwabmünchner Gebetswoche teil. Im Rahmen des Angebots wird eine Woche lang rund um die Uhr in der Unterkirche der Stadtpfarrkirche gebetet. Die Idee dahinter: Wie bei einer Art Staffellauf wird das Gebet von Gläubigen weiter getragen. Jeder kann mitmachen und eine oder zwei Stunden gestalten – egal, welcher Konfession er ist oder welchen religiösem Hintergrund er hat.

Schwabmünchen: Private Gläubige, Familien, Schulklassen, Kindergartengruppen und Chöre machen mit

An dem Angebot beteiligen sich private Gläubige, Familien, Schulklassen, Kindergartengruppen und Chöre. Wer das Gebet nicht selbst gestalten möchte, kann einfach nur zuhören und zur Ruhe kommen. „Die Türen sind eine Woche rund um die Uhr geöffnet“, sagt Stadtpfarrer Christoph Leutgäb. Ein entsprechender Gebetsplan hängt in der Kirche aus. In der Zeit der Unverbindlichkeiten sei es schwierig, alle Schichten zu füllen, aber bislang laufe es gut, so Leutgäb. Insgesamt sind 203 Stunden zu füllen.

An den Seiten des Kirchenschiffs von Sankt Michael in Schwabmünchen wachsen die Gerüste in die Höhe.
Foto: Daniel Weber

Einige Lücken gibt es noch. Für den Rest der Zeit haben sich Freiwillige gefunden, die eine Gebetsschicht übernehmen. Wie sie ihre Zeit gestalten, ist ihnen selbst überlassen. Teilnehmer können aus der Bibel vorlesen, einen Rosenkranz oder frei beten. Es können Lieder gesungen werden. „Es darf auch getanzt werden“, sagt Leutgäb. „Jeder darf seine Zeit so gestalten, wie er selbst am besten beten kann.“ Grundgedanke sei, in der Gegenwart Gottes zu verweilen. Auf eines weist Leutgäb aber auch hin: Wer eine Gebetsschicht übernimmt, sollte pünktlich da sein, damit ein fließender Übergang entsteht.

Gedenkwoche wurde wegen Bombenangriff ins Leben gerufen

Die diesjährige Gebetswoche begann am Mittwoch, 4. März – dem Tag, an dem vor 75 Jahren Bomben auf Schwabmünchen fielen. Bei dem Fliegerangriff verloren 61 Menschen ihr Leben. Es gab dutzende Verletzte. Die Stadtpfarrkirche wurde fast vollständig zerstört. Der 4. März 1945 war ein Sonntag, um 10.30 Uhr sollte eine Messe stattfinden. Doch sie fiel aus, weil die Sirenen heulten, erinnert sich Zeitzeuge Josef Wehringer. Er sollte damals ministrieren, doch kurz nach dem Alarm lag das Schwabmünchner Gotteshaus in Schutt und Asche.

In Gedenken an die Bombardierung wurde die Gebetswoche ins Leben gerufen. Die Idee dazu hatte Pfarrer Christoph Leutgäb vor fünf Jahren. Der Fliegerangriff jährte sich damals zum 70. Mal. Ein Festakt erschien Leutgäb zu wenig. „Wir wollten die Kirche mit dem füllen, wofür sie gebaut wurde – mit geistlichem Leben“, sagt Leutgäb. Die Kirche als Ort der Gottesbegegnung sollte erfahrbar sein. So organisierten die Verantwortlichen des Pfarrgemeinderates die Gebetswoche. Inzwischen findet sie zum dritten Mal statt. Gefeiert wird dabei auch der Wiederaufbau der Stadtpfarrkirche. Innerhalb von fünf Jahren hatten Schwabmünchner Freiwillige das zerbombte Gotteshaus wieder errichtet. Am 12. März 1950 wurde es von Bischof Josef Freundorfer eingeweiht. Auch das soll zum Abschluss der Gebetswoche gefeiert werden. So findet ein Festgottesdienst am Donnerstag, 12. März, um 19 Uhr statt. Wie vor 70 Jahren wird mit Florian Wörner ein Weihbischof dabei sein.

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