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Bobingen

19.05.2015

Schwimmender Kies für einen scheuen Vogel

Mit dem Motorboot wurde das Brutfloss zu seinem Verankerungsplatz gezogen.
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Mit dem Motorboot wurde das Brutfloss zu seinem Verankerungsplatz gezogen.

Auf der Wertach bei Bobingen lockt ein Floß seltene Flussseeschwalben an. Es ist ein Experiment, das Folgen haben könnte.

 Von Sportlern und Erholungssuchenden wird oft bedauert, dass die Wasserfläche des Stausees zwischen Bobingen und Inningen nicht für die allgemeine Nutzung freigegeben ist. Das kann nun einem seltenen Vogel zugute kommen. Nach positiven Erfahrungen an der Iller bei Lautrach haben die Bayerischen Elektrizitätswerke (BEW) zusammen mit dem Landesverband für Vogelschutz dort – an geschützter Stelle – ein Floß verankert, welches allein den scheuen Flussseeschwalben vorbehalten sein soll.

Vogelschützer wollen diese Schwalben hier wieder ansiedeln. „In Bayern ist die Flussseeschwalbe tatsächlich sehr selten“, sagt Dr. Martin Trapp, Vorsitzender des Landesverbandes für Vogelschutz im Kreis Augsburg. 1918 habe es noch 150 bis 200 Brutpaare gegeben. 1979 seien am Weitmannsee die letzten vier Vögel gesichtet worden. „Seither ist die Flussseeschwalbe im Raum Augsburg nicht mehr heimisch“, sagt Trapp. Der Grund liege in der Veränderung des Lebensraums: Der Vogel benötigt zum Brüten offene, unbewachsene und störungsarme Kiesinseln, die nicht überschwemmt werden. Diese sind selten geworden. Abhilfe schaffen hier Brutflöße, die den Tieren genau diesen Lebensraum bieten.

Hintergrund: Flussseeschwalben aus dem Alpenvorland verlassen demnächst wieder ältere Populationen auf der Suche nach einem eigenen Brutplatz. An der Iller haben sie bereist vor einigen Jahren eine neue Population gegründet. Das soll nun auch bei Bobingen gelingen. Vogelschützer warten gespannt auf das erste Paar.

Die Hoffnung sei groß, dass dies gelänge, sagt Dr. Martin Trapp. Durch die fehlende Freizeitnutzung auf dem Wasser sei der Stausee bestens geeignet, um eine neue Heimat für diese Flugkünstler zu werden. Und auch das Floßangebot sei wohlüberlegt: „Es schwimmt und wird deshalb bei Hochwasser nicht überschwemmt, wird mit Halteketten fest verankert und bietet mit seinem offenen Kiesbett eine ideale Brutfläche mitten auf dem Wasser“, zählt Dr. Martin Trapp auf. Gitter schützen die Brut vor anschwimmenden Ratten und unter einem großen Wurzelstock könnten sich junge Schwalben vor Raubvögeln verstecken. Ralf Klocke von der BEW freut sich, ein Projekt wie das Brutfloß für die Flussseeschwalbe unterstützen zu können. „Wir wollen die Wasserkraftnutzung und den Naturraum miteinander verbinden“, erklärte er. „Hier um den Stausee gibt es noch viel Potenzial.“ Doch auch anderswo sieht die BEW noch Chancen: „Wenn das Projekt hier Erfolg hat, wollen wir es bei ähnlichen geografischen Gegebenheiten wiederholen.“ Und wenn sich viele Brutpaar einfinden sollten, werde auf der großen Stauseeinsel bei Bobingen auch ein eigener Uferstreifen für die Flussseeschwalbe freigehalten. Die Kosten für das Vorhaben betragen rund 6000 Euro. Finanziert wird das Projekt durch den Fördertopf für Öko-Projekte der Lechwerke (LEW). In den vergangenen Jahren wurden zum Beispiel Nistkästen für Fledermäuse oder Wasseramseln an den Wasserkraftwerksgebäuden der BEW angebracht. "Region Augsburg Seite 33

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