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Gymnasium

13.11.2012

Seine Lehre aus der DDR: „Nutzt euer Wahlrecht“

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Machten sich für die Ausstellung stark: (von links) Geschichtslehrer Martin Richter, Kuturbüroleiterin Ursula Off-Melcher und Zeitzeuge Konrad Felber aus Dresden.

Zeitzeuge spricht vor Schülern über den Einsatz der Staatssicherheit gegen die eigenen Bürger

Königsbrunn Die Chance auf einen nachhaltigen Unterricht in Zeitgeschichte und Politik haben für die zwei kommenden Wochen die Schüler des Gymnasiums Königsbrunn. Konrad Felber, Leiter der Dresdner Außenstelle der Bundesbehörde für Staatsicherheitsunterlagen der ehemaligen DDR (BStU), eröffnete dort die Ausstellungen „Stasi Ohn(e)Macht“ und „Die heile Welt der Diktatur“.

Mit vier weiteren Ausstellungen im Rathaus, der Realschule und den beiden Mittelschulen sind diese unter dem Obertitel „Wir sind das Volk“ vom Team des Kulturbüros unter Leitung von Ursula Off-Melcher nach Königsbrunn geholt worden. Felber hatte bereits zur Eröffnung im Rathaus einen Vortrag zum Thema „Die Fahrt in die Freiheit“ gehalten (wir berichteten). Hier in der Schule war es ihm ein Anliegen, jungen Menschen davon zu erzählen, was es hieß, in der DDR aufzuwachsen, welch strengem Überwachungsapparat man ausgesetzt gewesen sei.

Dabei machte er den Jugendlichen deutlich, dass viele Rechte wie Meinungsfreiheit und freie Wahlen und vor allem der Schutz der Intimsphäre kein selbstverständliches – und vor allem ein zu schützendes – Gut seien. Der Zeitzeuge sprach die Schüler direkt an: „Bitte nehmen Sie immer ihr Wahlrecht in Anspruch! Nutzen Sie ihre Möglichkeiten, Demokratie mitzugestalten!“

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Felber berichtete, wie akribisch die Staatsführung der DDR in ihrer Erziehungsarbeit schon bei ihren jüngsten Bürgern in Kindergarten und Schule vorging. Er erzählte aber auch, wie schnell man in der DDR unschuldig inhaftiert wurde, sobald man nur Fragen stellte oder nicht mitmachte im System. Die etwa 120 Zehntklässler lauschten auffallend aufmerksam über eine Stunde einen Ausführungen.

Eine beliebte Methode der Kontrolle sei in der DDR gewesen, den Berufs- oder Studienwunsch zu beschneiden oder junge Männer während ihrer Armeezeit an den Grenzstreifen zu versetzen – besonders wenn sie Westkontakte hatten.

Schlimm sei auch die gegenseitige Bespitzelung gewesen, zu der die Stasi bereits Schüler anzuheuern versuchte. „Mit Mitteln der Angst hat man systematisch eingeschüchtert oder versucht, den Willen zu brechen.“ Die Folge davon waren laut Felber – neben Tausenden von Inhaftierten oder den Toten an der innerdeutschen Grenze – auch viele seelische Krüppel.

Manche Methoden des DDR-Überwachungsstaates seinen nur schwer vorstellbar, räumte Felber ein – etwa die Tausenden Geruchsproben von Bürgern, konserviert in Einweckgläsern. Oder die Gießkanne auf dem Friedhof, die im doppelten Boden eine Kamera barg, damit man vermeintlich konspirative Treffen dokumentieren konnte.

Mark Schanz war froh, dass er auch als Neuntklässler an der Veranstaltung teilnehmen konnte: „Ich war privat mit meinen Eltern schon in Berlin – das nächste Mal gehe ich sicher ganz anders durch die Ausstellungen zur Zeitgeschichte!“

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