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14.05.2018

Seit 150 Jahren ein Ort der Ruhe und Einkehr

Ustersbacher Bürger errichteten 1893 die Mariengrotte. Festprediger zum 125-jährigen Bestehen war Diakon Dominik Loy.
Bild: Siegfried P. Rupprecht

Jubiläum Mariengrotte in Ustersbach bewegt die Gläubigen. Der neue Diakon Dominik Loy hält die Festpredigt und spricht über Heimat

Ustersbach Die Mariengrotte liegt eindrucksvoll in einem Eichenhain, nur ein paar Gehminuten von der Kirche Sankt Fridolin entfernt. Für viele Menschen ist sie aber nicht allein ein Ort des Gebets und der stillen Andacht. Sie ist mit ihren Schatten spendenden Bäumen auch ein Sinnbild für Ruhe, geistigen Rückzug und Ausgleich zum Alltag. Umgeben ist sie von Kreuzwegstationen und der Figur des ruhenden Christus. Doch diese sind zu Sanierungszwecken abgebaut. So fand der Festgottesdienst zum 125-jährigen Bestehen der Grotte heuer ohne die begleitenden denkmalgeschützten Kunstwerke statt.

Festprediger Dominik Loy, der erst eine Woche zuvor vom Augsburger Bischof Konrad Zdarsa zum Diakon geweiht wurde, ging explizit auf die Namensgeberin der Felsenhöhle ein. „Damit wir der Mutter- gottes nah sein können, gibt es diese Grotte“, machte er aufmerksam.

Signal zum Bau der Mariengrotte war 1881 die Wallfahrt von Diakon Pius Kriener und dem damaligen Ustersbacher Bürgermeister Matthäus Mozet zur Grotte in Lourdes. In der südfranzösischen Stadt sah 1858 die heilige Bernadette die Muttergottes. Die Honoratioren kamen von der Pilgerfahrt beeindruckt zurück und ermunterten die Gemeindebewohner zur Erstellung einer Grotte.

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Die Idee zu einem solchen Bau war zu jener Zeit nicht neu. In Bayern hatte gegen Ende des vorletzten Jahrhunderts ein regelrechter Boom eingesetzt, Lourdesgrotten in den verschiedensten Formen auf Kirchhöfen, am Feldrand oder im Wald zu errichten. Von dem allgemeinen Trend beeinflusst und den Honoratioren unterstützt, fiel der Plan in Ustersbach schnell auf fruchtbaren Boden. Die Gemeinde beteiligte sich an der Verwirklichung des Bauwerks mit der Überlassung eines Bauplatzes gegen eine Bezahlung von 20 Mark. Der Standort, fern von öffentlichen Wegen gelegen, war eine sogenannte Ödung. Sie diente zuvor lediglich als Schafweide. In einer Beschlussfassung der Gemeinde vom 21. August 1892 hieß es: Die Kommune gestatte der örtlichen Kirchenstiftung, vorbehaltlich des Eigentumsrechts für alle Zeiten, auf dem Gemeindegrund eine Lourdesgrotte zu errichten.

Im Oktober 1892 wurde ein Situationsplan erstellt. Pfarrer Pius Kriener fungierte als Bauherr. Am 10. Mai des darauffolgenden Jahres erteilte das königliche Bezirksamt in Zusmarshausen die Genehmigung. Darin wurde festgehalten, dass der Bau „mehr als 437 Meter vom Wald entfernt zu stehen kommt“. „Die Erlangung der Erlaubnis war allerdings mit vielen Schwierigkeiten verbunden“, vermerkte der Geistliche, ohne allerdings näher auf sie einzugehen. Mit der Ausführung wurde ein Maurermeister in Ziemetshausen beauftragt.

Der Startschuss löste bei den Pfarrangehörigen große Freude aus. „Alle wetteiferten miteinander in unentgeltlicher Leistung, in Hand- und Spanndiensten sowie in ansehnlichen Geldopfern“, berichtete Pius Kriener in einem Schreiben. Die größten finanziellen Gaben in Höhe von 1300 und 200 Mark stammten von zwei ortsansässigen Frauen. Großes Engagement beim Grottenbau habe vor allem Kirchenpfleger Caspar Schmid an den Tag gelegt, so der Pfarrer weiter. Eingeweiht wurde das Bauwerk schließlich an Mariä Himmelfahrt 1893 von Pius Kriener. Dazu kamen, so die Chronik, „mehrere Tausend Gläubige“.

Bei Weitem nicht so viele Besucher beehrten den jetzigen Festgottesdienst, instrumental unterstützt von einer Bläsergruppe. Dennoch war der Platz vor der Grotte sehr gut gefüllt. Diakon Dominik Loy warf in seiner Predigt die Frage auf, was Heimat sei. „Heimat sind neben Orten und Landschaften vor allem die Menschen, Familien und Eltern“, betonte er. „Um der Heimat, die die Muttergottes uns schenkt, einen Ort zu geben, hat man diese Grotte gebaut – unter dem Eindruck der Marienerscheinungen in Lourdes.“ Die Eucharistiefeier zelebrierte der ehemalige Ortsgeistliche und jetzige Domkapitular Michael Kreuzer.

Zurück zur Geschichte. 1907 wurden die Kreuzwegstationen aus dem Jahr 1888 vom Kirchberg Sankt Fridolin zur Grotte umgesiedelt. 1910 erfolgten die erste Renovierung und der Bau des Felsengewölbes, 1993 zur Hundertjahrfeier eine weitere Sanierung der Mariengrotte.

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