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Großaitingen

07.03.2017

Seit 60 Jahren ohne Instrument im Musikverein

Sie sind schon ein Jahr nach der Gründung in den Musikverein eingetreten: Hubert Harrand (links) und der Vereinswirt Alois Weis.
Bild: Hieronymus Schneider

Dem „wichtigsten Kulturträger“ Großaitingens drückt so mancher Schuh.

Beim 60. Jubiläum im November wurden die noch lebenden fünf Gründungsmitglieder des Musikvereins Großaitingen geehrt. Nun waren zwei Männer an der Reihe, die im Jahr nach der Gründung in den Musikverein eintraten, aber nie in der Kapelle mitspielten.

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Hubert Harrand fühlte sich im Januar 1957 zum Musikverein hingezogen, weil er zum Tanzen gehen wollte. „Damals war im Dorf nur durch die Musikkapelle was los, die auf mehreren Faschingsbällen spielte und zum Schwarz-Weiß-Ball durften nur Vereinsmitglieder kommen“, erinnert sich der 78-Jährige. Obwohl er selbst kein Instrument spielte, hatte die Musik immer eine große Bedeutung in seinem Leben. Seine Ehefrau, die Kinder und jetzt die Enkel pflegen die Hausmusik, und zum Dorfleben gehöre eine Musikkapelle unbedingt dazu, sagt er. Deshalb war Harrand in all den Jahren auch bei fast allen Festen des Musikvereins dabei.

Es fehlte an Zeit - und am Geld

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Auch Alois Weis hätte gerne ein Musikinstrument erlernt, aber als Wirtssohn fehlte es ihm an der nötigen Zeit – und auch am Geld. „Die Eltern haben es mir nicht erlaubt, weil ich abends in der Gastwirtschaft arbeiten musste und weil die Instrumente teuer waren“, blickt der heute 80-Jährige zurück. Aber die Musiker kamen später zu ihm. Als das Gründungslokal beim Klaiberwirt geschlossen wurde, kehrten die Musiker nach den Proben in seinem Gasthaus Zum Grünen Kranz ein. Als langjähriger Vereinswirt war Alois Weis daher immer mit der Musikkapelle vertraut und hat alle Feste mitgefeiert, aber auch so manche Woge geglättet.

In der ersten Jahreshauptversammlung nach dem 60. Jubiläum des Musikvereins konnte Vorsitzender Ernst Stauderer somit voller Überzeugung sagen, dass „der wichtigste Kulturträger im Ort gut dasteht“. Mit 62 aktiven Musikern, davon 35 in der Stamm- und 27 in der Jugendkapelle ist der Verein in der Lage, alle kirchlichen, Vereins- und Gemeindeveranstaltungen musikalisch zu begleiten. Mit den unterstützenden passiven Mitgliedern zählt der Verein 344 Personen.

Die Zusammenarbeit mit der Bläserklasse verbessern

Die Förderung des Nachwuchses sei laut Stauderer ein besonderer Verdienst des Dirigenten Rudi Seitz. Der berichtete von 22 Auftritten der Stammkapelle und von sieben des Jugendorchesters. Zweimal wurde das Jugendensemble schon in die große Kapelle bei öffentlichen Konzerten integriert. Sorgen bereitet dem Dirigenten aber, dass trotz Anwerbung in der Schule seit drei Jahren keine Kinder mehr neu zur Jugendkapelle gekommen sind. Seitz will hier die Zusammenarbeit mit der Bläserklasse der Grund- und Mittelschule verbessern.

Kassiererin Andrea Mayr berichtete von größeren Investitionen in eine neue Heizung im Musikerheim und in die Anschaffung neuer Jacken für die Musiker. Darüber hinaus wurde das Vereinsvermögen durch die Umsatzsteuerbelastung um etwa 5000 Euro geschmälert. Stauderer drückt aber noch an anderer Stelle der Schuh. Die Musiker waren heilfroh, den zu klein gewordenen Probenraum im Keller gegen das geräumigere Dachgeschoss der Schulturnhalle eintauschen zu können. Nun hat aber die Schulleitung diesen Platz für die Schule beansprucht. Ein Grund dafür sei für Stauderer nicht erkennbar und eine Doppelnutzung nicht akzeptabel, da die Musikinstrumente nicht ständig weggeräumt werden könnten. Er appellierte deshalb an den stellvertretenden Bürgermeister Anton Burkhard um eine verbindliche Zusage der Gemeinde.

Ehrungen: Die Urkunde für 25-jährige Mitgliedschaft wurde bei der Versammlung an Alfred Reiter ausgehändigt. Weitere Ehrungen in Abwesenheit: für 25 Jahre Otto Klein; für 60 Jahre Hermann Haugg und Hermann Wolf.

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