1. Startseite
  2. Lokales (Schwabmünchen)
  3. Selbst gebaute Räder für die extremen Touren

Klosterlechfeld

09.08.2019

Selbst gebaute Räder für die extremen Touren

Der Keller von Wolfgang Raml. Hier baut der Klosterlechfelder die Fahrräder für seine Extremtouren zusammen.
Bild: Marcus Merk

Plus Wolfgang Raml aus Klosterlechfeld schraubt in seinem Keller Fahrräder für seine Extremtouren zusammen. Doch so langsam wird es eng.

Wer das Reich von Wolfgang Raml betritt, muss zunächst durch eine Tür, die mit Startnummern vollgepflastert ist. Erinnerungen an Rennen und Rundfahrten, die der 56-Jährige in den letzten Jahren gemacht hat. Das Reich ist nicht groß – vielleicht zwölf oder 15 Quadratmeter. So genau weiß das der Lehrer aus Klosterlechfeld auch nicht. Doch auf diesem knappen Raum sind acht Rennräder untergebracht. Hinzu kommen noch unzählige Werkzeuge, Reifen, Räder, Gabeln, jede Menge andere Ersatzteile und ein großer Fahrrad-Montageständer, an dem ein gerade mal 800 Gramm leichter Carbonrahmen hängt. Das neueste Projekt des 56-Jährigen, der die Räder für seine Extremtouren, die auch mal über 48 Stunden gehen können, alle selber zusammenbaut.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Trotzdem wirkt es nicht eng in dem Kellerabteil des Klosterlechfelder Mehrfamilienhauses. „Alles eine Frage der Organisation“, sagt Wolfgang Raml und lacht. Er weiß genau, wo was liegt und kommt so auch mit dem knappen Platz klar.

Zwei bis drei neue Fahrräder pro Jahr

Zwei bis drei Fahrräder baut er sich im Jahr zusammen. Neben den Rennrädern im Keller hat er noch vier Tandems, Mountainbikes und weitere Rennräder in anderen Kellerräumen untergebracht. Wieviel es genau sind? „15 oder 16 – ich hab aufgehört zu zählen“, sagt der 56-Jährige und lacht: „Meine Frau hofft schon, dass es bald mal ein paar weniger werden, aber ich hänge halt an den Rädern.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Da kann man sich schlecht von trennen, wenn man es selber zusammengeschraubt hat.“ Auch der Wert der Räder lasse sich nur schwer schätzen: „Aber eine sechsstellige Summe ist das insgesamt schon“, so Wolfgang Raml.

Nur italienische Wertarbeit

In seine Werkstatt kommt fast ausschließlich italienische Wertarbeit: die Rahmen stammen von der Firma Basso, die Schaltung von Campagnolo. Die Teile sind etwas teurer als die Rahmen und Schaltungen, die in Massen in Asien hergestellt werden, aber Wolfgang Raml ist fest davon überzeugt, dass sie ihr Geld wert sind. Rahmen und Komponenten bestellt er im Internet und baut sich die Räder dann nach seinen Wünschen zusammen. Wie viel Zeit er in seiner Werkstatt verbringt, kann Wolfgang Raml gar nicht sagen. Ein Rad ist in etwa zwei Tagen aufgebaut, doch dann kommen noch Wartungs- und Reparaturarbeiten hinzu. Der Klosterlechfelder macht fast alles selber. „Das ist kein Hexenwerk. Wer nicht gerade zwei linke Hände und ein gewisses technisches Verständnis hat, kommt gut damit klar. Wichtig ist, dass man vernünftiges Werkzeug hat.“ Es gibt aber auch Arbeiten, die er den Profis überlässt. Zum Beispiel neue Speichen auf ein Laufrad ziehen. „Das Einspeichen dauert bei mir einen halben Tag. Ein Profi braucht dafür vielleicht eine Stunde, und da ist mir die Zeit einfach zu schade.“ Er ist gut mit dem Besitzer von Gerds Bikeshop in Schwabmünchen befreundet. „Da kann ich dann auch mal rüber kommen, wenn ich nicht mehr weiter weiß.“ Das schöne am Schrauben ist für Wolfgang Raml, dass er das Ergebnis sieht. „Das habe ich in der Schule in dieser Form nicht, und deshalb ist es ein guter Ausgleich zu meinem Beruf“, sagt der Lehrer, der an der Mittelschule Schwabmünchen unterrichtet.

Doch so sehr ihn das Schrauben am Rad Spaß macht – noch lieber sitzt er auf seinen Eigenbauten. Fast jede freie Minute radelt der drahtige Mann, der mit 66 Kilo und 1,74 Metern Größe eine gute Figur für einen Radfahrer hat, durch die Gegend. Auch im Urlaub dreht sich bei Wolfgang Raml alles ums Radfahren. Meist geht es nach Italien oder Frankreich, wo er als Rennradfahrer ideale Bedingungen vorfindet. „Bei uns war es vor 20 Jahren in den Bergen auch noch ganz schön.

Gemeinsam mit seiner Frau ist Wolfgang Raml auch gerne mal auf einem seiner Tandems unterwegs.

Was Wolfgang Raml zu E-Bikes sagt

Doch dann kamen die Mountainbiker und jetzt die E-Biker, so dass mir das alles zu voll geworden ist. Die fahren dann teilweise Strecken rauf, bei denen sie am Ende Probleme haben, wieder heil runter zu kommen.“ Für Pendler aber, die mit dem Rad in die Arbeit fahren und das Auto stehen lassen, sind seiner Ansicht nach E-Bikes eine gute Sache. Doch für einen Extremsportler wie Raml kommt das nicht in Frage – und auch nicht für seine Frau Sabine, die seine seine Leidenschaft teilt, so dass beide im Urlaub auf ihre Kosten kommen. „Sie ist nicht so extrem unterwegs wie ich, aber hat auch viel Spaß am Radfahren“, sagt Wolfgang Raml, der im letzten Jahr 19 000 Kilometer auf dem Rad zurückgelegt hat. Die Ramls sind auch gerne auf einem der vier Tandems unterwegs, die sie sich im Laufe der Jahre zugelegt haben. Um die transportieren zu können, haben sie sich extra einen Kleinbus gekauft.

Im Urlaub in Südfrankreich fährt Wolfgang Raml dann auch schon mal den berüchtigten Mount Ventoux in der Provence hoch – und zwar alle drei möglichen Anstiege an einem Tag. Auch sonst ist er eher extrem unterwegs.

48 Stunden im Sattel

Vor zwei Jahren fuhr er von Freiburg aus den „Grand Randonneure“. Den Rundkurs von mehr als 600 Kilometern mit über 12 000 Höhenmetern müssen die Teilnehmer in 54 Stunden bewältigen. Raml schaffte die Tortour in rund 48 Stunden. Heuer plant er eine Fahr von Hamburg nach Klosterlechfeld. Klar, dass er die 750 Kilometer an einem Stück zurücklegen möchte. 30 bis 35 Stunden hat er hierfür eingeplant. Sein großes Ziel in den nächsten Jahren ist das berühmte Rennen Paris – Brest – Paris, bei dem 1200 Kilometer und 10 000 Höhenmeter gefahren werden. „Das möchte ich unbedingt mal machen, da herrscht eine Stimmung wie auf einem Volksfest.“ Der Klosterlechfelder räumt ein, dass das alles manchmal eine ganz schöne Qual ist. „Die Schmerzen sind gerade auf den letzten Kilometern oft schon schlimm. Aber dann will man es natürlich auch noch schaffen. Der Kopf sagt: Warum tust du dir das an? Doch der Körper sagt, dass geht schon noch. Das ist halt meine Leidenschaft und mir ist auch klar, dass das schon wie eine Sucht ist.“

An der Eingangstür zu seinem Keller hat er die Startnummern von seinen Rennen und Rundfahrten aufgeklebt.

 

Bereits erschienen in unserer Serie "Hausbesuche":

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren