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Königsbrunn

05.08.2020

Seltene Vögel: Warum sich die Kiebitze in Königsbrunn wohl fühlen

Die Jungtiere des Kiebitzes werden „Pulli“ genannt. Die Tierschützer hoffen, dass genug Jungtiere flügge werden, um den Bestand zu sichern.
Bild: Robert Kugler

Plus In Äckern, Wiesen und Kiesgruben zwischen alter B17 und Lech brüten Kiebitze. Wie Bauern, Hundebesitzer und Spaziergänger sie schützen können.

Kiebitze und andere Wiesenbrüter brüten in unserer Region nicht nur im Gennachmoos, wie wir im Frühling berichteten, sondern auch im Gebiet zwischen der alten B17 und dem Lech bei Königsbrunn. Der Königsbrunner Robert Kugler und seine Mitstreiter Christiane Gebauer, Fred Holly und Anne Bertuleit beobachten die Population im Auftrag der Regierung von Schwaben. Sie schützen die Vögel, die in Deutschland selten geworden sind. Jeder Spaziergänger kann dazu beitragen.

Die Kiebitze brüten auch im Süden von Königsbrunn. So sieht ein Gelege des selten gewordenen Vogels aus.
Bild: Axel Del Mestre (Symbolfoto)

Aus dem 2013 gestarteten Pilotprojekt „Kiebitz-Soforthilfe Schwaben“ wurde zwei Jahre später das Biodiversitätsprojekt „Wiesenbrüter-Brutplatzmanagement“ der Regierung von Schwaben. Projektträger für das Gebiet östlich der Hochfeldstraße von Königsbrunn bis Graben und östlich der alten B17 von der Fohlenhofstraße bis zur Ulrichskaserne ist die Arbeitsgemeinschaft Ornithologie im Naturwissenschaftlichen Verein für Schwaben in Zusammenarbeit mit der Kreisgruppe Augsburg des Landesbundes für Vogelschutz.

Revierschützer halten ab März Ausschau nach Kiebitz-Nestern

Mit dem Beginn der Brutzeit ab März halten die Vogelschützer Ausschau nach den oft sehr beeindruckenden Revierflügen der Kiebitzmännchen und nach brütenden Weibchen. Sobald ein brütendes Weibchen beobachtet wird, muss der Gelegestandort schnell markiert werden. Vor einer Suche fragen die ehrenamtlich tätigen Vogelschützer immer beim Landwirt um Erlaubnis. „Dabei stoße ich meist auf großes Verständnis und Entgegenkommen“, sagt Kugler.

Der Oberottmarshauser Landwirt Markus Reiter, der ein Maisfeld und eine Wiese östlich der alten B17 bewirtschaftet, wurde schon im Vorjahr von Kugler für den Kiebitzschutz sensibilisiert. „Heuer habe ich selbst ein Nest entdeckt und es bei der Maissaat ausgespart. Zum Glück waren die Vogeleltern beim Nest, sonst hätte ich das Gelege von meinem Traktor aus wohl nicht gesehen“, erzählt Reiter. Als der Mais höher wurde, siedelte die Kiebitzfamilie in die angrenzende Wiese um. „Sie lieben vor allem frisch gemähte Wiesen“, weiß Reiter.

Robert Kugler ergänzt, dass Kiebitze niedrigen Bewuchs zur Nahrungssuche bevorzugen. Die jungen Kiebitze verstecken sich aber gerne im höheren Pflanzendickicht. Dafür sind die von Reiter in Streifen gemähten Wiesen ideal, denn so steht immer hohes und niedriges Gras zur Verfügung. Kiebitze kommen vor allem in offenen Landschaften vor, wo sie herannahende Feinde rechtzeitig entdecken können.

Hundebesitzer sollten im Königsbrunner Süden auf den Wegen bleiben

Deswegen richtet Robert Kugler auch eine Bitte an die Hundebesitzer, die in diesem Jahr vermehrt auf den Wegen im Süden Königsbrunns unterwegs sind. „Das ist kein Problem, solange die Hunde auf den Wegen bleiben. Wenn sie aber in die Wiesen laufen, können die Altvögel die jungen Kiebitze nicht bewachen. Die Eltern fliegen dann meist aufgeregt rufend über den Spaziergängern. Das ist ein sicheres Zeichen, dass ein Nest oder Jungvögel in der Nähe sind, von denen sie die potenziellen Fressfeinde ablenken wollen“, sagt Kugler.

Die Vogelschützer freuen sich über gelungene Schutzmaßnahmen für die Kiebitze.
Bild: Robert Kugler

Wenn er ein Nest markiert hat, stellt er deswegen Hinweisschilder für die Hundeführer am Wegrand auf, damit sie darauf aufmerksam gemacht werden. „Niemand will ja mutwillig ein Nest zerstören“, sagt auch Bauer Reiter, der für den Mehraufwand bei der Bewirtschaftung und für Ertragsausfälle eine Entschädigung bekommt. Solche Vereinbarungen hat Kugler inzwischen mit neun Landwirten im Gebiet zwischen Kleinaitingen, Oberottmarshausen und Königsbrunn getroffen.

Landwirte werden entschädigt, wenn sie Flächen den Tieren überlassen

Neben dem Markieren von Gelegen sieht das Biodiversitätsprojekt je nach Gegebenheit weitere Maßnahmen vor. Es können bei größeren Kiebitzkolonien auf einer Fläche auch Vereinbarungen zur verspäteten Bewirtschaftung oder zur Schaffung von Kiebitzinseln mit einer Fläche von mindestens einem halben Hektar getroffen werden. Die Entschädigung der Landwirte erfolgt ohne größeren bürokratischen Aufwand und mehrjährige Bindung. Das bestätigt auch Markus Reiter, dessen anfängliche Bedenken verflogen sind. An geeigneten Stellen wie in rekultivierten Kiesgruben errichtet Kugler bei größeren Kiebitzvorkommen auch Schutzzäune zur Abwehr von Raubtieren.

Kiebitze: Bei Königsbrunn wurden 30 Brutpaare gesichtet

30 Kiebitz-Brutpaare wurden in diesem Jahr festgestellt, daraus sind mindestens 18 „Pulli“, wie die Jungen genannt werden, flügge geworden. „Das ist aber immer noch unter dem Reproduktionswert von 0,8 Jungvögeln je Brutpaar, der notwendig wäre, um den Bestand zu erhalten. Der Schutz der Gelege mit meist vier Eiern klappt aber schon recht gut. Leider verschwinden dann viele der Jungvögel in den ersten Tagen, nachdem sie geschlüpft sind“, sagt Kugler.

Diese durchziehenden Kiebitze hat Gerhard Mayer vom Landesbund für Vogelschutz in der Region vor einiger Zeit fotografiert.
Bild: Gerhard Mayer

Das Lechfeld östlich der B17 ist nach seinen Beobachtungen eine sehr arten- und strukturreiche Feldflur. Dort sind noch viele der typischen Arten heimisch, die auf der Roten Liste Bayerns stehen. Dazu zählen Baumpieper, Rebhuhn, Bluthänfling, Heidelerche, Feldlerche, Gelbspötter und Wachtel. Auch weitere sonst eher seltener vorkommende Arten wie Neuntöter, Rohrammer und Dorngrasmücke werden im Lechfeld häufig angetroffen.

Vogelschutz: Experten richten Appell an Nutzer des Gebiets

Die Vogelschützer freuen sich, dass auch Naherholungssuchende dieses Gebiet entdeckt haben und dort spazieren gehen, richten aber einen Appell an diese. „Es wäre gut, wenn Spaziergänger mehr Bewusstsein dafür hätten, dass sie mit ihrem Verhalten zum Erhalt der Artenvielfalt in der Feldflur einen wichtigen Beitrag leisten können. Sie sollten Wege nicht verlassen, mit dem Auto keine gesperrten Straßen befahren, Hunde vor allem im Frühjahr und Sommer nicht durch Wiesen und über Äcker laufen lassen und natürlich ihre Zigarettenkippen und ihren Müll mitnehmen“, bittet Robert Kugler.

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