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Königsbrunn

23.01.2014

Senioren fordern Mitspracherecht im Stadtrat

„Vergessene Generation“ titelt das Buchcover im Hintergrund und so lautet auch das Motto Wolfgang Müllers (rechts) für die Podiumsdiskussion zwischen SPD-Kandidat Florian Kubsch (links) und CSU-Kandidat Franz Feigl. Zahlreiche Publikumsfragen ließen darauf schließen, dass längst Redebedarf zwischen Stadt und Senioren herrscht.
Bild: Bastian Sünkel

Podiumsdiskussion zwischen CSU und SPD: Ludwigspark-Bewohner fühlen sich von Politik vernachlässigt

Ganz am Anfang, noch bevor die Bürgermeisterkandidaten Florian Kubsch (SPD) und Franz Feigl (CSU) zur Vorstellungsrunde ansetzen, spricht eine Seniorin im Gemeinschaftsraum des Königsbrunner Ludwigsparks das aus, was sich in vielen Gesichtern abzeichnet. „Was hilft uns das?“, sagt sie zu sich selbst, so leise, dass es nur die nächsten Sitznachbarn hören, als der Organisator der Podiumsdiskussion, Wolfgang Müller, die „politische Prominenz“ begrüßt.

Müller ist Vorsitzender des Verwaltungsbeirats der Seniorenwohnanlage und hat an diesem Abend ganz bewusst nur zwei der möglichen sieben Bürgermeisterkandidaten eingeladen. „Es ist beschämend, dass unsere Belange erst ernst genommen werden, wenn die Medien darüber berichten“, sagt er und benennt damit einen der Gründe, warum Bürgermeister Ludwig Fröhlich (FW) keine Einladung erhielt.

Müller nimmt an diesem Abend kein Blatt vor den Mund. Gezielt provoziert er mit seinen Fragen nicht nur die Kandidaten, sondern animiert auch den restlos gefüllten Publikumsraum. Schnell zeichnet sich ab, was die wichtigsten Anliegen der Ludwigspark-Senioren sind: Bushaltestelle, Verkehrsberuhigung, Seniorenbeirat. Feigl und Kubsch stehen Rede und Antwort.

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Bushaltestelle Einen halben Kilometer liege die nächstgelegene Bushaltestelle vom Ludwigspark entfernt, erklärt Müller. Das von der Stadt versprochene Ruftaxi als Notlösung verzögere sich nunmehr seit eineinhalb Jahren. „Was sagen die Kandidaten dazu“, fragt Müller.

Kubsch: „Ich kann Ihnen heute keine Bushaltestelle versprechen“, sagt der SPD-Kandidat. Was er allerdings zusichere, sei ein innerstädtisches Verkehrskonzept, sollte er die Bürgermeisterwahl für sich entscheiden. Das Problem sei die Abhängigkeit vom Augsburger Verkehrsverbund (AVV), der keine Sonderregelungen zulasse. Erst ab einer Entfernung von 600 Metern zeige sich der AVV verhandlungsbereit.

Feigl:Der CSU-Kandidat will das Problem mit einer Baumaßnahme lösen. „Ich habe mir sagen lassen, dass der Bus an manchen Stellen nicht durchkommt.“ Landrat Martin Sailer sichere ihm bereits zu, etwas zu unternehmen, wenn es machbar sei. Das Ruftaxi sei keine Alternative: „Die Fahrt verteuert sich um einen Euro, die Senioren müssen ein- und aussteigen, wieder warten, erneut einsteigen.“

Verkehrsberuhigung Prinzipiell sei die Chiemseestraße bereits eine verkehrsberuhigte Zone, sagt Müller. „Senioren und spielende Kinder nutzen die Straße in vollem Umfang. Es fehlt nur noch das Schild.“ Ein Schild mit der Aufschrift „Langsam fahren“ existiere bereits, sagt Müller, doch verkehrsrechtlich sei das nicht relevant, bestätige die Polizei. Bei der Diskussion schließen sich weitere Zuhörer dem Organisator an: „Das gebe es vor jeder Schule“, sagt eine Seniorin, ob denn Bodenschwellen eine Lösung seien, fragt eine andere.

Kubsch: Die Polizei sieht keinen Handlungsbedarf, weil es Fußwege gebe, erklärt Kubsch. Ob ein Hindernis eingebaut werden könne, müsse geprüft werden. „Das Gesetz der Leichtigkeit des Verkehrs hat Vorrang“, bei Schäden könne die Stadt verklagt werden. Der SPD-Kandidat nennt drei Lösungsansätze: verstärkte Verkehrsüberwachung, farbige Markierungen oder eine weitere fachliche Einschätzung, die sich gegebenenfalls für eine Verkehrsberuhigung ausspricht.

Feigl:„Ich frage mich, wo das Problem ist“, sagt Feigl. Der CSU-Kandidat sehe keine Alternative zur verkehrsberuhigten Zone.

lSeniorenbeirat Müller, der die Kandidaten erst ganz offen fragt, was passieren müsse, damit die Bedürfnisse der Senioren im Stadtrat wahrgenommen werden, gibt am Ende seine eigentliche Forderung preis und repräsentiert damit die Meinung des applaudierenden Publikums: „Wir fordern einen Seniorenbeirat, dem die Stadt Kompetenzen überträgt und der unabhängig von den Senioren gewählt wird.“

Kubsch: Der SPD-Kandidat gibt ein klares Bekenntnis für den Seniorenbeirat ab: „Zu allen seniorenspezifischen Themen muss der Stadtrat dieses Expertenteam befragen.“ Ein einzelner Seniorenreferent, der vom Stadtrat bestimmt werde, sei abhängig von einer politischen Mehrheit und vom Bürgermeister.

Feigl: Ein vom Stadtrat bestimmter „Kümmerer“ sei die bessere Wahl, um für die Belange der Senioren einzustehen. Unterstützung erhalte der Referent von einem beratenden Seniorenteam. Dieser bemühe sich vor allem um einen Austausch zwischen allen Generationen, sagt der CSU-Kandidat.

Fazit Feigl erhält beim Thema Verkehrsberuhigung, Kubsch mit dem Seniorenbeirat den Applaus der Ludwigspark-Senioren. Einen klaren Gewinner zu küren, gelingt auch dem Publikum nicht: „Den Herrn Feigl kannte ich schon als kleinen Jungen, wie er in meiner Straße aufgewachsen ist. Herr Kubsch hat allerdings erfahrener gewirkt“, sagt Anna Klee, die zu diesem Zeitpunkt nicht wisse, wem sie ihre Stimme geben soll.

Im Internet

seniorenwohnanlage-ludwigspark.de

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