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Schwabmünchen

28.04.2015

Sexuelle Belästigung: Wirt misst Praktikantin die Brust ab

Ein Wirt soll seine Praktikantin unter dem Vorwand die Maße für neue Dienstkleidung nehmen zu müssen, sexuell belästigt haben.
Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Am Ende hatte er sich verrechnet: Weil er bei einer 16-jährigen Praktikantin Maß nahm, wurde ein Gastronom jetzt zu neun Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

In Gaststätten, in denen bevorzugt Männer verkehren, ist der Umgangston zumeist recht locker. Geschmacklose Macho-Sprüche und zweideutige Anzüglichkeiten Frauen gegenüber werden nicht selten als harmloser Spaß empfunden. Die Vorlage dazu gibt häufig ein bekannter Kräuterschnaps, dem die Marketingstrategen des Herstellers den Namen „Ficken“ gegeben haben – ein anzügliches Synonym für Sex. So hat es der Wirt leicht, eine Männerrunde im Lokal mit der Frage "Wollt ihr Ficken?" zum Schnäpseln zu überreden. So etwas ist noch nicht strafbar.

Die Grenzen freilich sind in einer derartig sexistisch gefärbten Stimmung schnell überschritten. Der Wirt einer Gaststätte im südlichen Landkreis bekam jetzt bitter zu spüren, dass Frauen auch in der eher zwangslosen Atmosphäre eines Lokales kein Freiwild sind. Wegen Beleidigung auf sexueller Basis und Missbrauch einer Schutzbefohlenen wurde der 50-Jährige von Jugendschutzrichterin Ortrun Jelinik nach zweitägigem Prozess zu einer Bewährungsstrafe von neun Monaten zuzüglich einer Geldauflage von 2.000 Euro verurteilt.

Vorwurf der Praktikantin: Wirt nahm Maß am Busen und im Intimbereich

Eine 42-jährige Frau, die Mitglied in einer Kartenspielrunde war, die ihre Turniere im Saal der Gaststätte veranstaltete, hatte sich nicht nur durch die Schnaps-Sprüche des nun Angeklagten beleidigt gefühlt. Er soll ihr einmal auch im Biergarten an die Brust gefasst und sie zum Sex aufgefordert haben. Gestern hörte das Gericht zwei Vorstände des Clubs. Sie bestätigten, dass sich die 42-Jährige damals beschwert und Hilfe gesucht habe. Man habe ihr empfohlen, Anzeige zu erstatten beziehungsweise nicht mehr allein aus dem Lokal zu gehen. Mit dem beschuldigten Wirt habe man eher nicht geredet.

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Strafrechtlich schwerwiegender war der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs einer Schutzbefohlenen. Es ging um eine zur Tatzeit 16-jährige Praktikantin. Sie sollte als Bedienung einen dienstlichen schwarzen Rock bekommen. Der Chef selbst nahm Maß - auch am Busen und dann auch im Intimbereich, so der Vorwurf.

Zwei als Zeugen gehörte Bedienungen des Lokals bestätigten zwar die seltsame Praxis ihres Chefs, betonten aber, bei ihnen sei alles korrekt gelaufen. „Er hat nur Taille, Hüfte und Länge vermessen, mehr nicht“.

Der Wirt: "Ich bin unschuldig."

Der Angeklagte (Verteidiger: Alexander Haussmann) räumte zwar ein, bei der Praktikantin Maß genommen zu haben, es sei aber zu keinerlei sexuellen Berührungen gekommen. Auch den Übergriff auf die 42-jährige Frau stritt er ab. Selbst in seinem „letzten Wort“ beteuerte er: „Ich bin unschuldig“.

Weder Staatsanwältin Julia Keilbach noch die Anwälte Stefan Pfalzgraf und Sascha Schnarr, Vertreter der beiden Frauen, glaubten den Unschuldsbeteuerungen des Angeklagten. Sie hielten die Opfer für absolut glaubwürdig. Anwalt Pfalzgraf richtete sein Plädoyer auch direkt an den Gastwirt: „Sie sehen, wie beide noch heute psychisch leiden. Sie hätten ein Zeichen setzen sollen“.

Auch Richterin Jelinek sah keinen Anlass, den Zeuginnen nicht zu glauben: „Sie haben nichts dramatisiert, hatten keinen Grund zu lügen“. Auch das Gericht fand es „sehr bedauerlich, wie der Angeklagte agiert hat – obwohl er ein Recht darauf hat“.

Weil der Gastwirt nicht vorbestraft ist, setzte das Gericht die Strafe zur Bewährung aus. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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