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Landkreis Augsburg

08.04.2016

Sie bringen Leben zu den Sterbenden

Die Hospiz lebt von ehrenamtlichen Helfern.
Bild: dpa - Bildfunk (Symbolbild)

Hospizbegleiter sind da, wenn die Medizin nicht mehr heilen kann. Warum sich Menschen dafür entscheiden.

Manchmal reicht schon eine Blume aus dem Garten, um den Sterbenden das Leben spüren zu lassen. Es sind kleine Dinge, die das Lebensende lebenswert machen. Einen großen Anteil daran haben Hospizbegleiter, die ehrenamtlich helfen. Die da sind, wenn die Medizin nicht mehr heilen kann. Die viel Zeit mitbringen. Zeit zum Reden, zum Zuhören oder zum Schweigen. Die vorlesen oder einfach nur die Hand halten. Ihr Dienst ist wichtig und sie sagen, er gebe ihnen auch etwas zurück.

Mirella Wollner ist seit 2006 Vorsitzende der ökumenischen Hospizgruppe Bobingen. Sie ist ausgebildete Palliativ-Care-Kraft, Koordinatorin und eine der Wenigen, die ihre Arbeit hauptamtlich verrichtet. Ansonsten sind Hospizvereine und Einrichtungen wie die in Bobingen auf die Unterstützung ehrenamtlicher Helfer angewiesen. Wollner sagt: „Es geht darum, was der Patient möchte.“ Und das könne sich sehr unterschiedlich äußern: Ans Bett setzen, einen Ausflug unternehmen oder ein Fest organisieren. „Psychosoziale Unterstützung ist sehr wichtig. Nicht nur der Sterbende, sondern auch die Familienangehörigen brauchen Unterstützung. Deshalb sollten Freiräume geschaffen werden.“ Die Aufgaben eines Hospizbegleiters sind vielfältig.

Menschen aller Art: Krankenschwester, Verkäufer und Polizisten 

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Derzeit sind in Bobingen 19 ehrenamtliche Begleiter im Einsatz. „Darunter befinden sich Menschen aller Art“, sagt Wollner. Von der Krankenschwester, über den Verkäufer, bis hin zum Polizisten sei alles dabei. Wobei die Tendenz dahingehend sei, dass sich mehr Frauen für diesen Schritt entschließen. Das Alter liege zwischen 40 und 70 Jahren. „Ein gesellschaflicher Querschnitt ist deshalb so wichtig, weil im Endeffekt auch genau diese Menschen palliative Betreuung oder eine Begleitung einfordern“, erklärt Wollner weiter.

Um Sterbende bei ihrem Lebensende begleiten zu können, müssen Interessierte im Vorfeld einen Kurs absolvieren. Seit 2002 bietet die Hospizgruppe einen solchen Kurs an. Der ist durchaus aufwendig: 40 Stunden Grundkurs, 60 Stunden Aufbaukurs. Vor Beginn des Kurses führen die Koordinatoren mit den Interessierten Gespräche. Darin geht es um Beweggründe und Erwartungen. Nach dem ersten 40 Stunden resümieren die Teilnehmer und entscheiden mit den Koordinatoren gemeinsam, ob die Hospizarbeit etwas für sie ist. Wer den Aufbaukurs antritt, verpflichtet sich als Hospizbegleiter zu arbeiten. Im Jahr 2014 beispielsweise entschieden elf der 13 Teilnehmer des Grundkurses den weiterführenden Kurs zu besuchen.

Das ist ein Aufwand, den viele gerne in Kauf nehmen. Wollner sagt: „Man bekommt von den Angehörigen einen tiefen Dank zurück, das macht diese Art von Beziehung so wertvoll. Außerdem hilft es, auch im persönlichen Umfeld mit dem Thema Ableben besser umzugehen.“ Die Begleiter des Bobinger Vereins schenkten vergangenes Jahr etwa 2000 Stunden Zeit und legten ca. 8200 Kilometer zurück. Es gab 40 abgeschlossene Begleitungen – das heißt in der Regel, der Patient ist inzwischen verstorben.

Ganz spezielle Charaktereigenschaften

Eine Tatsache, die sich am Ende einer Begleitung nicht vermeiden lässt. Genau deswegen müssen Hospizbegleiter viele Eigenschaften mitbringen.

Gabriele Spahr ist leitende Koordinatorin der Hospizgruppe St. Elisabeth in Schwabmünchen, die dem Caritasverband angehört. Sie kennt die nötigen Charakterzüge: „Begleiter müssen zuhören und sich reflektieren können. Am wichtigsten ist es, sich mit dem Tod zu beschäftigen.“ Weil das eine schwierige Aufgabe ist, stehen den Begleitern Koordinatoren zur Seite. Ein Mal im Monat treffen sich alle in der Gruppe, um über ihre Erfahrungen zu sprechen. „Jeder neue Begleiter bekommt in der Anfangszeit einen erfahrenen an die Hand. Wir haben gute Erfahrungen mit dem Patenprogramm gemacht“, sagt Spahr. Auch stehe es jeder Partei frei, eine Begleitung jederzeit zu unterbrechen. Allerdings sei das in Schwabmünchen noch nicht vorgekommen.

So wie bei allen Hospizvereinen, wird auch St. Elisabeth hauptsächlich über Spenden finanziert. Darunter fallen Büro- und Telefonkosten, Ausbildung der Begleiter sowie die Fahrtkosten. Die Koordinatorenstelle wird von der Kasse übernommen. Spahr bekräftigt: „Es muss nicht alles finanziert werden. Wir möchten, dass Hospizarbeit ein Ehrenamt bleibt und dadurch von allen Menschen in Anspruch genommen werden kann.“

Und genau seit 20 Jahren ist das in Schwabmünchen auch der Fall. Zweiter Vorsitzender des Caritas Verbandes Schwabmünchen, Andreas Claus, sagt: „In den Jahren, in denen diese Hospizgruppe besteht, mussten wir noch keine einzige Begleitung ablehnen. Dabei gibt es in Schwabmünchen relativ viele davon.“ Im Jahr 2015 waren 46 ehrenamtliche Helfer bei 76 abgeschlossene Begleitungen beteiligt.

Warum sich manche Menschen für dieses Ehrenamt entscheiden, ist laut Spahr häufig der selbe Grund: „Sie haben in ihrer Familie ähnliches erlebt. Sie haben die Ohnmacht und Hilflosigkeit der Angehörigen selbst gesehen und gefühlt.“ Mit ihrem Engagement wollen sie der Gesellschaft, die nur schlecht mit dem Thema Tod umgehen kann, helfen. (mit mano)

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