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Untermeitingen

21.06.2019

Sie erfüllt nach schwerer Krankheit ihre Träume

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5 Bilder
Auf der Gartenbank aus Holzpaletten machen es sich Belinda Beger (links) und Evelyn Pfand vom Caféle-Team gemütlich.
Bild: Hieronymus Schneider

Belinda Beger lebt mit ihrem Partner in ihrem Märchenhaus. Die Untermeitingerin stand mehrmals kurz vor dem Tod. Im Garten stehen Geschichten aus ihrem Leben.

„In diesem Garten glauben wir an Märchen“ – das steht handgeschrieben auf einem Schild im Garten des Häuschens in der Untermeitinger Dr.-Endres-Straße. Dort wohnen Belinda Beger und Mike Feldmann. Der Garten erinnert an Märchen wie Dornröschen oder Frau Holle. Beim Betreten lässt man „die Welt da draußen“ hinter sich und betritt eine kleine, heile Oase. Liebevoll und originell arrangierte Raritäten und Sinnsprüche erzählen Geschichten aus dem Leben von Belinda Beger. Dabei stand es vor gut zehn Jahren noch ganz schlecht um ihre Zukunft.

Eine schwere Krankheit jagte die andere. Blutvergiftung, Bandscheibenvorfälle, Krebs und Hepatitis B machten eine Lebertransplantation notwendig. 2008 wurde Belinda Beger auf die Spenderliste gesetzt. Dazu kam noch ein Verkehrsunfall; sie wurde auf dem Fahrrad von einem Auto angefahren und schwer verletzt. „Ich stand mehrmals kurz vor dem Tode und habe sogar schon die Sterbesakramente empfangen“, erzählte Belinda im Dezember 2009 unserem Redakteur Reinhold Radloff in seinem Artikel „Die Lebensfreude kommt zurück“. Darin berichtete er von einer Dankeschön-Aktion Belindas für die erfahrene Hilfe von der Kartei der Not, der Familie Hornung aus Klosterlechfeld sowie von ihrer Arbeitgeberin, der Bäckerei Friese (Gerum) und vielen Freunden. Belinda fuhr mit einer Kutsche und dem Nikolaus durch drei Lechfeldgemeinden und verteilte Glühwein, Stollen und Päckchen für Kinder.

Die Untermeitingerin hatte immer um ihr Leben gekämpft

Nach der am 9. Oktober 2008 im Klinikum Großhadern erfolgten Lebertransplantation kehrte das Leben für Belinda Beger allmählich wieder zurück. „Ich habe immer um mein Leben gekämpft und entwickle jetzt von Tag zu Tag mehr Lebensfreude“, erzählte sie damals und heute sagt sie: „Wenn man nie aufgibt, dann werden Märchen wahr. Alle meine Wünsche haben sich erfüllt. Ganz besonders danke ich meinen Eltern, meinen beiden Söhnen, meinem Partner Mike sowie der Familie Hornung und meinem liebenswerten Team.“

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Es begann damit, dass sie wieder für einige Stunden täglich in der Bäckerei Friese/Gerum in Schwabmünchen arbeiten konnte. Dort tauchte dann ihr neuer Prinz auf, nicht mit einem weißen Pferd, sondern mit einem Fahrrad. Der schnappte sich schließlich nicht nur die Semmeln, sondern nahm auch die Verkäuferin mit. Mike Feldmann betrieb damals die Bierkneipe Zur Kastanie im ehemaligen Postkeller in Klosterlechfeld. Während eines Urlaubs in Südtirol kam dem Gastwirt die Idee, daneben noch ein Café einzurichten.

Zunächst war Belinda nicht begeistert. „Ein Café und eine Bierkneipe passen doch nicht zusammen“, dachte sie. Aber nach einmal darüber schlafen fand sie Gefallen an dem Gedanken. „Ich bestand aber auf einen eigenen Eingang und da kamen mir die Verpächter Evi und Karl Strass sehr entgegen“, sagt Belinda, die nun ihren Traum verwirklichen konnte.

Das Caféle kommt in Klosterlechfeld gut an

Zur Eröffnung am 6. Januar 2015 malte Robert Knöpfle den geschwungenen Schriftzug „Caféle“ über den Eingang neben der „Kastanie“. Die Klosterlechfelder nahmen das neue Café gut an, aber so ganz perfekt waren die Räumlichkeiten noch nicht. Belinda suchte etwas „kleines, schnuckeliges“ und entdeckte zwei Jahre später gleich um die Ecke am Haus Franziskanerplatz 10 ein Schild „Zu vermieten“.

Zuerst erschienen die Räume dort etwas zu klein und es fehlte noch ein Wasseranschluss, doch inzwischen hat Belinda ihr Caféle ganz nach ihrem Geschmack eingerichtet. Das gemütlich mit viel Liebe zum Detail eingerichtete kleine Café wirkt wie eine Puppenstube und lädt zum Verweilen ein. „Hier sollen sich die Gäste wohlfühlen wie daheim. Die Harmonie mit meinen Mädels im Service und meinem Partner Mike ist mir sehr wichtig“, sagt die leidenschaftliche Kuchen- und Tortenbäckerin. Inzwischen ist das Caféle ein viel besuchter „Geheimtipp“ über Klosterlechfeld hinaus.

Auch der Traum von einem kleinen Häuschen mit Garten erfüllte sich. Zwar nicht im Eigentum, aber zur dauerhaften Miete. „Das Haus stand acht Jahre lang leer und als wir es entdeckten, haben wir alle Hebel in Bewegung gesetzt, es als Mieter zu bekommen“, sagt Belinda und ergänzt: „Die Eigentümerin Erika Haslach wohnt in Hohenfurch und lässt uns schalten und walten wie wir wollen. Meine Idee, ein Ziegeldach über der Küchenzeile einzubauen, fand sie so gut, dass sie die Dachrinne dazu besorgte.“

Belinda Beger schätzt die Geschichten hinter den Dingen

Seit sechs Jahren wohnen Belinda und Mike nun schon in ihrem gemeinsamen Zuhause. Eine alte Holzhütte stand schon vorher im Garten. Eine weitere wurde von der „Kastanie“ hertransportiert und noch eine dazu gebaut. Ein offener Pavillon harmoniert mit der Feuerstelle und einer Gartenbank aus Holzpaletten. Ein Teil eines alten Gartenzaunes und eine Sitzgruppe aus alten Kaffeehausstühlen und einem Tischchen ergänzen das Ambiente mit vielen kleinen Antiquitäten. „Ich schätze Dinge, die ich von alten Leuten bekommen habe, weil so viele Geschichten dahinter verborgen sind. Viele dieser Sachen stammen von meinen Großeltern, die auf dem Fohlenhof in Königsbrunn wohnten. Dort habe ich auch meine ersten Kindheitsjahre verbracht“, erzählt Belinda.

Sie wechselt die Dekorationen vom Haus zum Caféle und wieder zurück. Mit ihren „Mädels“, wie sie ihr Personal nennt, feiern Mike und Belinda jedes Jahr ein Fest in ihrem Garten. „Ich brauche keine Reichtümer, sondern freue mich an kleinen Dingen und ich glaube in meinem Leben an Märchen“, fasst Belinda Beger ihr Lebensmotto zusammen.

Bereits erschienen in unserer Serie "Hausbesuche":

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