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Comenius im Leonhard-Wagner-Gymnasium

23.10.2009

Sie holen Europa ins Klassenzimmer

Sie wollen ihren Schülern nicht nur beibringen, wie Europa funktioniert. Sie wollen den Gedanken einer geeinten Union leben - und das auch in ihren Unterricht transportieren. Den Grundstein dazu haben 20 Lehrer aus ganz Europa in den vergangenen vier Tagen in Schwabmünchen gelegt. Von Monika Schmich

Sie wollen ihren Schülern nicht nur beibringen, wie Europa funktioniert. Sie wollen den Gedanken einer geeinten Union leben - und das auch in ihren Unterricht transportieren. Den Grundstein dazu haben 20 Lehrer aus ganz Europa in den vergangenen vier Tagen in Schwabmünchen gelegt. Gemeinsam mit elf Kollegen vom Leonhard-Wagner-Gymnasium haben sie das von der EU geförderte Projekt "Travelling - The Way to Europe" gestartet.

Die Idee ist simpel: Acht Schulen aus sechs Ländern - je zwei aus Frankreich und Deutschland, Polen, Rumänien, Spanien und der Türkei - arbeiten zusammen. Jede Schule befasst sich mit ihrer Region, mit ihrer Kultur, mit ihrer Sprache. Am Ende wird alles auf einer gemeinsamen Website präsentiert - fertig ist ein gesamteuropäischer Reiseführer und Sprachkatalog.

Noch stecken die Ideen der Pädagogen in den Kinderschuhen. Christine Stempfle, eine der Schwabmünchner Lehrer, ist aber ganz sicher: Dieses Projekt wird den Unterricht beleben. Schon jetzt werde in den Geschichte- und Sozialkundestunden viel über die Europäische Union vermittelt, sagt Stempfle. "Aber das ist eher theoretisch." Das soll anders werden. "Uns geht es darum, den Schülern den europäischen Gedanken praktisch zu vermitteln."

Sie holen Europa ins Klassenzimmer

Wie ein gelebtes Europa aussieht und sich anhört, das war in den vergangenen Tagen im Leonhard-Wagner-Gymnasium schon zu erleben. Englisch war beim Auftakttreffen der beteiligten Lehrer die vorherrschende Sprache. In der einen Ecke des Raums aber wurde auf Spanisch diskutiert, in der anderen vielen französische Wortfetzen, ein paar türkische Sätze, dazwischen ein Einwurf in Polnisch - und am Ende waren sich doch alle einig.

Genau das hat Juan Requejo, Lehrer aus Frankreich, fasziniert und inspiriert: "Wir sollten nicht immer die Unterschiede zwischen den Ländern herausarbeiten", sagte er. "Wir sollten unsere Gemeinsamkeiten betonen." Diesen Job werden vor allem die Schüler in den kommenden zwei Jahren übernehmen. Sie sollen im Unterricht unter anderem die Ursprünge ihrer Sprache erforschen und mit derer anderer Länder vergleichen. Das, so hoffen die Organisatoren, schafft das Bewusstsein für eine gemeinsame europäische Identität.

Trotz allem: Ein paar Unterschiede gibt es. Das ist der Spanierin Carmen bei ihrem Besuch im Schwabmünchner Gymnasium gleich aufgefallen: Das Benehmen der Schüler sei hier im Vergleich zu Spanien viel besser, sagt die Englischlehrerin. "Ich würde auch gerne in einer solchen Atmosphäre unterrichten."

Das wird sie nicht können. Doch sie wird in den kommenden zwei Jahren eng mit dem Schwabmünchner Gymnasium in Kontakt stehen. Denn das Leonhard-Wagner-Gymnasium koordiniert das Projekt federführend. Schon ab Montag wollen die Lehrer die in den vergangenen Tagen entwickelten Projekte umsetzen. Eine große Aufgabe. "Schließlich unterrichten wir die künftigen Europäer", sagt Mathelehrer Olivier Perrault aus Frankreich.

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