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Mickhausen

07.10.2019

Sind Elektroautos die neuen Renner?

Zapp heißt dieser von der Universität Augsburg gebaute Rennwagen, der beim Bergrennen ausgestellt war. In ihn zwängte sich Andreas Remmele, Leiter der Elektromobilität bei der LEW.
Bild: Reinhold Radloff

Plus Beim Bergrennen in Mickhausen starten erstmals batteriegetriebene Fahrzeuge. Haben sie Zukunft bei Automobilrennen? Die Meinungen fallen unterschiedlich aus.

Elektromobilität, das ist derzeit das große Schlagwort für Autofahrer und Fahrzeughersteller. Und jetzt wird sie auch immer mehr ein Thema im Rennsport. E-Renner beteiligten sich heuer auch erstmals beim Bergrennen in Mickhausen. Und lösten unterschiedliche Reaktionen aus.

Extrem laut, aber auch total leise ging es diesmal erstmals beim Bergrennen von Mickhausen zu. Denn der ASC Bobingen hatte sich als Ausrichter eine neue Attraktion überlegt: Neben brüllenden Boliden hat er auch nahezu lautlose Elektroautos an den Start gebeten.

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Bergrennen lockt tausende Fans an
Bild: Reinhold Radloff

Eine ganz neue Erfahrung. Der 1. E-Mobil-Bergcup, das ist schon etwas ganz Besonderes. Einerseits, weil es ihn in Mickhausen noch nie gab, andererseits, weil er unter speziellen Bedingungen abläuft. Denn es ging nicht wie all den anderen Wettfahrten um Höchstgeschwindigkeit, sondern um Gleichmäßigkeit. „Die Fahrer sollten in möglichst genau einer Minute und 37 Sekunden die Strecke bewältigen. Wer dieser Zeit am nächsten kam, war Sieger“, erklärte ASC-Vorsitzender Michael Kanth.

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Der Motorsportbund erlaubt für E-Autos keine Fahrten mit Höchstgeschwindigkeit

Warum diese Regelung? „Weil der DMSB (Deutscher Motorsportbund) diesen Fahrzeugen ohne die in Benzingefährten geforderten Sicherheitseinrichtungen wie zum Beispiel Überrollkäfig keine Höchstgeschwindigkeitsfahrten erlaubt“, so Kanth.

Es gibt ja schon seit Jahren eine Formel E, in der viele große deutsche Automobilhersteller mitfahren. Und es wären auch dort verwendete reine Rennwagen ähnlich der Formel 1, nach Mickhausen gekommen. Doch wiederum der DMSB untersagte derartige Einsätze, da E-Autos auf solchen Strecken nur zu Testfahrten außerhalb der Formel E fahren dürfen und der Mickhauser Berg nicht für Rundstrecken-Testfahrten geeignet sei. „Ich hoffe der DMSB lässt schon bald Höchstgeschwindigkeitsfahrten von E-Autos am Berg zu. Das würde ihre Attraktivität extrem steigern,“ sagt der ASC-Vorsitzende.

Konkurrenzfähig wären die elektrisch angetriebenen Gefährte allemal, denn sie können große Power entwickeln, schneller und einfacher als benzingetriebene, und das ganz ohne Abgase.

Das wird auch beim Stromversorger Lechwerke (LEW) in Augsburg so gesehen. Sie beteiligten sich erstmals als Sponsor am Mickhauser Bergrennen und fördern die E-Mobilität stark. Andreas Remmele, Leiter Elektromobilität bei der LEW, betont: „Wir sind natürlich froh darüber, wenn bei diesem Bergrennen die E-Autos die Möglichkeit haben, sich einer großen Publikumsmenge zu präsentieren und ihre Qualitäten zu zeigen. Natürlich weiß ich, dass sie unter den momentanen Rennbedingungen noch nicht mit der Attraktivität der dröhnenden Boliden mithalten können. Aber wir unterstützen gerne jede Weiterentwicklung, die Elektroautos im Alltag und im Renngeschehen attraktiver machen.“

Die Resonanz auf die E-Autos war sehr gut

Sechs Autos hatten die Lechwerke am Start, je drei als „Rennwagen“ und Renntaxis, die sehr begehrt waren. „Wir erhielten sehr viele positive Rückmeldungen, die uns anspornen, in der eingeschlagenen Richtung weiterzuarbeiten“, sagt Markus Weißenberger, der ständig mit E-Autos geschäftlich und privat unterwegs ist. Er freut sich, dass das LEW-Ladesäulenangebot jetzt schon 270 Stück in bayrisch Schwaben stark ist und in Zukunft zügig weiter ausgebaut wird.

Fabian Vettel fährt mit dem Audi S8 plus die Strecke des Bergrennens von Mickhausen.
Video: Julian Würzer

Weißenberger könnte sich im E-Rennbereich beispielsweise einen Opel-Corsa-E-Cup mit Nachwuchsrennfahrern vorstellen: „Das sollten spannende Rennen werden.“

Er hält die Elektromobilität nicht nur im Rennbereich, sondern auch im Alltagsbetrieb für die Zukunft und für stark entwicklungsfähig. „Da stehen derzeit so viele neue Entwicklungen in den Startlöchern. Da wird in den kommenden Jahren viel vorangebracht, vor allem in Sachen schnelles Laden und neuen Batterietechnologien.“

Beim Mickhauser Bergrennen sollen sowohl E-Autos als auch Benziner fahren

„Erfahrung sammeln und nutzen“, heißt laut Weißenberger die derzeitige Devise. „Ich denke in Sachen Bergrennen ließe sich schon bald ein gutes Miteinander von E- und Benzin-angetriebenen Fahrzeugen erreichen.“

Am LEW-Stand im Festzelt wurde ein von 90 Studenten der Universität Augsburg selbst gebauter Elektro-Rennwagen ausgestellt und viel bestaunt. Er bewährte sich bereits bei Wettbewerben der „Formula Student. Er heißt, nach Vorschlag der Puppenkiste Augsburg, ZAPP, bringt dank vierer Radnabenmotoren rund 200 PS, wiegt nur 201 Kilogramm und schafft damit extreme Beschleunigungswerte: Er jagt in zwei bis drei Sekunden auf 100 Stundenkilometer hoch.

Ermutigt durch die guten Resonanzen beim Mickhauser Rennen überlegen die Lechwerke, auch 2020 wieder als Sponsor aufzutreten und mit interessanten E-Fahrzeugen an den Start zu gehen: „Versprechen kann ich noch nichts. Aber ich denke, es klappt“, so Remmele.

Die Zulassungszahlen der Elektroautos im Landkreis steigen stetig, wenn auch langsam. Die Preise fallen beständig, die Zahl der Modelle steigt, ebenso wie die Reichweite mit einer Batteriefüllung. 200 bis über 500 Kilometer sind kein Problem mehr.

Ist das E-Auto also das Fortbewegungsmittel der Zukunft? Die Experten sind sich mehr oder weniger einig: Zumindest als Übergangslösung scheint es wegen der Emissionsvorgaben in Deutschland unverzichtbar. Trotzdem: Beim Rennpublikum in Mickhausen waren die Meinungen noch geteilt.

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