Newsticker

Spahn mit Corona infiziert - Kabinett muss nicht in Quarantäne
  1. Startseite
  2. Lokales (Schwabmünchen)
  3. „Singen war immer ihre Leidenschaft“

St. Hedwig

24.04.2015

„Singen war immer ihre Leidenschaft“

Anna Wagner am Vorabend ihres 100. Geburtstags mit Urgroßneffen Luka Fuchs, ihrer Nichte Hildegard Unglert und Großnichte Kathrin Fuchs.
2 Bilder
Anna Wagner am Vorabend ihres 100. Geburtstags mit Urgroßneffen Luka Fuchs, ihrer Nichte Hildegard Unglert und Großnichte Kathrin Fuchs.

Anna Wagner feiert im Seniorenzentrum ihren 100. Geburtstag – zwei Chöre gratulieren

Frank Sinatra, Edith Piaf und Anna Wagner verbindet nicht nur das gemeinsame Geburtsjahr 1915, sondern auch die Liebe zur Musik. Gestern konnte die Königsbrunnerin im Caritas -Seniorenzentrum St.-Hedwig ihren 100. Geburtstag feiern. Bereits am Vorabend gratulierte der Kirchenchor St. Ulrich seinem ältesten ehemaligen Mitglied mit einem kleinen Konzert in der Heimkapelle.

Das erste Lied stimmten die Chormitglieder noch alleine an, die Jubilarin lauschte an der Seite von Pfarrer Bernd Weidner dem Gesang. Doch dann machte sie durch Gesten klar, dass sie mitsingen möchte. Sieglinde Kreiser, Chorsängerin und langjährige Freundin von Anna Wagner, hielt ihr daraufhin ihr Notenblatt hin und die gebrechliche alte Dame sang glücklich immer wieder einige Zeilen mit. „Das lateinische Kirchenlied ,Ave Verum Corpus‘ kann sie auch noch auswendig singen“, erzählte Kreiser.

„Das Singen, das war immer ihre Leidenschaft, sie ist seit 1953 im Kirchenchor und versäumte nur selten eine Probe.“ Schon 1950 war Anna Wagner in den Gesangverein Liederkranz eingetreten, der heute Vox Corona heißt. „Dort durfte sie aber erst 1952 mitsingen, denn vorher war das ein reiner Männerchor“, erzählt Sieglinde Kreiser weiter. So hat sich zum gestrigen Geburtstag auch Vox Corona angemeldet, um die Jubilarin zu feiern, ebenso 2. Bürgermeisterin Barbara Jaser und Anna Wagners Nichte Gertrud Landherr.

Am Mittwochabend genießt die alte Dame sichtlich die Aufmerksamkeiten, in deren Mittelpunkt sie steht. Deutlich werden dabei aber auch ihre Probleme, sich zu artikulieren. Doch ihre Freude über die Sänger und Sängerinnen und den Besuch der Verwandtschaft ist offensichtlich. Ihre Nichte Hildegard Unglert ist mit Tochter Kathrin Luchs und Enkel Luka zur Vorfeier gekommen Hildegard Unglert erzählt aus dem Leben ihrer Tante: „Sie hatte wie meine Mutter und die zwei weiteren Geschwister eine sehr harte Kindheit auf einem Bauernhof in Pforzen bei Kaufbeuren. Meine Oma starb, als die Geschwister noch jung waren und mein Opa hat wieder geheiratet. Damals hieß das noch nicht Patchworkfamilie – und die Stiefmutter erinnerte wohl sehr an die Figur, die man aus Märchen kennt“. Später lief kurze Zeit wohl alles recht gut im Leben von Anna Wagner, sie heiratete Josef Wagner und zog mit ihm nach Königsbrunn in die heutige Bgm.-Wohlfahrt-Straße. Das Ehepaar bekam einen Sohn, doch es waren der Familie nur wenige gemeinsame Jahre vergönnt. Josef Wagner wurde sehr krank und starb, als der Sohn gerade 14 Jahre alt war. Aber Anna Wagner musste noch weitere Schicksalsschläge verkraften. Ihr einziges Kind kam mit 24 Jahren bei einem Badeunfall in Haunstetten ums Leben. Ihren Lebensunterhalt verdiente sich die jetzt Hundertjährige als Schneiderin. Zudem pflegte sie jahrelang Verwandte ihres Mannes, erzählt Hildegard Unglert. „Trotzdem hatte sie immer Freunde und die katholische Kirche sowie die beiden genannten Chöre waren ihr Halt und ihr Trost.“ Im Jahr 2002 beschlossen die Nichten zusammen mit ihrer Tante deren Umzug ins St.-Hedwig Altenheim, damit sie besser betreut ist und mehr Gesellschaft hat.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren