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Schwabmünchen

08.01.2019

Singold-Anwohner bekommen mehr Schutz

 Wenn bei Schwabmünchen aus dem zahmen Gewässer ein reißender Fluss wird: Die Anwohner der Singold sollen künftig besser vor Hochwasser geschützt werden. 

Plus Warum die Gegner klagten und wie der Freistaat nun den Hochwasserschutz umsetzt. Das wird allerdings teuer.

Nun ist auch an der Singold der Weg frei für mehr Hochwasserschutz. Wie das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth am Dienstag mitteilte, haben sich die Gemeinde Igling und dortige Grundstücksbesitzer verpflichtet, Klagen gegen das geplante Regenrückhaltebecken bei Holzhausen zurückzuziehen. Damit kann der Freistaat zusammen mit den Anlieger-Gemeinden ein mehrere Millionen Euro teures Schutzprojekt in die Wirklichkeit umsetzen. Baubeginn wird nicht vor Herbst 2020 sein.

Das Wasser steht im Haus und Autos sind abgetaucht

Rückblende: Das Pfingsthochwasser 1999 hat auch im Süden des Augsburger Landes Menschen in Angst und Bange versetzt – und große Schäden angerichtet. Das Wasser stand in Häusern bis ins Erdgeschoss, Autos in den Tiefgaragen sind untergegangen, draußen wurden Straßen unterspült und ganze Landstriche überflutet. Seither ist einiges geschehen. Vor allem auffällig an der Wertach, aber auch an den Flüssen in den Stauden.

Für die Singold gab es ebenso bald Pläne. Seit 2002 wurden verschiedene Varianten diskutiert. Immerhin: Es geht um den Schutz von Haus und Hof auf den Gemeindefluren von Lamerdingen, Langerringen, Schwabmünchen, Großaitingen, Wehringen und Bobingen. Sie alle sollten von einem großen Regenrückhaltebecken profitieren, welches bei Holzhausen im Gemeindebereich Igling gebaut werden soll. Denn, so argumentierte der Bezirk Schwaben nach einigen Prüfungsverfahren: Das Becken bei Holzhausen brächte bei verhältnismäßig geringem Eingriff in die Landschaft die größte Effizienz für alle Unterlieger an der Singold. Ein weiteres Argument war: Bei dem ins Auge gefassten Überschwemmungsgebiet, welches bei einer ähnlichen Regenflut das Hochwasser auffangen und die Singold bremsen sollte, handle es sich schon damals um ein Feuchtgebiet, welches öfters von der Singold überschwemmt werde.

Durch Klage blockiert

Anders sahen dies betroffene Grundbesitzer und die Gemeinde Igling. Rund 42 Hektar des Überschwemmungsgebiets läge allein auf Iglinger Flur. Das sei zu viel. Sie sahen den Vorteil vor allem für die Stadt Schwabmünchen. Darum solle der Hochwasserschutz auch näher an ihrer Flur erfolgen. Der Streit mündete in eine Klage gegen ein entsprechendes Planfeststellungsverfahren. Lange Zeit lag das Vorhaben damit auf Eis. Im vorigen Sommer schaltete sich Altlandrat Dr. Karl Vogele aus Schwabmünchen mit einem Brief an den Bayerischen Umweltminister ein.

Vor Weihnachten gelang in neuen Verhandlungen der Durchbruch, berichtet Projektleiter Maximilian Hartmann vom Wasserwirtschaftsamt. Der Freistaat Bayern habe sich mit den Klägern gegen den Planfeststellungsbeschluss zum Hochwasserrückhaltebecken Holzhausen geeinigt. Kläger und Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes Donauwörth hätten eine entsprechende Vereinbarung zur Umsetzung des Hochwasserschutzes an der Singold unterzeichnet. Die Gegner wollen noch ausstehenden Klagen gegen den Hochwasserschutz zurückzuziehen. Im Gegenzug werden umfassende Gutachten den Stand und Risiken dokumentieren, um bei einer Flutung des Beckens eventuelle Schadenersatzansprüche der Grundstücksbesitzer regeln zu können.

Das wird Millionen kosten

Hartmann spricht von einem Meilenstein für die noch ausstehenden Planungen. Im nächsten Schritt werde nun der notwendige Grunderwerb begonnen und die Ausfüh-rungsplanung für das Hochwasserrückhaltebecken ausgeschrieben. Das muss EU-weit geschehen, denn es geht um ein Großprojekt. Bereits 2015 hatten die Kostenerwartungen bei 3,65 Millionen Euro gelegen. D Ausführungsplanung könnte im Jahr 2020 der Baubeginn folgen.

Für die Gemeinden an der Singold soll sich durch das Becken ein Schutz vor einem hundertjährigen Hochwasser ergeben. Das ist ihnen auch in trockeneren Zeiten wichtig. Denn das momentan geltende Überflutungsrisiko durch die Singold bedeutet nicht nur eine ständig lauernde Gefahr von nassen Kellern. Vielmehr schränkt es seit Jahren die bauliche Entwicklung ein. Wo Überschwemmungen drohen, dürfen keine neuen Häuser gebaut werden. Andererseits besteht viel Nachfrage, um neue Baugebiete auszuweisen. Auch dazu soll der Hochwasserschutz beitragen.

Schwabmünchens Bürgermeister Lorenz Müller (CSU) zeigte sich am Dienstag in einer ersten Reaktion sehr erfreut über die Nachricht: „Ich bin sehr froh, dass jetzt endlich eine Einigung erzielt wurde. Das ist für die Stadt Schwabmünchen enorm wichtig.“ Müller betonte auch, dass sich die Stadt mit über einer Million Euro an dem Bau beteiligt. Im aktuellen Haushalt ist ein Zuschuss von 1,1 Millionen für den Bau des Hochwasserrückhaltebeckens eingestellt. „Aber das ist Geld, das wir als Stadt gerne ausgeben, denn es trägt zum Schutz unserer Bürger vor Hochwasser bei.“

In Bobingen sagte Bürgermeister Bernd Müller dazu. „Bobingen, als nördlichster Anrainer im Landkreis Augsburg, profitiert am wenigsten unmittelbar durch die Maßnahme Holzhausen. Dennoch erhoffen wir nun mit unseren Nachbarn Wehringen und Großaitingen eine zügige Umsetzung des Gesamtkonzeptes Hochwasserschutz Singold.“ Er geht durch einen geringen unmittelbaren Nutzen für seine Stadt von einem Betrag von rund 10 000 Euro als Kostenbeteiligung für Bobingen aus.(mit nos, veli)

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