1. Startseite
  2. Lokales (Schwabmünchen)
  3. So schafft Bobingen in der Not neue Kita-Plätze

Bobingen

21.03.2019

So schafft Bobingen in der Not neue Kita-Plätze

Im Westflügel der ehemaligen Mädchenschule wird ein neuer Kindergarten untergebracht. Der Umbau zum Bürgerhaus wird dazu einige Jahre verschoben.
Bild: Pitt Schurian

Der Bedarf steigt schneller als das Angebot. Also müssen weitere Provisorien her. Nach der Singoldhalle wird die alte Mädchenschule Platz für Kindergartengruppen schaffen. Warum wird die Stadt überrascht?

Der Bedarf an Kita-Plätzen wächst auch in Bobingen schneller als das Angebot. Fest steht, dass die Stadt um weitere Notlösungen nicht herumkommt, um allen Anmeldungen von Buben und Mädchen für Krippen oder Kindergärten nachzukommen. Laut der Anmeldungen vom Februar fehlen in Bobingen im kommenden Herbst 20 Krippenplätze und voraussichtlich elf bis 25 Kindergartenplätze. Die Tendenz: Der Bedarf nimmt von Jahr zu Jahr schneller zu, als es die Prognosen vorhersagen und die neue Kita-Räume fertig werden. Vor einem Jahr gab es in Bobingen 635 Kita-Plätze, momentan sind es 680.

Flaschenhals bis zum Herbst 2020

Zwar treibt die Stadt mit den verschiedenen örtlichen Trägern die Erweiterung beziehungsweise Neubauten von Kindergärten voran, doch die Genehmigungs- und Zuschussverfahren sowie Planungsphasen kosten Zeit. Bürgermeister Bernd Müller spricht von einem Flaschenhals bis Herbst 2020.

Eine zwischenzeitliche Unterbringung in Containern – so wie es andere Kommunen in der Not planen – lehnt eine Mehrheit des Stadtrates ab, solange städtische Liegenschaften genutzt werden können. Eine Containerlösung wäre nicht besser und nicht billiger, sagte Bürgermeister Bernd Müller am Dienstagabend im Hauptausschuss des Stadtrates zu einem Vorschlag der FBU: Denn der Markt für geeignete Container sei begrenzt, die Stadt würde dafür ebenfalls ein Grundstück benötigen und müsste die Anlage mit Wasser und Strom erschließen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Der von der Stadtverwaltung zusammen mit den örtlichen Kirchen und dem Regenbogenverein erarbeitete Plan sieht anders aus:

Im ersten Stock der alten Mädchenschule richtet das nahe gelegene Kinderhaus St. Christophorus eine Außenstelle ein. Die Stadt schafft hierzu Platz für 50 Buben und Mädchen im Kindergartenalter. Diese Übergangslösung wird auf zwei Jahre befristet. Danach sollen die Räume als Ausweichquartier für die Kita der Pfarrei zur Heiligen Familie dienen, welche eine Generalsanierung ihrer Tagesstätte plant. Der Umbau der Mädchenschule zum Bürgerhaus mit neuer Stadtbücherei wird auf das Jahr 2024 verschoben.

Auch Generationentreff wird zum Kindergarten

Ab dem kommenden Herbst betreibt der Verein in seinem Generationentreff an der Greifstraße eine zweite Kindergartengruppe mit 20 Buben und Mädchen. Im Herbst 2021 soll dann der neue Erweiterungsbau bezogen werden. Er wird Platz für zwei KiGa-Gruppen bieten. Eine Hiobsbotschaft brachte Stadtkämmerer Alexander Ziegler allerdings am Dienstag in den Hauptausschuss mit: Die veranschlagten Baukosten von knapp zwei Millionen Euro werden nicht ausreichen. Der Eingang der Ausschreibungsergebnisse lässt Mehrkosten von 250 000 bis 300 000 Euro erwarten. Singoldhalle Um auch dem aktuellen Bedarf an Krippenplätzen gerecht zu werden, wird die Außenstelle des evangelischen Kindergartens im Ostteil der Singoldhalle gänzlich zur Kinderkrippe. Neun Schützlinge im Kindergartenalter nimmt das Kinderhaus St. Felizitas auf, andere wechseln in die Mädchenschule.

Damit, so hofft die Stadt, könne sie auch einem weiter steigenden Bedarf gerecht werden. Eine dauerhafte Entlastung erhofft sie durch die geplanten Neubauten beim Regenbogenhaus, in Straßberg sowie durch den neuen evangelischen Kindergarten an der Wertachstraße. Auch Letzterer wird laut aktueller Angebotspreise teurer als erwartet: Er wird statt 4,2 Millionen Euro wohl 4,9 Millionen kosten.

Warum die Planung oft daneben liegt

Warum ist es so schwer, Entwicklungen vorherzusehen? Tatsache ist: In Bobingen wurde in den vergangenen 30 Jahren mehrfach ein Wandel in der Bevölkerungsstruktur vorhergesagt. Und es kam immer anders. Der wirtschaftliche Wandel in der Chemieindustrie war anfangs eine Ursache. Doch auch in jüngster Vergangenheit wurde die Stadt immer wieder von einer Kluft zwischen Vorhersagen und tatsächlicher Entwicklung in der Bevölkerungsstruktur überrascht. In Bobingen wurden bereits Konzepte für Folgen des demografischen Wandels erörtert, welche einen Leerstand an Schulen erwarten ließ. Tatsächlich herrscht dort heute eher Platznot. Stattdessen ist die Ganztagsbetreuung eine Herausforderung. Computerräume werden aufgelöst – und übrigens im Zeitalter von Laptop- und i-Pad-Klassen sowieso weniger gebraucht. Die Nähe zu Augsburg verschafft Bevölkerungswachstum, der ganze Landkreis gilt als Wachstumsregion. Mehr Kinder sind eine Folge davon. Allerdings werden keineswegs alle Neugeborenen pünktlich drei Jahre später für den Kindergarten angemeldet.

Manche Eltern machen dies später oder gar nicht, andere suchen hingegen schon nach sechs Wochen einen Krippenplatz. Das bedeutet aber nicht, dass die Kinder dann durchgehend bis zur Einschulung erscheinen. Familiäre Situationen und Möglichkeiten ändern sich häufig. Es gibt daher staatlich geregelte Schlüssel zur Ermittlung des Versorgungsbedarfs von Kommunen. In Bobingen liegt er bei 40 Prozent – höher als in ländlichen Gebieten. Doch landesweit steigt der Bedarf immer schneller. Dass immer mehr junge Mütter arbeiten, ist allgemeiner Trend. Hinzu kommt noch, dass immer mehr Mütter ganztags arbeiten.

Die Stadt Bobingen habe sich zuletzt an der jeweils aktuellen Sozialraumanalyse durch den Landkreis orientiert, sagt Bürgermeister Bernd Müller zu einer Nachfrage unserer Zeitung. Diese beleuchtet die Bevölkerungsstruktur bis in Alters- und Berufsgruppen hinein. Doch auch dieses Orientierungsinstrument scheint nur bedingt verlässlich. Entscheidende Faktoren seien die individuellen Wünsche und Bedürfnisse der Familien, deren Auswirkung sich in der Masse schwer vorhersagen lasse. „Es ist schwer, künftige Elternwillen vorherzusagen“, sagt Müller. Zusätzlich werde die Nachfrage nach Kita-Plätzen angeheizt durch das sogenannte Södergeld, mit dem Eltern die Kita-Gebühr schon ab dem ersten Jahr locker bezahlen können.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren