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Bürgerversammlung

15.11.2019

So schwer ist der Kampf gegen Wohnungsnot

Auf den zwei leeren Baugrundstücken im Vordergrund an der Peter-Dörfler-Straße baut die Gemeinde Mehrfamilienhäuser zu erschwinglichen Mieten.
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Auf den zwei leeren Baugrundstücken im Vordergrund an der Peter-Dörfler-Straße baut die Gemeinde Mehrfamilienhäuser zu erschwinglichen Mieten.

In Graben zeigt Bürgermeister Andreas Scharf das Spannungsfeld zwischen politischem Wollen und Realität auf. Er geht auch auf die großen aktuellen Projekte der Gemeinde ein

Ob es Desinteresse oder Zufriedenheit an der Arbeit der kommunalen Verwaltung oder des Gemeinderates war, konnte nicht geklärt werden. Rund 40 Interessierte kamen zur diesjährigen Gemeindeversammlung in Graben im Bürgersaal, um den Worten von Bürgermeister Andreas Scharf zu aktuellen Themen zu folgen. Die wenigen Fragen und Einwürfe während der Veranstaltung waren wohl eher ein positives Zeugnis für die Arbeit der Verwaltung.

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Eindrucksvoll schilderte Scharf die Situation der kommunalen Gremien, die sich ständig in der Diskussion über Flächenverbrauch, Nachverdichtung, Wohnungsnot, Mietpreiserhöhungen steigende Grundstückspreise oder kommunale Planungshoheit wiederfänden. „Die Preisfrage ist: Was soll der Gemeinderat tun? Während der Staat mehr Wohnungen fordert und die Regierung von Schwaben die Ortskerne stärken möchte, will aber in den Altorten kein potenzieller Eigentümer verkaufen, da die Finanzgesetzgebung Steuern von 50 Prozent fordert. Die politischen Parteien hingegen sprechen sich gegen Flächenfraß aus oder fordern die Gemeinden auf, mithilfe von kommunalen Wohnungsbaugesellschaften der Wohnungsnot auf den Leib zu rücken“, zeigte Bürgermeister Scharf das Spannungsfeld auf. In diesem Zusammenhang dankte er den Mitgliedern des Gemeinderates für ihre Arbeit. „Ohne das ehrenamtliche Engagement im Rat und die damit verbundene Übernahme von Verantwortung hätte sich unsere Gemeinde nicht so entwickeln können“, sagte er.

Die Entwicklung von Wohnbau- und Gewerbeflächen, in der öffentlichen Diskussion ein oft aufgenommenes Thema, stellte der Bürgermeister in den Mittelpunkt. „Der Gemeinderat verfolgt seit 2009 die Entwicklung der Wohnbebauung von Graben aus nach Osten und vom Ortsteil Lagerlechfeld nach Westen als vordringliches Ziel“, sagte er und fügte hinzu, dass diese Annäherung bei einem Wachstum von 40 bis 60 Personen realisiert werden soll. Anhand von Skizzen präsentierte er die Entwicklung der Baugebiete über die Jahrzehnte. Der Lückenschluss der beiden Dorfbereiche werde frühestens in 25 Jahren Realität, ergänzte er und richtete eine Feststellung an mögliche Kritiker: „Das ist definitiv kein übertriebenes Wachstum.“

So schwer ist der Kampf gegen Wohnungsnot

Zur Verbesserung der Wohnsituation zu bezahlbaren Mieten habe sich die Kommune entschieden, im Bereich der Peter-Dörfler-Straße von zwei Mehrfamilienhäusern mit je sechs Wohneinheiten zu bauen, schloss Scharf das Thema Wohnungsbau ab.

Ebenso warf er einen Rückblick auf die Entstehung und Entwicklung der Gewerbegebiete und stellte auf die Frage aus dem Publikum zur Größe des Amazon-Parkplatzes fest: „Damals, im Jahr 2009, hat keiner vom Thema Flächenversiegelung gesprochen. Hätte es eine größere Nachfrage gegeben, hätte man anders geplant; das Thema Parkhaus hätte sicherlich auf dem Tisch gelegen.“ Die Argumentationen zum Flächenfraß seien nachvollziehbar, jedoch basierten sie auf die heutige Sicht und Bewertung des Themas. Auf der anderen Seite dürfe nicht vergessen werden, dass Projekte wie die Sporthalle oder das Kulturzentrum ohne die Gewerbesteuereinnahmen, seiner Darstellung nach 1,2 Millionen Euro pro Jahr seit 2012, nicht hätten realisiert werden können.

Für den Friedhof in Lagerlechfeld kündigte der Bürgermeister mit Blick auf das Jahr 2020 umfangreiche Umbaumaßnahmen an: „Ein neuer Zugang wird auf der Westseite geschaffen, der Entsorgungsbereich wird in Richtung Nordwesten verlagert, das Wegenetz wird erweitert. Weiterhin wird an der Straße im Süden des Geländes ein Gehweg gebaut werden und die Umgestaltung der Mitte des Friedhofes von Kies in Rasen in Angriff genommen.“ Für weitere Maßnahmen wie den Umbau des Leichenhauses, seien die Planungen weit fortgeschritten.

Die Renovierung der Sporthalle in Lagerlechfeld, deren Gesamtkosten um die eine Million Euro betragen wird, stehe kurz vor dem Abschluss. „Den Löwenanteil der Kosten von 300000 Euro verschlang dabei die neue Heizungs- und Lüftungsanlage. Die Halle kann sich aber jetzt sehen lassen. Einen Bürgertag zu Besichtigung planen wir Anfang 2020“, erklärte Scharf.

Der neue Wertstoffhof neben dem Edeka-Markt werde ebenfalls im Jahr 2020 begonnen. „Der alte Hof, in den 1980er-Jahren gebaut, ist auf 1700 Einwohner ausgelegt. Mittlerweile haben wir über 4000 Einwohner in beiden Ortsteilen“, sagte Scharf. Die Kosten für den Neubau beliefen sich auf 280000 Euro, wovon der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises 100000 Euro übernehme.

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