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Königsbrunn

15.01.2021

Sollen Königsbrunns Schüler Luftfilter für ihre Klassen bekommen?

Wie gut sind mobile Luftfilter? Der Königsbrunner Stadtrat hat sich mit dieser Frage im Zuge der Diskussion über eine Anschaffung für die Schulen beschäftigt.
Foto: stock.adobe.com (Symbolfoto)

Plus Vor dem Corona-Lockdown saßen Königsbrunner Schüler und Lehrer bei offenen Fenster im Unterricht. Doch können moderne Luftfilter das ständige Lüften ersetzen?

Der Unterricht in den Schulen gehört im ganzen Land zu den heiß diskutierten Themen. Die Staatsregierung setzte vor dem Lockdown auf häufiges Stoßlüften als Schutz vor Infektionen. Mit fortschreitendem Jahr bedeutet das aber auch frostige Temperaturen in den Klassenzimmern, die Lehrern und Schülern den Spaß am Lehren und Lernen gehörig vermiesten. Nach einer Initiative der Elternbeiratsvorsitzenden aller drei Königsbrunner Grundschulen hat Peter Sommer (BbK) den Antrag in den Stadtrat eingebracht, Luftfilteranlagen für alle Königsbrunner Grundschulen und die Mittelschule anzuschaffen. Die Geräte sollen die Luft im Klassenzimmer reinigen und den Kindern wenigstens einige Lüftungsdurchgänge ersparen. Im Stadtrat gab es in der aktuellen Sitzung aber aus verschiedenen Gründen keine Zustimmung für diesen Vorschlag.

In einem Brief an den Bürgermeister schildern die Elternbeiratsvorsitzenden ihre Position. Laut den Vorschriften sollen die Klassenzimmer alle 20 Minuten für drei bis fünf Minuten stoßgelüftet und in den Pausen alle Räume quergelüftet werden. Schon vor der Schließung der Schulen seien die Räume unter diesen Umständen nicht mehr warm geworden, Kinder saßen teilweise mit Jacke, Mütze und Schal im Unterricht. Zudem brächten die Temperaturwechsel ein zusätzliches Erkrankungsrisiko, während das Corona-Virus sich bei Kälte ebenfalls gut verbreite.

Stadt Königsbrunn hat bereits Angebote für Filter für fensterlose Schulräume eingeholt

Die Stadt hat bereits Angebote für zehn mobile Luftfilter für Unterrichtsräume eingeholt, die sich nicht durch das Öffnen der Fenster belüften lassen. Ein Förderbescheid liegt aber noch nicht vor. Gleiches gilt für die Beschaffung von CO2-Sensoren. Seit Weihnachten gewährt das Kultusministerium auch Zuschüsse für den Kauf von Filteranlagen für Räume mit Fenstern. Die Anmeldung läuft nach dem Prinzip: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Durch die derzeitige Schließung der Schulen habe man Zeit gewonnen, die Geräte zu beschaffen, sagte Peter Sommer.

Die Stadtverwaltung hat ausgerechnet, was eine komplette Ausstattung der Grund- und Mittelschulen kosten würde: Eine Anschaffung für alle 137 Klassenzimmer würde demnach 685.000 Euro kosten. Vom Freistaat bekäme man maximal 239.750 Euro, die Stadt müsste als 445.250 Euro aus der eigenen Tasche bezahlen. Zu den Beschaffungskosten kämen auch Folgekosten für die Erneuerung der Filter. Allerdings sei nicht klar, inwieweit die Kinder und Lehrer tatsächlich von dieser Investition profitieren würden, sagte Thomas Helmschrott, geschäftsleitender Beamter im Rathaus: Die Sachlage sei extrem komplex. Beispielsweise seien die Geräte, die im Dezember noch gefördert wurden, nun nicht mehr förderfähig. "Wenn wir einer solchen Anschaffung nähertreten würden, bräuchten wir in jedem Fall einen externen Experten, der uns genau sagt, was zu tun ist", sagte Helmschrott.

Wie gut mobile Filteranlagen gegen das Coronavirus wirken, ist unklar

Denn derzeit ist durchaus umstritten, wie die mobilen Anlagen im Kampf gegen das Coronavirus wirken. In der Tischvorlage, die Helmschrott an die Stadträte verteilt hatte, waren einige Stimmen, die vor zu großen Erwartungen an die Anlagen warnten. Die Stiftung Warentest hatte zuletzt Geräte auf ihre Wirkung getestet, die aber zu klein für ein Klassenzimmer mit 30 Kindern sind. Zudem bestätigte das Umweltbundesamt im November, dass die Geräte "lediglich in Ausnahmefällen als zusätzliche Maßnahme gerechtfertigt seien. Die Wirksamkeit (...) sei im Hinblick auf die Reduzierung von Sars-Cov-2-Viren in vielen Fällen nicht eindeutig nachgewiesen. Hinzu komme, dass die elektrisch betriebenen Anlagen die Stromnetze der Schulen an ihre Belastungsgrenzen bringen könnten, wenn sie neben den normalen Unterrichtsutensilien im Dauerbetrieb liefen.

Klar sei nur, dass die Geräte die Lüftung Stand jetzt auf keinen Fall ersetzen, sagte Bürgermeister Franz Feigl. Die vorliegenden Fakten machten die Entscheidung über eine sofortige Anschaffung schwierig: "Denn bis wir die Geräte dann haben, ist der Winter durch." Daher rate die Verwaltung momentan eher von einer Kaufentscheidung ab. Man beobachte die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse genau - beispielsweise forscht die Universität der Bundeswehr in Neubiberg intensiv zu dem Thema -, sodass man sich frühzeitig auf den nächsten Winter vorbereiten könne.

Königsbrunner Stadträte wollen mehr Informationen für eine Entscheidung

Alle Redner in der folgenden Diskussion waren sich einig, dass man zwar alles für bestmögliche Lernbedingungen tun sollte. Um die hohe Beschaffungskosten zu stemmen, reiche die Datenlage nicht aus, sagten Helmut Schuler (Freie Wähler) und Alwin Jung (Grüne). Schulreferentin Ingrid Gärtner (CSU) wies darauf hin, dass die Kanzlerin bereits eine weitere Verlängerung des Lockdown angekündigt habe. Daher könne man frühestens im Februar wieder Wechselunterricht anbieten, und mit den halben Klassen seien die Hygienekonzepte der Schulen gut umsetzbar. Sie lobte, wie gut Kinder und Eltern die Maßnahmen mitgetragen hätten.

Peter Sommers Antrag, einen wissenschaftlichen Experten über den Nutzen der Filteranlagen zurate zu ziehen, wurde mit 8:21 Stimmen abgelehnt. Im Fall der umgebauten Grundschulen Nord und Süd prüft das technische Bauamt derzeit, welche Auswirkung das dort verbaute Lüftungssystem auf die Aerosolbelastung in den Räumen hat.

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