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Landkreis Augsburg

08.09.2015

Spender bringen keinen Ramsch

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Die Mitarbeiterinnen im BRK-Laden Elli Hildensperger und Ruth Debler (von links) sortieren Kleider ein.

Beim Roten Kreuz erleben die Mitarbeiter eine große Hilfsbereitschaft. Manche kaufen sogar extra ein, um die Sachen dann zu spenden. 

„Schibschib“ bedeutet „Pantoffel“ und hört sich, ausgesprochen, für schwäbische Ohren witzig an. Das arabische Wort kennt Thomas Haugg, Geschäftsführer des BRK Augsburg-Land, inzwischen. Vermutlich wird er es noch brauchen können, denn bislang haben sich seine Mitarbeiter und er bei Einsätzen, in denen es Flüchtlinge zu versorgen galt, meist mit Händen und Füßen zur Verständigung geholfen.

Fröhlich hält Haugg ein Buch in der Hand, ein besonderes Lexikon. Es wurde der BRK-Geschäftsstelle über Amazon geschickt, als Spende eines Bürgers für die Flüchtlinge. Das visuelle Wörterbuch Arabisch-Deutsch ist für Haugg und seine Mannschaft im Rot-Kreuz-Zentrum in Göggingen ein Zeichen der besonderen Hilfsbereitschaft, die das BRK in Sachen Asylbewerber und Flüchtlinge erreicht. Auch ein neues Bildwörterbuch von Duden liegt auf dem Schreibtisch von Haugg, ebenso eine Spende für die Flüchtlinge, sowie ein kleiner Erzählband „Hallöle sucht das Turamichele“: wohl eine liebevoll gemeinte erste Heimatkunde für Kinder…

Winderkleidung ist gefragt

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„Die Spendenbereitschaft der Bevölkerung im Landkreis Augsburg ist extrem hoch“, stellen Haugg und Simone Falkenstein, stellvertretende Sachgebietsleiterin Sozialarbeit, fest. Die Kleiderständer und Regale im Rot-Kreuz-Laden sind so voll wie nie zuvor. Immer wieder werden auch Pakete mit Kleidung und Spielzeug abgegeben, die eigens mit dem Vermerk „für die Asylbewerber“ beziehungsweise „Flüchtlinge“ versehen sind. Haugg freut sich, dass die Bevölkerung ein großes Herz für die in unserer Region angekommenen Menschen hat. Vor allem handle es sich bei den Spenden um brauchbare Artikel, weist Simone Falkenstein hin: „Kein Ramsch! Viele Leute rufen uns vorher auch an und fragen, was benötigt wird.“ Manche würden sogar extra einkaufen gehen und neue Kleidung und Spielzeug im Laden abliefern.

Aktuell sucht das BRK vor allem Herbst- und Winterkleidung; die kalte Jahreszeit naht. Im Allgemeinen können sich Flüchtlinge und Asylbewerber im Rot-Kreuz-Laden selbst Hosen, Jacken, Röcke, Schuhe aussuchen: Das BRK fuhr etwa die in Langenneufnach untergebrachten Flüchtlinge dazu eigens nach Göggingen. Aber als Anfang August die Dreifachturnhalle der Eichenwaldschule in Neusäß überraschend erste Unterkunft für 200 Flüchtlinge wurde, musste Thomas Haugg improvisieren: Er packte Kleidung und Spielzeug in einen Transporter und brachte diese direkt vor Ort. In Neusäß hatten rund 16 ehrenamtliche Helfer des BRK Augsburg-Land bereits beim Aufbau des Bettenlagers geholfen, tags darauf waren weitere zehn Helfer „im Dreischichtsystem“ von morgens bis nachts im Einsatz, erinnert Thomas Haugg an die Herausforderung.

Ämter und Verbände arbeiten zusammen

Seit knapp drei Jahren unterstützt der BRK Kreisverband Augsburg-Land die Versorgung der Flüchtlinge in der Region. Vor Kurzem wurde nun in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt, dem Gesundheitsamt und den im BRK-Vorstand vertretenden Chefärzten ein „Ablaufplan“ für den Asyleinsatz erstellt, der Schnittstellen klären und Übersicht bei der Versorgung herstellen soll – vom „Erstscreening“ bis zur Nachuntersuchung. Hier geht es unter anderem um die medizinische Versorgung der Neuankömmlinge, um die notwendige Vorhaltung von Medikamenten, aber auch um den gesundheitlichen Schutz der Mitarbeiter des BRK und der Ehrenamtlichen im Einsatz.

„Helfer suchen dringend Helfer“ lautet der Appell von Thomas Haugg und Annemarie Finkel, stellvertretende Vorsitzende des BRK-Kreisverbands. Gerade im Rot-Kreuz-Laden seien wegen der Flut der Spenden weitere ehrenamtliche Helfer notwendig, die sortieren, einordnen, die Besucher betreuen. Ob hier oder im direkten Einsatz für Flüchtlinge: „Man bekommt als Ehrenamtlicher immer etwas zurück“, betont Haugg den gegenseitigen Nutzen und weist auf die Freude einer Helferin hin, die mit einem Flüchtlingskind Ball gespielt hat.

So kann geholfen werden

Der Laden wird ehrenamtlich betrieben und ist von Montag bis Freitag in Göggingen von 9 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Auch in Bobingen gibt es einen Rot-Kreuz-Laden (geöffnet Montag bis Freitag 9 Uhr bis 16 Uhr). Interessierte Helfer, die auch einmal einen halben Tag „schnuppern“ können, sollen sich bei Simone Falkenstein melden unter Telefon 0821/900124 oder falkenstein@kvaugsburg-land.brk.de. 

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