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Campus-Vortrag

16.07.2015

„Spiel und Regeln“ des Lech

Dr. Stefan Lindl schildert, wie der Lech gezähmt wurde und was das heute für Probleme macht

Spannende Geschichten vom früher wilden, heute gezähmte Lech und anschauliche Beispiele für die Wirkungen, die Eingriffe des Menschen auf die Natur haben, bot der Vortrag „Der Lech – Spiel und Regeln eines Flusses“, der im Rahmen der Reihe Königsbrunner Campus stattfand. Dr. Stefan Lindl vom Lehrstuhl für Europäische Regionalgeschichte und Bayerische und Schwäbische Landesgeschichte der Uni Augsburg nahm die Zuhörer mit auf eine (Zeit)-Reise entlang des prägenden Flusses unserer Heimat.

Die große Resonanz zeige, wie eng die Königsbrunner mit dem Lech verbunden seien, stellte die Leiterin des Kulturbüros, Ursula Off -Melcher, in ihrer Begrüßung fest.

Mit einer Reihe von Bildern zeigte Lindl die Schönheiten des wilden Lech, aber auch die Idylle von Menschen geschaffener Anlagen wie dem Mandichosee (der Lechstaustufe 23) oder dem Kuhsee. „Was ist schöner?“, fragte er die Zuhörer. „Es kommt auf die Perspektive an“, betonte Lindl in seinem Vortrag mehrmals. So habe sich der Blickwinkel der Menschen auf den Lech in den letzten 150 Jahren deutlich gewandelt. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Lech auf der österreichischen Seite in Schriftstücken als „wild, trostlos und ungezähmt mit viel Geröll“beschrieben.

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Erst in den 1980er Jahren änderte sich die Wahrnehmung. Heute gilt er eher als Naturschönheit. In einem Bericht des World Wildlife Fund (WWF) wurde der Lech 2006 als „Pracht eines Gebirgsflusses“ beschrieben. Mit einer Länge von rund 264 Kilometern und etwa 1500 Höhenmetern von der Quelle bis zur Mündung in die Donau ist der Fluß ein „kräftiger, energiegeladener Fluß“, so Lindl, der aber durch die Staustufen auch ein „armer, aufgestauter, ferngesteuerter Fluss“ geworden sei.

Früher habe der Lech „autopoietisch“, also im fortwährenden Prozess der Selbsterschaffung und -erhaltung, funktioniert, erläuterte der Kulturwissenschaftler. Durch seine enorme Kraft schleppte der Fluss viel Schotter aus den Alpen und hat damit seine Flussbett selbst reguliert. Über Jahrhunderte gab es ein Gleichgewicht zwischen Geschiebe und Schleppkraft des Flusses. Heute unterliegt der Lech einem „allopoietischen System“, so Lidl, ist also nicht mehr selbstregulierend. Durch Querverbauungen gibt es zu wenig Geschiebe, also Schotter, im Flussbett, durch Längsverbauungen ist gleichzeitig eine höhere Schiebekraft vorhanden. Dadurch gräbt sich der Fluss tiefer ein, bei Hochwasser nimmt er sogar noch Sohle, also Flussbett, mit. Deswegen müsse man heute dem Lech in unserer Region Schotter zugefügen.

Doch ein Blick in die Historie mache deutlich, dass bereits seit dem späten Mittelalter Eingriffe auf österreichischer Seite Auswirkungen bis heute haben, führte Lindl fort. Unkontrollierter Holzschlag in den Bergen führte schon früh zu überhöhtem Eintrag von Geschiebe und damit zu weiteren Problemen. Als Folge baute man in Tirol Geschiebesperren und reduzierte damit das Geschiebe in Bayern.

Staumauern und Sohlstufen in Bayern waren also notwendig, um die Schleppkraft des Lech zu vermindern und damit Sohle-Eintiefungen zu vermeiden. Einmal mehr komme es also auf die Perspektive an, schloss Dr. Stefan Lindl seinen kurzweiligen Vortrag.

der aktuellen Reihe Königsbrunner Campus spricht am Montag, 20. Juli, um 19 Uhr Prof. Dr. Klaus Wolf im Mehrgenerationenpark über das Thema „Deutsch als Wissenschaftssprache? Oder: Werden wir vom Englischen überrollt?“ Einlasskarten dafür gibt es im Kulturbüro Königsbrunn.

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