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Untermeitingen

11.07.2020

Sport: Mit 81 Jahren hält sie die Senioren in Untermeitingen fit

UNT-Sportlerin Gerlinde Klingshirn ist seit über 50 Jahren als Übungsleiterin beim SV Untermeitingen tätig. Früher bot sie Mutter-Kind-Kurse an, heute trainiert sie Senioren. Dabei ist die 81-Jährige meist die Älteste im Kurs.
Bild: Reinhold Radloff

Plus Gerlinde Klingshirn arbeitet seit über 50 Jahren als Übungsleiterin beim SV Untermeitingen. Denn die 81-Jährige weiß, wie man körperlich und geistig gesund bleibt.

Zuverlässig, engagiert, gewissenhaft und einfühlsam – so beschreibt Isabella Uhl, Vorsitzende des SV Untermeitingen, eine ihrer ganz besonderen Übungsleiterinnen: Gerlinde Klingshirn. Seit über 60 Jahren ist sie Mitglied im Verein, seit über 50 Jahren ist sie als Übungsleiterin tätig und will es auch noch lange bleiben. Zumindest so lange, bis das letzte Enkelkind groß ist, wie die 81-Jährige sagt.

Weil es billige Bauplätze in Untermeitingen gab, zog Klingshirn zusammen mit ihrem Mann Michael aufs Lechfeld. Das ist über 60 Jahre her. Inzwischen haben die gebürtigen Höchstädter zweimal gebaut und ihre Familie vergrößert: Um vier Töchter, neun Enkel und einen Urenkel.

Sie bereitet sich auf jede Stunde vor – zur Freude der Teilnehmer

Neben all den Aufgaben, die das Familienleben forderte, begeisterte sich Klingshirn immer auch für den Sport im Verein. „Ich habe nie Wettkämpfe bestritten, dafür immer Gruppen beim SV Untermeitingen betreut“, sagt die 81-Jährige, die inzwischen Ehrenmitglied im Verein ist. Klingshirn betreute zuerst das Bubenturnen und übernahm dann die Mutter-Kind-Gruppen. Weil ihr das so viel Spaß machte, und den Müttern und Kindern ebenfalls, blieb sie am Ball.

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Aus einer Gruppe wurden vier. Um den Kursteilnehmern noch mehr sportliche Tipps geben zu können, machte Klingshirn verschiedene Übungsleiterausbildungen und absolvierte zahlreiche Fortbildungen. Sie bereitet jede Stunde akribisch vor und erntete dafür viel Anerkennung. „Als ich mal die Vertretung von Gerlinde übernahm, fragten die Kinder nach Frau Klings“, erzählt Vereinsvorsitzende Uhl. Und Klingshirn fügt hinzu: „Mir war jedes Kind wichtig. Es war schön, zu sehen, wie sie immer selbstständiger wurden.“

Die 81-jährige Übungsleiterin ist meist die Älteste im Kurs

Vor zwei Jahren übergab sie dann endgültig das Mutter-Kind-Turnen an Fanny Lauterer. Doch zur Ruhe gesetzt hat sich Klingshirn damit noch lange nicht. Denn schon vor zehn Jahren hatte sie etwas Neues begonnen: den Seniorensport. Sie baute die Gruppe auf. Inzwischen kommen meist ein gutes Dutzend Sportler, darunter auch zwei Männer. Klingshirn ist fast immer die Älteste im Kurs.

Alle sind mit Begeisterung dabei. „Es ist wichtig, im Alter Geist und Körper anzuregen. Das hält fit“, erklärt die Übungsleiterin. Wenn sie das sagt, klingt es authentisch. Denn die 81-Jährige ist das beste Beispiel: rank und schlank, beweglich, geistig rege und gesund. Damit das so bleibt, hat sie einen Tipp: „Man darf sich nie gehen lassen, sondern muss immer was tun.“

Die Turnhalle, das war und ist ihr Leben. Wenn ich dort bin, ist alles andere weg. Übungsleiter zu sein, ist einfach wunderbar“, sagt Klingshirn, die auch schon im Vorstand des SV Untermeitingen mitarbeitete. „Sportlehrerin wäre der ideale Beruf für mich gewesen“, sagt die 81-Jährige. Ihr Rezept, damit alle gern zu ihr kommen: „Nicht rumkritisieren, sondern Freude bereiten, lachen, Spaß haben.“

Gerlinde Klingshirn hält sich nicht nur mit Sport fit, sondern unter anderem auch mit Gartenarbeit.
Bild: Andrea Warnecke, dpa-tmn (Symbolbild)

Um kein Risiko wegen Corona einzugehen, sportelt Klingshirn allein

Als die schlimmste Zeit ihres Lebens bezeichnet sie die Corona-Pandemie. „Mir gehen meine Senioren furchtbar ab. Für mich und sie ist die Sportstunde das Highlight der Woche“, sagt Klingshirn. Doch trotz der Ausfälle und coronabedingen Einschränkungen weiß sie sich zu beschäftigen: Mit Gartenarbeit, Spaziergängen, Radtouren oder Gymnastik zu Hause. Auch für das Sportabzeichen, das sie seit Jahrzehnten absolviert, trainiert sie.

Um kein Risiko einzugehen und sich nicht mit Covid-19 zu infizieren, sportelt sie allein. Kirchenchor, Schützen, Theater- oder Obst- und Gartenbauverein – alles was Klingshirn gerne macht, ruht. „Ich freu mich so drauf, wieder Leute zu treffen und Stunden zu geben“, sagt die 81-Jährige. Und sie weiß: Ihren Mitmenschen geht es nicht anders. „Ich habe nach jeder Stunde Pfennigguazla an die Kinder verteilt“, sagt die langjährige Übungsleiterin. Eine Mutter habe ihr erzählt, wie sie ihrem Sohn mal die Bonbons kaufte. Doch er wollte sie nicht und sagte: „Die sind nicht von Gerlinde.“

Ihre Sportstunden sind unverwechselbar. Denn noch eine Besonderheit bringt Klingshirn immer mit ein: „Seit Jahrzehnten singen wir nach jeder Stunde dasselbe Lied und alle warten darauf. Es heißt: „Heim, heim wollen wir gehen, auf Wiedersehen.“ Zur nächsten Stunden sind dann aber wieder alle dabei.

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