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02.06.2009

Staatssekretär schimpft auf den Handel und die Molkereien

Landkreis Augsburg/Biburg (bwel) - Voll besetzt war der Saal im Gasthaus Holzapfel in Biburg (Diedorf) bei der diesjährigen Kreisversammlung des Bayerischen Bauernverbandes. Grund: Die Ortsbäuerinnen und Ortsobmänner erhofften sich eine klare Stellungnahme zur prekären Preissituation für landwirtschaftliche Erzeugnisse, allen voran bei der Milch, durch den Staatssekretär im Berliner Landwirtschaftsministerium, Gerd Müller.

Der Landfrauenchor Augsburg, der kürzlich sein 15. Jubiläum feierte, eröffnete die Veranstaltung mit beschwingten Weisen und einem Extralied für den Bundestagsabgeordneten Eduard Oswald, der beim Jubiläumskonzert verhindert war. BBV-Kreisobmann Gerhard Ringler betonte, dass jedes Jahr rund 10 000 Betriebe aufhörten und dies zu einem Verlust von 20 000 Arbeitsplätzen führe. "Die neuen Preisabschlüsse bei der Milch sind eine Schande." Gleichermaßen seien auch Ackerbauern betroffen, ebenso die Rinder- und Schweinezüchter.

Staatssekretär Gerd Müller bezeichnete den Bauernstand als "Urberuf" - die Leistung der Bauern zur Sicherung der Ernährung werde für die Zukunft immer wichtiger, eine Milliarde Menschen hätten diese Sicherheit nicht. Der tägliche Flächenverlust von 120 Hektar werde in der Agrarproduktion fehlen. Als wichtiges Signal bezeichnete der Staatssekretär die Ernährungsbildung schon im Kindergartenalter. Doch dies alles könne nicht darüber hinwegtäuschen, dass man 2009 bei ruinösen Preisen angelangt sei. Erhielten die Milchbauern 2007 noch 42 Cent pro Liter, sind es zurzeit noch zwischen 22 bis 24 Cent.

"Fünf Lebensmittelketten führen 100 Molkereien vor"

Staatssekretär schimpft auf den Handel und die Molkereien

Die Ursachen sieht Müller in einem Rückgang der Inlandsnachfrage, Einbruch beim Export (minus 30 Prozent bei Butter) und Währungsproblemen. 60 Prozent der Milch gehe in die Industrie zur Verarbeitung, doch diese reagiere mit pflanzlichen Nachahmungsprodukten und verschärfe die Situation zusätzlich. Wörtlich sagte Müller: "Die Politik steht zwar in der Verantwortung und kann die Rahmenbedingungen ändern, doch die Preisgestaltung haben wir nicht in der Hand. Die Erhöhung der Quotenerhöhung in der EU war ein falsches Signal, und es bleibt zu hoffen, dass in Brüssel noch korrigiert wird." Neben dem Handel prangerte Müller das Management in den Molkereien an. "Die Molkereien bekunden Solidarität mit den Bauern, aber was tun sie für die Milch aus der Region? Es gibt keine Werbekonzepte der Milchwirtschaft. Es kann nicht sein, dass fünf deutsche Lebensmittelketten 100 Molkereien vorführen", beklagte der Staatssekretär.

Ehrung Die neuen Landwirtschaftsmeister ehrte Kreisbäuerin und stellvertretende Landrätin Anni Fries und gab ihnen ein Zitat von Henry Ford mit auf den Weg: "Wer nicht ständig besser wird, hört bald auf, gut zu sein." Geehrt wurden Georg Kugelmann (Bobingen), Michael Schlecht (Königsbrunn), Thomas Schneider (Mittelstetten), Hansjörg Kastner (Maingründel) und Josef Fichtel (Häder).

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